Beiträge mit Schlagworten ‘Bali’

Cruising Indonesia – PELNI Special

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Bali die 2te. Es war der günstigste Flug aus Australien raus und – Bali ist nicht die schlechteste Destination. Nachdem wir geringfügige Probleme mit der Airline hatten – man hatte uns gezwungen ein Rück- bzw. Weiterflugticket zu kaufen, dass wir, wie man uns sagte, vor Ort wieder stornieren und damit unser Geld zurück bekommen könnten (was nicht stimmte – wir mussten schließlich deren Büro in Sydney anrufen …), hatte uns Kuta wieder. Unser erster Weg führte uns zum PELNI Büro, wo wir 2 Tickets nach Sulawesi erstanden. Nach zehntägigem Warten und dem üblichen Stress beim Boarden freuten wir uns auf eine weitere Schiffsreise. Da unter Deck bereits alles belegt war und einige Indonesier bereits in den Ecken und Treppenaufgängen kampierten entschieden wir uns gleich an Deck zu bleiben. Das Wetter war gut, wir fanden eine Bank und hatten auch die Räder direkt bei uns. Gegen später gesellten sich dann einige Indonesier zu uns, und ein australischer Backpacker, der sich in der letzten Phase seines Ueberlandtrips von London nach Australien befand. Alles war in bester Ordnung bis der 1. Offizier uns warnte, dass es in den nächsten beiden Häfen etwas hektisch zu gehen werde und noch mehr Leute an Bord kommen würden, dass wir um unsere Ruhe fürchteten. Und das taten wir zurecht. Als wir im nächsten Hafen anlegten konnten wir einen Mob erkennen der hinter der Umzäunung wartete. Einige von ihnen trugen Kleidung die sie als PELNI Träger identifizierte, der Rest hatte seine Arbeitskleidung wohl entweder in der Wäsche oder war versuchte als freier Träger ein paar Rupien zu verdienen. Noch bevor das Schiff angelegt hatte versuchten schon die ersten den Zaun zu überwinden um auf die Treppe zu gelangen, wo sie vom Sicherheitpersonal zurück geprügelt wurden. So krass sich das auch anhört, schien das alle paar Wochen stattfindende Ereignis der Ankunft eines grossen Schiffes eine willkommene Abwechslung im wahrscheinlich eher ereignislosen Alltags diese Ortes zu sein, so dass die Männer sich eher zum Spass einen Wettbewerb lieferten wer wohl der erste an Bord sein würde.

Allerdings hat der Spass auch seine Grenzen. Z.B. wenn weinende, zu Tode geängstigte Frauen einem Säuglinge entgegen halten aus Angst zu stolpern und von der Menge überrannt oder zerquetscht zu werden! Wir befürchteten das Schlimmste im nächsten Hafen, hier lief es aber etwas zivilisierter ab. Mittlerweile war sämtlicher Platz an Deck in Beschlag genommen. Ganze Familien machten es sich an Deck so gut es ging auf Plastikplanen gemütlich, während andere die noch einen Platz auf einer Bank ergattern konnten mit dem Oberkörper auf ihren Gepäckberg gebeugt schliefen. Zunächst empfanden wir Mitleid – immerhin hatten wir eine ganze Bank und sogar eine Matte, doch Mitgefühl ist hier nicht angesagt. Jeder ist sich hier selbst der Nächste, es werden um Zentimeter gekämpft, und nach dem wir gutherzig wie wir sind einer Indonesierin einen Platz auf unserer Bank anboten sass bald darauf die halbe Familie auf der Bank! Zwischenzeitlich hatte auch das Wetter umgeschlagen. Es regnete leicht und obwohl wir ein Dach über dem Kopf hatten sorgte die Nässe doch dafür dass innerhalb kurzer Zeit auf Deck ein Schmierfilm aus Staub und Wasser entstand. Zusätzlich hatte es etwas Wellengang, und so stürzten regelmäßig Leute an uns vorbei um sich über Bord, meist aber in den Eimer der 3m von uns entfernt stand zu übergeben. Lecker!

Aber alles nimmt auch mal ein Ende und so kamen wir schließlich wohlbehalten in Makassar an. Ursprünglich wollten wir ja das Toraja Hochland besuchen, allerdings machte uns die Regenzeit, das Visum und nicht zuletzt auch die noch nicht veröffentlichten PELNI-Fahrpläne einen Strich durch die Rechnung, so dass wir uns schweren Herzens entschieden Sulawesi am 2. Januar quasi ungesehen wieder zu verlassen, ein weiteres Schiff nach Nunukan auf Borneo zu nehmen, denn von dort ist es nur noch ein kurzer Speedboat-Trip nach Tawau, Sabah, Malaysia.

