Beiträge mit Schlagworten ‘Batam’

Batam – Medan – Bukit Lawang – Berastagi – Lake Toba

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Es muss einfach mal gesagt werden: Südostasien stinkt! Müll, achtlos weggeworfen oder zu illegalen Müllkippen aufgetürmt, auf der Straße verendete Tiere, Essensabfälle, auf Gehwege und Straßen gekipptes Abwasser, schwarz-graue, dickflüssige Brühe in kleinen Gewässern, Bächen oder Kanälen, schwarz qualmende Abgase – und das alles in brütender, tropischer Hitze. Ein Symbol für diesen Gestank könnte die Durian sein, auch als Stinkfrucht oder Königin aller tropischen Früchte bezeichnet. In vielen Hotels, Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln verbieten Schilder das Mitbringen von Durian und über deren Geschmack lässt sich erst recht streiten … Es wird behauptet, dass wenn man erst mal den üblen Geruch ausgehalten hat und die Frucht probiert, man mit einem köstlichen Geschmack belohnt wird, der an einen butterähnlichen Vanillepudding erinnern soll. Probiert haben wir das selbstverständlich auch und verzichteten nach einem klitzekleinen Stückchen gerne. Naja, was heisst "Stückchen", unter der dicken, stacheligen, gelb-grauen Schale kommt das weiß-gelbe Fruchtfleisch zu Tage, das weich und schmierig ist, fest ist da nichts mehr, es ist die Konsistenz einer überreifen, ja, verdorbenen Frucht. So ist auch der Geschmack: einfach nur eklig. Fast alle Westler die wir fragten teilten unsere Meinung, nur einer meinte, es sei zwar nicht seine Lieblingsfrucht aber er könne sie essen, er sei Franzose, die essen auch stinkenden Käse. Für mich zwar immer noch etwas anderes, aber darin liegt die Diskrepanz der Geschmäcker wohl verborgen: die Südostasiaten sind damit eben aufgewachsen und demnach mögen sie Durian …

Wenn die Durian das Symbol des Gestanks ist, könnte Batam die Hauptstadt sein, zumindest wenn man aus der "saubersten Stadt der Welt" Singapur einreist. Unsere Ankunft in Indonesien war wieder mal ein kleiner Kulturschock. Hier ist alles extremer: der besagte Gestank, der Verkehr, der Dreck, die Aufmerksamkeit die man bekommt, die Armut. Leider mussten wir uns auf Batam drei Tage aufhalten, da wir auf die Fähre nach Belawan warten mussten, die nur einmal wöchentlich verkehrt.

Allein die Beladung der Fähre mit Passagieren und Gütern war ein Erlebnis. Es gibt dort Träger die unendlich Pakete und Taschen an Bord tragen, immer über Kopf, mitten im schlimmsten Gedränge. Aufseher schubsen die Träger direkt oder an ihren getragenen Dingen dann einfach wieder aus dem Strom der drängelnden Meute heraus, scheinbar grundlos, diese taumeln dann seitlich oder zurück, gegen Menschen oder fallen direkt auf den Boden. Daraufhin geben sie aber nicht auf, sondern drängen direkt wieder in die Menge, schubsen, taumeln, fallen und wieder von vorne. Auch die an Bord stürmende Masse ist unbeherrscht. Dabei gibt es nur Tickets mit Platzreservierung und das Schiff legte über eine Stunde zu spät ab.

Die Überfahrt nach Sumatra dauerte 23 Stunden. Wir wollten zügig das Schiff verlassen damit es nicht so spät werden würde, wenn wir in Medan ankommen. Leider bedeutete das auch, dass wir mitten im dichtesten Gedränge bei der Entladung standen, und das mit Fahrrad! Ich war machtlos und wurde nur noch geschoben während sich dennoch alle versuchten an mir vorbeizudrängen, dabei wurde ohrenbetäubend geschrieen. Hinter mir entstand eine Panik, ich dachte wirklich jetzt werden alle zerdrückt! Zum Glück rettete Herr Simon mich aus dem Gedränge und mein Rad und ich kamen heil ins Freie!

