Beiträge mit Schlagworten ‘Australien’

Alice Springs – Port Augusta – Adelaide – Sydney

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In Port Augusta haben wir es endlich geschafft: wir haben einen Kontinent durchquert! Gut, es ist der kleinste, aber immerhin! Über 3.000 km und sechseinhalb Wochen fuhren wir auf dem Stuart Highway quer durch das Land, durchfuhren Klima-, Vegetations- und Zeitzonen. Das Wetter stellte sich uns oft entgegen, meist hatten wir gegen starken Gegenwind anzukämpfen, im Norden viel zu heiß, je weiter südlich wir fuhren umso kälter wurde es, einige Nächte froren wir im Zelt. Auch die Eintönigkeit der Landschaft und die Einsamkeit forderte uns einiges ab, Ausdauer im mentalen Sinn war hier gefragt. Doch es hatte auch seine guten Seiten, das Outback: Der Himmel ist grandios hier, er wirkt viel höher als anderswo und die Farbverläufe morgens und abends sind wie gemalt. Zudem war das Campen so einfach, wann immer wir dachten es sei Zeit das Lager aufzuschlagen, fanden wir innerhalb der nächsten fünf Kilometer einen geeigneten Platz, versteckt hinter Büschen, auf ebenem Boden. Einsam schlugen wir unser Zelt auf, kochten und gingen mit der Sonne schlafen. Nachts war nur alle paar Stunden ein vorbeifahrender Roadtrain zu hören, während das einzige Licht der Mond und ein gigantischer Sternenhimmel war.

Doch es gab noch einen weiteren Kampf auszutragen, den mit dem Tierreich, im Besonderen den Fliegen! In meinem Leben war ich noch nie an einem Ort an dem es so unerträglich viele Fliegen gab wie hier. Sie sitzen einem am Auge, kriechen in Nase, Mund und Ohr und treiben einen so langsam in den Wahnsinn. Wir waren immer in Begleitung einer mindestens 50-köpfigen Reisegesellschaft, die sich auf unseren Rücken, dem Rad und den Taschen umher fuhren liessen. Wurde gekocht, ertranken immer mehrere in Tee oder Sauce. Morgens warteten sie geduldig am Moskitonetz des Zelts bis wir rauskamen um sich direkt auf uns zu stürzen. Kurz hinter Alice Springs schenkte uns eine Spanierin Fliegennetze, die ab da häufig genutzt wurden. Abgesehen von den Fliegen waren Moskitos und Ameisen lästig. Grasspinnen, die maximal handtellergroß, braun und behaart sind, flößten zumindest mir große Angst ein, wenn sie auch harmlos sind, was ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wusste. Känguruhs und Wallabies sahen wir wenige, nur drei Emus und keine Koalas oder Wombats, dafür erfreute mich Vieh in Form von Rindern und Schafen besonders: Ausgesprochen neugierig wurden wir beim Heranfahren beäugt, teilweise schauten uns 20 Augenpaare an, dann gab es eine Schrecksekunde und alle flitzten wie verrückt weg, jedes Mal ein großer Spaß!

Über die Southern Flinders Ranges, die Weinanbaugebiete Clare und Barossa Valley fuhren wir weiter Richtung Süden. Es ist eine Schande, aber wir verköstigten keinen Wein, einerseits da wir wie immer zu spät dort ankamen andererseits weil Alkohol und Radfahren blöderweise nicht gut zusammenpassen. Und ob dem Winzer das passt, dass wir unser Zelt direkt vor seiner "Cellar Door" aufschlagen nur weil unsere Beine zu schwach nach all dem Wein sind, war fraglich. In den Adelaide Hills besuchten wir die von deutschen Einwanderern gegründeten Städte Tanunda (in der es ausgezeichnete schwäbische Brezeln gab!), Lobethal und Hahndorf, wobei vor allem letzteres nichts außer eine Touristenattraktion darstellt. Selbst Jim in der ansässigen Touristeninformation hielt nichts von der Kommerzialisierung seines Heimatortes und den (O-Ton) unerwünschten Touristen. Deutschstämmige würden hier auch keine mehr wohnen und es wird schon lange kein deutsch mehr gesprochen. Geworben wird trotzdem mit dem "deutschen" Dorf Hahndorf. Über die Adelaide Hills fuhren wir noch an demselben Tag nach Adelaide, sahen wir hier doch keinen Grund länger zu bleiben.

In Adelaide wie auch in Sydney fanden wir unsere Unterkunft bei gastfreundlichen WarmShower-Nutzern (http://www.warmshowers.org). Vielen Dank an Bell, Marc, Emma und Jeff! Nach fast zwei Monaten ausschließlichen Campens konnte wir wieder in einem Bett schlafen und eine Küche nutzen. Der Aufenthalt hier kam uns vor als hätten wir wieder ein Zuhause, was eine mehr als geschätzte und notwendige Abwechslung zum ständigen Unterwegssein darstellte.