Der nordöstliche Teil von Malaysisch-Borneo empfing uns mit ausnehmender Freundlichkeit, chinesischen Läden, englischsprechenden Menschen (naja, sagen wir mal deutlich mehr als in Indonesien) und grundsätzlichen höheren Standards als in Indonesien. Aber zunächst mal waren wir krank. Ich zuerst, kurz darauf auch Frau Schroeder. Die Schiffsklimaanlage war wohl schuld, die uns zwei Tage lang mit einer Mischung aus kalter Luft und was-weiss-ich-sonst-noch beglückte. Aber zum Glück hatten wir ein Zimmer mit Movie-Channel, was uns in die beneidenswerte Lage versetzte Stirb Langsam 2, 101 Dalmatiner, Signs und diverse andere Filme mindestens dreimal und zusätzlich zwischen den Filmen die monatlichen Highlights als Vorschau zu sehen. Fünf Tage später verliessen wir Tawau, immer noch leicht angeschlagen, unser Weg führte uns in vier eher ereignislosen Tagen durch endlose Oelpalmplantagen nach Sandakan, wo uns eine weitere Schiffsreise durch den berüchtigen Sulu-Archipel (wer erinnert sich noch an die entführten Deutschen auf Jolo?) nach Zamboanga City auf den Phillippinen erwartete.

[andreas]


Sumatra – Java – Bali

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“Hello Mister!” schallt es mir mal wieder entgegen, Mister! Keine Ahnung wer den Indonesiern beigebracht hat, dass “Hallo Ausländer” “Hello Mister” heisst, egal welchen Geschlechts man ist … Überall wird man entsprechend begrüßt, die weitere Konversation umfasst die Fragen “How are you?”, “Where are you from?”, “Where you go?”, die Antworten genauso wie eventuelle Gegenfragen werden meist nicht verstanden. Antwortet man entsprechend auch mit “Hello Mister!” wird gelacht, der Indonesier ist doch kein Mister! Begeisterung stellt sich immer bei Auskunft unserer Herkunft ein und es wird gerne entweder auf Fussball oder Hitler Bezug nehmend näher darauf eingegangen.

Schon nach kurzer Zeit stellte sich diese Form des interkulturellen Austauschs jedoch als etwas eintönig und ermüdend heraus, da Java im Grunde genommen aus einer mehr oder weniger dichten Ansammlung von Häusern besteht, die sämtliche Straßen säumen. Die Insel zählt zu den dicht besiedelsten Gebieten der Erde, mit 136 Millionen Menschen die auf einer Fläche so groß wie ungefähr einem Drittel von Deutschland leben.

Da ein jeder hier auch mobil sein möchte und ist, besteht ein enormes Verkehrsaufkommen aus unzähligen Motos, Reisebussen, Pick-Ups, Minibussen und SUVs. Busse fahren gern sehr nah vorbei und machen einem immer wieder bewusst dass ein Schlenker oder Unkonzentriertheit fatale Folgen haben kann. Gleichzeitig ist der Strassenbelag nicht wirklich gut – unzählige Schlaglöcher, teils mit unterschiedlichsten Materialien geflickt, höher oder niedriger als der Rest der Strasse, Steine, Dreck, tote Tiere oder durch die Hitze entstandene Verwerfungen erschweren ein Geradeausfahren. Hinzu kommen die Abgase, schon nach ein paar Tagen auf Java litten wir beide an Husten, der die ganze Zeit anhielt, mal mehr oder weniger schlimm.

Dennoch kamen wir relativ gut durch, da irgendwie alle Verkehrsteilnehmer aufeinander achten und auch wenn uns die Fahrpraxis teils verzweifeln liess, da Motofahrer beispielsweise beim Abbiegen nicht schauen ob etwas kommt und man demnach Abbremsen oder Ausweichen muss, fühlte ich mich eigentlich nicht unsicher oder gefährdet. Einen kleinen Unfall hatte ich dennoch, am vorletzten Tag auf Java wurde ich im Stadtverkehr zwischen einem Auto dessen Fahrer sich ohne zu schauen in den Verkehr einfädeln wollte und einem Moto, das mich überholte, eingequetscht, ich konnte nur dem Auto ausweichen, woraufhin das Moto auf mich fuhr und ich umfiel. Ausser ein paar Prellungen und Schürfwunden passierte nichts und zumindest der Autofahrer den Herr Simon aufhielt entschuldigte sich mehrfach, während der Motofahrer einfach abhaute. Nach über 4.000 Kilometern durch den wahnsinnigen Verkehr Südostasiens war das ja beinahe überfällig und ich bin froh dass nicht mehr passierte.