Der Verkehr auf Sumatra wird als grausam bezeichnet – volle Straßen, rücksichtslose Fahrer, extrem enges Vorbeifahren, schlechte Straßenverhältnisse. Dafür war die Fahrt nach Medan eigentlich recht angenehm, teils vierspurig, also gut zum Überholen, teils mit neuem Straßenbelag. Die Orientierung in Medan war etwas verwirrend, da in Indonesien die Verkehrsführung in Städten viele Einbahnstraßen vorsieht, die aber in Karten nicht vermerkt sind. Medan schauten wir uns noch einen Tag an, müssen aber sagen, dass es hier nicht viel zu sehen gibt und wir froh waren wieder aus der Stadt raus zu kommen.

Unser erstes Ziel auf Sumatra war Bukit Lawang, ein Ort am Rande des Gunung-Leuser-Nationalparks, der bekannt für seine Orang-Utan-Station ist. Auch wir waren nur deswegen hierher gekommen und sahen an einem Tag Dschungel-Trek diverse Orang-Utans, die hier teils wild, teils ausgewildert frei leben können. Außerdem sahen wir verschiedene Makaken, Gibbons und anderes Getier.

Von Bukit Lawang wollten wir nach Berastagi fahren. Der übliche Weg dahin führt wieder zurück über Medan und dann auf einer viel befahrenen, scheinbar nervenzehrenden Straße nach Berastagi, dabei sind die beiden Orte – Bukit Lawang und Berstagi – gar nicht so weit auseinander. Auf unserer Karte war eine Straße eingezeichnet, die wir aber woanders nicht finden konnten, also fragten wir uns bei der Touristeninformation und verschiedenen Einheimischen durch. Auch zwei Radfahrer haben in ihrem Blog davon berichtet, sind aber in die andere Richtung, also bergab gefahren. Die Straße wurde von fast allen als sehr schlecht bezeichnet, dennoch dachten wir, wird es schon möglich sein, zudem man bergauf auch langsamer unterwegs ist und die Straße nicht so gut sein muss wie beim Bergabfahren. Erst mussten wir fast 50 km wieder die Straße zurück fahren die wir herkamen um dann auf die ominöse Straße abzubiegen. Die ersten 10 bis 15 km war sie sehr gut, dann kamen ein paar Schlaglöcher hinzu, dann fehlender Straßenbelag unter dem der Untergrund zutage kam: Steine. Erst waren diese noch komprimiert wie Pflaster, dann wurden diese immer loser bis die Straße nur noch einem Geröllhaufen oder einem trockenen Flussbett glich. Fahren konnte man da schon lange nicht mehr, es ging nur noch zu schieben. Mit zunehmender Steigung wurde auch das immer anstrengender, die Räder blieben immer wieder zwischen den Steinen stecken und wir mussten das Rad anheben und weiterschieben. Unser Ziel war ein Ort namens Pamahsimelir in dem es einen Homestay geben soll. Ungefähr zwanzig Kilometer davor fing es an zu regnen, und regnen heisst hier schütten. Wir stellten uns unter, warteten etwas und schoben als es etwas weniger regnete weiter. Mittlerweile wollten wir einen Bas (ein Minibus mit Dachgepäckträger der als Sammeltaxi eingesetzt wird) nehmen, aber es kam keiner. Wir fragten ein paar Männer ob sie uns mit ihren Pick-Ups fahren könnten, die Preisverhandlungen zogen sich in die Länge, was außer Nerven vor allem wertvolle Zeit kostete und zu keinem Ergebnis führte. Entnervt gingen wir weiter uns schon damit abfindend dass wir wohl zelten müssen, was aber besonders wegen der Nässe kein Spaß werden würde. Dann begann es wieder sturzbachartig zu schütten und wir stellten uns unter einem Vordach unter. Die Bewohner boten uns Stühle an und ein