Von Adelaide nach Sydney zu kommen stellte uns auch vor vielerlei Entscheidungen. Anfangs waren wir überzeugt schnell und einfach eine so genannte Relocation zu bekommen. Campingbus-Vermieter bieten hier günstig an einen Bus von einer Stadt zur anderen zu überführen. Zeit und Maximalkilometer sind vorgegeben, zudem bekommt man meist noch ein paar Dollar fürs Benzin. Jeden Morgen riefen wir pünktlich verschiedene Firmen und Dienstleister an um immer wieder zu hören "Unsere Liste wurde noch nicht aktualisiert" und kurz danach "Ja, wir hatten da mehrere, aber die sind leider schon weg". Es war frustrierend! Fliegen mit den Rädern war eine zu stressige Option, Zug zu teuer und Bus auch nur die letzte Möglichkeit. Kurzum entschlossen wir nach Melbourne, fast 1.000 km, mit dem Rad zu fahren, die Zeit war knapp, denn danach müssten wir natürlich noch nach Sydney kommen. Bereits am Abreisetag regnete es, wir kamen schon an Tag 1 nicht so weit wie gedacht, der zweite Tag war kalt, grau und windig – von vorne, versteht sich. Wir kehrten um, so hätten wir Melbourne nicht pünktlich erreicht. Zurück in Adelaide hatten wir dann innerhalb von zwei Tagen einen Relocation-Deal klar gemacht und machten uns einen Tag später auf den Weg. Die Kilometer waren sogar so großzügig bemessen dass ein Umweg über Melbourne möglich war, wenn auch dreieinhalb Tagen etwas knapp schienen. Bei all dem Stress und den Ausblicken von der Great Ocean Road aufs Meer fuhr Herr Simon auf eine Art Bordstein auf, was die Räder auf der Beifahrerseite im Bruchteil einer Sekunde in unfahrbaren Schrott verwandelte. Wir waren für eine Nacht in Apollo Bay gestrandet und bekamen unsere neuen Räder erst um 14 Uhr am nächsten Tag. Die Zeit wurde knapp, doch bot man uns an, einen Tag zu einem annehmbaren Preis zu verlängern, was wir dann sicherheitshalber taten. Wir fuhren kurz durch Melbourne und Canberra, durch den Kosciuszko-Nationalpark und erreichten Sydney pünktlich und unversehrt. Der Ärger fing dann bei Abgabe an, die Versicherung kam nur für einen "tyre" (=Reifen) auf, demnach war einer von uns zu bezahlen. Schön und gut, so steht’s geschrieben, doch meinte Dirk, der dort arbeitende deutsche Backpacker, dass wir das komplette Rad zu bezahlen hätten. Erst fünf Tage später konnte uns dann eine gesicherte Aussage gemacht werden: 180 $ (= 130 €) müssen wir für den Reifen (nicht das ganze Rad!) zahlen. Na immerhin, doch ausgesprochen unprofessionell … Schon häufiger litt der Service in Australien unter den dort arbeitenden Work-and-Travellern, die einfach keine Ahnung haben und ja auch nach ein paar Monaten wieder weg sind.

In Sydney führten wir das obligatorische Sightseeing-Programm durch: Opera-House, The Rocks, City-Center, Maroubra-Beach. Es gefällt uns hier, hier lässt es sich gewiss gut leben, doch freuen wir uns jetzt schon wieder auf das wahre Abenteuer in Indonesien. So einfach es ist in einem westlich geprägten Land wie Australien zu reisen, so wenig Überraschungen hält es dagegen für einen bereit. Wir sind bereit für neue Überraschungen und Widrigkeiten!

[thaya]


Darwin – Alice Springs

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Heute ist Sonntag und wir sind seit ca. einer Woche in Alice Springs, in “the Alice”, wie die Einheimischen fast schon liebevoll die Metropole im Herzen des Red Centres nennen. Die letzten drei Tage haben wir mal locker über 1.500 km zurückgelegt. Nein, nicht mit dem Fahrrad, mit dem Auto. Wie immer war es keine leichte Entscheidung sich ausnahmsweise gegen das Fahrrad zu entscheiden. Im Prinzip wäre es auch möglich gewesen die Strecke zum Ayers Rock, den Olgas und dem Kings Canyon mit dem Rad zu fahren, aber aufgrund der schlechten Versorgungslage mit bezahlbaren Lebensmitteln und die Aussicht darauf mindestens ein Viertel der Strecke starken Gegenwind zu haben, investierten wir das Geld lieber in einen Mietwagen und gaben uns den Freuden des Fahrens auf der falschen Straßenseite hin. Zusammenfassend war der Trip eine schöne Abwechslung, allerdings würden wir uns den Kings Canyon das nächste Mal sparen oder mindestens einen Tag mehr einplanen. Am beeindruckendsten fanden wir beide aber das Erlebnis der flachen Landschaft aus der dann plötzlich die beiden Gesteinsformationen des Ayers Rock und der Olgas hervorragen. Genau genommen sind es eigentlich drei, denn es gibt noch den Mount Connor, der scheint aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht so ein Touristenmagnet zu sein. Allerdings ging der Trip ganz schön ins Geld, wie auch sonst das tägliche Leben in Australien, insbesondere für Radler im Outback. Die Notlage von Radlern, die naturgemäß nicht über die Kapazität der motorisierten Touristen verfügen und einfach in den wenigen größeren Orten wie Darwin, Katherine, Tennant Creek oder Alice ihre Vorräte an Lebensmitteln, sowie Alkohol und Softdrinks zu vergleichsweise zivilen Preisen auffüllen können und dadurch auch mal teure "Durststrecken" relativ komfortabel überstehen können wird rigoros ausgenutzt: alles was lieb und teuer ist oder wonach man sich nach einem heißen Tag sehnt kostet im Schnitt das drei- bis fünffache des normalen Ladenpreises! So ist es z. B. so, dass man in Yulara am Ayers Rock, AUD $36 für ein Six-Pack Bier bezahlt, wofür man in Alice einen 24er Karton bekommt!