Unsere Route durch Java begann nach einer zweitägigen Schiffsüberfahrt von Padang auf Sumatra in der Hauptstadt Jakarta, von wo aus wir grob immer Richtung Osten fuhren. Über den 1.500 m hohen Puncak-Pass fuhren wir in die drittgrößte Stadt Bandung, nach weiteren drei Tagen erreichten wir Yogyakarta, eine sehr touristische Stadt die als das spirituelle Zentrum Javas bezeichnet wird. Nur eine kurze Tagesetappe entfernt war Surakarta alias Solo, welches uns sehr viel besser gefiel. Das Leben fand hier mehr auf der Strasse statt, es gab viele Getränke- und Essensstände, an oder neben denen man saß, während der Verkehr geringer als in anderen Städten war und kaum Touristen zu sehen waren, was Solo recht ruhig wirken liess. Weiter östlich in Jombang, einer durch ausländischen Tourismus unerschlossenen Provinzhauptstadt, hatten wir das erste und einzige Mal das Problem ein Zimmer zu finden. Das erste Hotel war unverschämt teuer, zumindest was die Zimmer der Kategorie “Ekonomi” anbelangt, während die “Emerald Suite” für 25 Euro gewiss auch nicht ihrer Bezeichnung entsprach … also suchten wir weiter. Das nächste Hotel verwies uns an ein drittes in dem wir nach Prüfung unserer Pässe abgewiesen wurden, warum wissen wir nicht, aber vermutlich weil wir nicht verheiratet sind. Sich dann ein Zimmer zu teilen gilt in einem muslimischen Hotel als ungehörig. Das nächste Hotel, das gewillt war uns als Gäste zu empfangen, war zwar nicht gerade günstig für was es bot, aber es wurde zumindest nicht nach unserem Familienstand gefragt.

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Von Jombang fuhren wir weiter nach Pasuruan am Fuße des Vulkans Gunung (= Berg) Bromo. Da wir mal wieder besonders abenteuerlich und nicht zuletzt clever sein wollten erstellten wir uns mithilfe von Google Maps eine Alternativstrecke zur Standardroute von Probolinggo aus. Nach unserer schmerzlichen Erfahrung mit einer “Abkürzung” auf Sumatra hätten wir uns eigentlich denken können dass die Route von Probolinggo vermutlich nicht ohne Grund die bevorzugte ist. Es war uns klar, dass der Weg bergauf führen würde, der von uns gewählte führte jedoch anstrengend bergauf und kurz darauf verloren wir die hart erkämpften Höhenmeter wieder da der Weg durch tiefe Täler steil runter und wieder hoch führte. Noch dazu verfuhren wir uns und merkten das erst nach einigen Kilometern bergauf. Als wir endlich auf dem richtigen Weg waren, war die Motivation bereits auf dem Tiefpunkt und wir waren kurz davor nach Probolinggo zu fahren und die ganze Tour teuer von dort mit dem Minibus zu machen. Also gingen wir erst mal Mittagessen wo wir offensichtlich abgezockt wurden, klar, Touristengegend. Der Preis war nicht mal das schlimmste, das dümmste war, dass die Wirtin den anwesenden örtlichen Polizeibeamten vor meinen Augen nach einem adäquaten Preis fragte. Was will man dazu sagen?