älterer Herr fragte woher wir seien und verschwand im Nebenhaus. Die Option zu zelten sah immer düsterer aus, da bereits die Straße unter Wasser stand und es nicht aufhörte zu regnen. Die Hausbewohner baten uns herein, doch leider war die Kommunikation aufgrund der Sprachbarriere einfach miserabel. Wir wussten einfach nicht weiter, nebenbei war es mittlerweile auch fast dunkel, und wir wollten uns auch nicht aufdrängen. Das Nebengebäude hatte einen großen überdachten Vorraum und Herr Simon fragte den älteren Herrn ob wir dort unser Zelt aufstellen könnten. Sofort wurden wir eingeladen bei ihm im Haus zu übernachten, was unglaublich nett und unsere Rettung war. Später kam dann die ganze Familie und schaute sich uns an, die Konversation war zwar beschränkt aber es war doch ganz nett. Die Verhältnisse der Familie waren sehr einfach, mit offenem Feuer als Herd, die Toilette war ein betoniertes Loch draußen und das Bad hatte kein Dach. Man wunderte sich darüber dass wir in Deutschland nicht mit den Händen essen sondern mit Besteck und dass der Flug dorthin ungefähr zwölf Stunden dauern würde. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns früh und fuhren (schoben) weiter. Es dauerte noch zwei Stunden bis wir Pamahsimelir erreichten. Der Ort bestand aus ein paar Häusern, einer Kirche und zwei kleinen Läden. Wir hofften hier zumindest etwas essen zu können, doch leider gab es kein Restaurant oder ähnliches. Also schoben wir weiter. Wenn der Weg noch schlimmer werden konnte, dann hier: steiler, größere Steine, es war unmöglich! Und dann kam unsere Rettung mit 5 km/h angewackelt, ein Bas! Schnell wurden die Räder aufgeladen und wir quetschten uns rein. Doch schon nach ein paar hundert Metern kam auch der Bas nicht über einen großen Stein, es wurden Steine vor die Räder gelegt und immer wieder versucht darüber zu fahren. Der Bas geriet dabei dermaßen in Schräglage dass ich dachte er kippt jede Sekunde um. Ich stieg besser aus, was nach ein paar weiteren Minuten dann alle Passagiere machten. Die Frauen standen vorne und schauten während die Männer von hinten schoben. Nach etlichen Versuchen war der Stein überwunden. Weitere 20 km wackelte und strauchelte der Bas den Berg hinauf. In Kota Rayat stiegen wir aus und fuhren den restlichen Weg nach Berastagi auf einer sauber asphaltierten Straße.

Wenn man nach Bukit Lawang nur wegen den Orang Utans fährt, fährt man nach Berastagi nur wegen zwei Vulkanen. Der eine, der Gunung Sibayak, gilt als der am einfachsten zu besteigende Vulkan Indonesiens. Und auch wir stiegen hoch. Oben angekommen gab es einen verschlammten Krater, schwefelgelbe Fumarolen, eine tolle Aussicht ins Tal und auf den Sinabung, den anderen, höheren Vulkan.

Am nächsten Tag fuhren wir an den Tobasee, dem größten Vulkansee der Welt der nach einem der größten Vulkanausbrüche der Erdgeschichte entstand. Die Aussicht auf den See war sehr szenisch während sich die Straße in stetigem Auf und Ab an der Küste entlang bis Parapat schlängelte, von wo wir eine Fähre auf die Insel Samosir nahmen. Wir sind jetzt in Tuk-Tuk, einem weiteren Ort auf der Backpackerroute durch Südostasien und fragen uns mal wieder wo sie eigentlich alle sind, die Backpacker. Wie in Bukit Lawang schon wirkt auch hier der Ort leer, doch alle reden davon und jeder fährt hin … sehr seltsam.

[thaya]