Wenn man dann mit einheimischen Touristen redet (und davon gibt es hier eine ganze Menge) wird sich aufgeregt und einem natürlich mitfühlend zugestimmt und dann erklärt, dass das Ganze ja mit den großen Distanzen zu tun hätte und den Kosten Getränke zu kühlen. Hmm … Also an einem x-beliebigen Roadhouse entlang des Stuart Highway kosten Sachen ein mehrfaches als im Supermarkt 100km weiter? Für uns etwas unverständlich werden doch alle Güter auf dem Weg zu den Supermärkten auch dort vorbei gefahren. Wo wäre also das Problem hier und da mal einen Stopp einzulegen und ein paar Kisten abzuladen? Aber so ist eben die Tradition hier. Es war früher teuer weil alles soweit von der Zivilisation entfernt ist, und obwohl der Stuart Highway heute keine unbefestigte Naturpiste mehr ist, ist das im Internetzeitalter immer noch so.

Insgesamt entsteht ein bisschen der Eindruck der Rückständigkeit. Seien es nun die Preise für gekühlte Drinks das mit hohen Stromkosten und langen Wegen erklärt wird oder das Problem des kostengünstigen verfügbaren Internetzugangs – es wird entschuldigend akzeptiert, das spritschluckende Allradfahrzeug inklusive klimatisierten, bemikrowelltem Wohnwagen aufgetankt (sofern man nicht gleich mit einem Wohnmobil in Reisebusgröße inklusive Anhänger mit Allrad-PKW für die Einkaufsfahrten unterwegs ist) und sich mal für ein paar Wochen oder Monate mit Kind und Kegel ab in den Busch gemacht. Dabei scheinen viele von ihnen gar keine konkreten Ziele zu verfolgen sondern fahren mal von hier nach da, nach dort und vielleicht wieder ein Stück zurück um dann woanders hin zu fahren, zwischendurch sämtliche auf der Strecke liegenden Nationalparks und Sehenswürdigkeiten abzuhaken, wobei letztere zumindest im Northern Territory hauptsächlich aus Replikas ehemaliger Telegrafenstationen aus der Kolonialzeit zu bestehen scheinen und 2. Weltkriegs-Buschflugplätzen, sprich ein Stück rote flache Erde. Gäbe es kein Schild, man hätte vielleicht was verpasst. Besonders gut hat uns auch "der höchste Punkt auf dem Stuart Highway" gefallen, eine gemauerte Säule, darauf angebracht eine Plakette mit Hinweis darauf, allerdings ohne Höhenangabe. Aber wir wussten zumindest eines: Von hier ab geht es nur noch runter!

Andererseits erleben wir eine Besonderheit, die selbst viele Einheimische hier noch nie gesehen haben: Das rote Zentrum ist grün! Dank der ungewöhnlich starken Regenfälle der letzten Tage und Wochen hat sich das sonst so trockene, rote, ausgedörrte Land in eine grüne Wald- und Wiesenlandschaft verwandelt. Wäre da nicht die rote Erde, man könnte meinen, man sei gar nicht in Australien sondern in Norddeutschland. Allerdings hat das für uns auch einige Nachteile. Zum einen ist es wegen des hohen Grases etwas schwieriger einen Zeltplatz für das Nachtlager zu finden, denn im Land mit den giftigsten Tieren überhaupt möchte man ungern 100 km entfernt vom nächsten Buschkrankenhaus Bekanntschaft mit den einheimischen Schlangen- und Spinnenspezies machen. Zum anderen gibt es momentan überall genug Nahrung und Wasserlöcher für die Tiere, so dass man Känguruhs und andere Wildtiere nur selten, und dann meist nur als Verkehrsopfer zu sehen bzw. zuerst zu riechen bekommt. Dies war vor allem im Norden, von Darwin nach Katherine extrem was die schiere Anzahl anging, weiter südlich Richtung Tennant Creek dann bezüglich des Gestanks – eine ausgewachsene, halbverweste Kuh stinkt nämlich schon ganz gewaltig!

[andreas]