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir den Ort Sukopura in dem wir Übernachtungsmöglichkeiten vermuteten. Ein Schlepper der uns auf dem Weg schon ansprach wartete bereits und führte uns zu einem “guten” Guesthouse. Es ist immer fraglich ob man solche Angebote annehmen soll oder nicht, wenn man ablehnt muss man unter Umständen nach langer Suche wieder zurückkommen und es hat nur Zeit und Nerven gekostet. Das Angebot war nicht super, Zimmer ging, Preis etwas teuer, aber wir waren müde und dachten uns wegen ein, zwei Euro ist es die Anstrengung nicht wert. Also nahmen wir das Zimmer. So zu Sonnenuntergang um ungefähr halb sechs begann der Muezzin, wir waren an sich in sicherer Entfernung von der Moschee doch wurde hier das “Abendprogramm” per Lautsprecher übertragen, direkt gegenüber von unserem Fenster! Es war unvorstellbar laut, so laut dass man weder lesen, sich unterhalten noch denken konnte! Normalerweise dauert die Ansprache ungefähr eine halbe Stunde, doch nach zwei Stunden war immer noch nicht Schluss. Mittlerweile war der vierte oder fünfte Muezzin am Mikrofon, der sich offensichtlich noch in Ausbildung befand, da er Wörter und ganze Sätze nach falscher Aussprache wiederholte und ein anderer ihm soufflierte. Nach circa vier Stunden war endlich Ruhe, es war bereits halb zehn. Mitten in der Nacht um ungefähr halb vier ging es wieder los! An Schlaf war nicht mehr zu denken, also standen wir auf und machten uns in völliger Dunkelheit auf den weiteren Weg bergauf. Laut Lonely Planet sollten es sieben Kilometer bis zum nächsten Ort sein. Zwei Kilometer nach Ortsende kamen wir zu einem Kilometerstein, es waren zwölf! Wie schon des öfteren hat der LP versagt und ich hatte schon das ein oder andere Mal mit dem Gedanken gespielt ihn einfach wegzuwerfen. Falsche Auskünfte sind manchmal schlechter als keine. Zudem hatten wir uns erst in Yogyakarta einen aktuellen Lonely Planet Länderreiseführer “Indonesien” (100% researched and upgraded!) gekauft – es gab einfach auch keine Alternative vor Ort, was sich als großer Fehler herausstellte. Während unser alter “Southeastasia on a shoestring” zwar von 2004 war und veraltete Infos und Preise enthielt, waren dort wenigstens Budgetoptionen verzeichnet während in dem Indonesienführer nur noch ein oder zwei günstige Übernachtungsmöglichkeiten aufgeführt sind und der Rest “Midrange” und “Top End” abdeckt. Lonely Planet hat eindeutig seine Zielgruppe verlagert und richtet sich nun an den mehr oder weniger individuell reisenden Besserbetuchten mit dem Verlangen nach Zimmern mit Klimaanlage, heißem Wasser (in den Tropen!) und Entertainmentangebot.

Nun gut, jedenfalls bedeuteten zwölf Kilometer fünf Kilometer mehr bergauf als gedacht und der Weg war steil, so steil, dass wir teils absteigen und schieben mussten. Schieben mit dem schweren Rad stellt keineswegs eine Erleichterung sondern lediglich eine Abwechslung dar, nach kurzer Zeit schmerzen die Arme und die Beine, aber im Gegensatz zum Fahren geht es wenigstens. Der Weg wurde immer steiler, irgendwann war an Fahren gar nicht mehr zu denken, und dann musste ich alle 20 Meter Pause machen um Luft zu holen. Es war eine fürchterliche Tortur! Wir dachten daran einen Minibus anzuhalten oder einen Local mit Pick-Up zu fragen ob er uns mitnimmt, wollten noch aber zumindest bis zum nächsten Ort mit Guesthouse weitergehen. Als wir nach ungefähr neun Kilometern gerade eine Pause auf einer Leitplanke machten hielt ein Pick-Up mit einer vierköpfigen muslimischen Familie vor uns und fragte ob sie uns mitnehmen sollen. Sofort stimmten wir zu und packten die Räder auf die Ladefläche. Ich war so unvorstellbar froh! Wir fragten uns aber auch was das wohl kosten würde, da die Einheimischen solche Notlagen verständlicherweise gerne ausnutzen. Der Weg bis nach Cemoro Lawang am Kraterrand, also oben, war bestimmt noch zwölf Kilometer weit und es ist fraglich ob wir das überhaupt an einem Tag geschafft hätten. Oben am Eingang zum Nationalpark kauften unsere Fahrer sogar noch Eintrittskarten für uns. Als wir nach dem Abladen fragten was wir ihnen schuldeten (mittlerweile wollten wir ihnen gerne etwas freiwillig geben), lehnten sie ab und bestanden nur auf ein Foto mit uns. Wahrscheinlich ist sich die Familie gar nicht bewusst wie sehr sie uns geholfen haben und wie viel Geld wir im Gegensatz zu der Fahrt im Minibus gespart haben, wir sind ihnen jedenfalls immer noch sehr dankbar!

Da wir ohne Frühstück los gegangen sind, gingen wir erst einmal etwas essen und überlegten was wir nun machen wollten. Es war erst 10 Uhr morgens und der Tag somit noch jung. Leider war das Wetter trüb und neblig und man konnte nicht weit sehen. Im Restaurant unterhielten wir uns mit einem Inder der meinte es hätte bereits morgens so ausgesehen, daher gab es keine gute Aussicht auf die Vulkane. Das Spektakuläre an dem korrekt bezeichneten Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark ist der Blick bei Sonnenauf- oder -untergang in den großen Tenggerkrater in dem die Vulkane Bromo, Kursi und Batok entstanden, während im Hintergrund die höchste Erhebung Javas, der aktive Vulkan Semeru, zu sehen ist. Laut Wetterbericht sollte es auch die nächsten zwei Tage regnen und uns damit die “gute” Sicht verbauen, daher entschieden wir uns uns sofort auf den Weg durch den Krater auf die Südseite zu machen. Der Blick auf die Vulkane über den Vulkansand war ausserirdisch, der Tenggerkrater unglaublich groß und der Blick wie in der Wüste weit. Zudem war es unnatürlich still. Wir waren trotz schlechten Wetters sehr beeindruckt. Die ersten Kilometer im Krater mussten wir wegen des Sands schieben, dann wuchs Gras, der Boden wurde fester und wir konnten fahren, leider regnete es mittlerweile recht stark und wir wurden komplett durchnässt. An der Südseite mussten wir wieder aus dem Krater heraus, der Weg war zu steil zum Fahren und es dauerte Stunden bis wir auf dem Kraterrand standen. Es ging weiter bergauf bis der Weg sieben Kilometer abwärts zu dem Ort Ranu Pani führte, den wir um halb vier erreichten. In der dortigen Berghütte legten wir uns bald schlafen. Früh morgens machten wir uns an die Abfahrt nach Lumajang. Die Strecke war ausgesprochen schön, die schmale Straße führte durch dichten Dschungel moderat bergab und war abgesehen von gelegentlich entgegenkommenden Motos nicht befahren.

Es war der erste Tag des Lebaranfestes welches den Abschluss der Fastenzeit Ramadan bildet. Im Internet hatte ich gelesen, dass das eine wunderbare Zeit sei in Indonesien zu sein und dieses Fest, das eine vergleichbare Bedeutung für Muslime hat wie für Christen Weihnachten, mitzuerleben. Demnach war ich sehr froh zu diesem Anlass in einer größeren Stadt zu sein, da ich mir eine Volksfeststimmung mit verschiedenen Ständen vorstellte. Dem war überhaupt nicht so. Geschäfte waren geschlossen wie an Weihnachten in Europa. Die Muslime fahren zu ihren Familien und feiern im Familienkreis, als Aussenstehender bekommt man davon gar nichts mit. Vermutlich ist es eine der schlechtesten Zeiten zu der man in Indonesien sein kann! Ramadan an sich war dagegen schon interessant: Wir waren auf Sumatra als die Fastenzeit begann, in den christlichen Gebieten um den Tobasee bekam man davon fast nichts mit, während in Bukittinggi an den Touristenlokalen Schilder mit “Tourists only” hingen und drinnen im Dunkeln gegessen werden konnte. Auch in West-Java waren mittags die meisten Lokale geschlossen, nur teurere Restaurants entlang der Straße waren für Nicht-Fastende oder Reisende geöffnet jedoch verbargen vorgezogene Vorhänge den Blick ins Innere. Schon in Zentraljava wurde die Fastenzeit lockerer gehandhabt, viele Restaurants hatten auch mittags geöffnet, es wurde “öffentlich” gegessen und auch viele Muslime hielten sich nicht an die Verbote. Je weiter wir östlich kamen desto weniger war die Fastenzeit erkennbar. Lediglich öffentliche Einrichtungen wie Museen waren ab mittags geschlossen und die Mitarbeiter hatten frei, in Yogyakarta wollten wir uns den Kraton (den Palast des Sultans) anschauen, aber der wurde um 12:30 Uhr geschlossen. Die Führer saßen davor an einen Essensstand und aßen, tranken, rauchten … Nach Nachfragen warum so früh zu sei, lautete die Antwort: “Ramadan!” Ja, klar!

Es war schon interessant mitanzusehen, dass auch in einem als sehr muslimisch angesehenen Land die Einheimischen genauso locker mit säkulare Ge- oder Verboten umgehen wie bei uns, zum Beispiel in der vorösterlichen Fastenzeit, dennoch ist das Leben viel stärker davon beeinflusst was eben Öffnungszeiten oder Einkaufsaktionen wie “Lebaran Sale” anbelangt.

Nun da wir unser “Programm” auf Java durchhatten hasteten wir nur noch Richtung Bali. Nach drei Tagen nahmen wir die Fähre nach Gilimanuk im Nordwesten der Urlaubsinsel. Vor zwei Jahren waren wir schon mal hier und ich hatte die Insel als zu touristisch empfunden, aber genau darauf freute ich mich jetzt sehr! Wir fuhren Richtung Kuta mussten aber noch einmal übernachten und versuchten es erst in dem Surfspot Medewi wo aber leider bereits alles voll war und fuhren dann bis Balian Beach einem weiteren Ort an dem es sich gut surfen lässt. Die Fahrt auf Bali war zwar ausgesprochen szenisch, ja, schön ist es hier sehr wohl, aber auch sehr sehr anstrengend. Da Bali wie fast alle Inseln Indonesiens vulkanischen Ursprungs ist, ist die Insel recht hoch und fällt steil ab, durchzogen ist dieser Hang durch zahlreiche Flüsse die tiefe Täler eingeschnitten haben. In der Praxis heisst das: ein ständiges steiles Bergauf und Bergab! Wir jubilierten innerlich als wir in Kuta einfuhren, obwohl uns die stressige Unterkunftssuche noch bevorstand. Nach mehreren ernüchternden Nachfragen in Hotels oder Guesthouses die alle viel zu teuer waren, machten wir erst mal Pause und aßen Pizza! Das ist das Gute am Tourismus, es gibt westliches Essen, welche Freude! Danach nahmen wir recht schnell ein annehmbares Zimmer und suchten am nächsten Morgen weiter. Wir fanden eines das zwar über unserem üblichen Budget liegt aber für Kuta doch günstig ist.

Ein Grund schnell nach Bali zu kommen war, da unser Visa am 26. September ausläuft. Einerseits hofften wir auf ein umgängliches Immigrationsbüro und andererseits sind von Denpasar noch die günstigsten Flüge zu bekommen. Bei der Immigration waren wir mittlerweile, unser 60-Tage-Visum lässt sich nur verlängern wenn wir einen einheimischen, so genannten Sponsor finden, der für uns bürgt. Dann bekommt man 30 Tage Verlängerung. Danach muss man wieder mit einem Sponsor zum Immigrationsbüro und bekommt wieder 30 Tage und das maximal viermal. Die andere Möglichkeit einer Verlängerung besteht in einem Visa-Run, also aus- und wieder einreisen. Entweder bekommt man dann bei Einreise ein 30-Tage-Visa-On-Arrival oder man holt sich bei der Botschaft wieder ein 60-Tage-Visum.

Ich würde mir gerne noch die Inseln weiter östlich bis Osttimor anschauen, auf die Molukken und nach Papua, dann weiter nach Papua-Neuguinea (PNG) und von dort auf die Salomonen, doch mit 30 Tagen kommen wir nicht sehr weit. Allein für die Beantragung eines Visums für PNG muss man eine Woche einrechnen und für die Fahrt nach Jayapura auf Papua braucht man mit dem Schiff allein sieben Tage reine Fahrzeit. Da müssen dann auch noch die Fahrzeiten exakt stimmen! Und das ist nur der Weg um Richtung PNG zu kommen ohne Stopp auf irgendwelchen Inseln. Island-Hopping ist vermutlich mit einem Schiff um einiges einfacher als mit Rädern …

Wir haben uns mittlerweile demnach für den direkten Weg nach Australien entschlossen. Noch sollen die Temperaturen im Norden erträglich sein, aber die Regenzeit rückt näher und machen den Aufenthalt unerträglich. Daher ist es für eine Reise dahin jetzt gerade noch die richtige Zeit! Am Donnerstag (23. September) fliegen wir nach Darwin und machen uns dann auf den Weg mittendurch. Unseren Flug und Visa haben wir schon, sogar Kartons für die Räder, jetzt steht der Interkontinentalreise hoffentlich nichts mehr im Weg …

[thaya]