Beiträge mit Schlagworten ‘China’

Epilog

 

Korla wird wenig touristische Bedeutung zugeschrieben, was auch der Grund sein könnte warum wir ein großes Problem hatten ein Hotelzimmer zu finden. Die Mehrzahl der preiswerteren Hotels sind nicht ausgerüstet dafür Ausländer zu beherbergen, d.h. haben keinen Scanner um die Pässe zur Weitermeldung einzuscannen und damit natürlich auch keine Genehmigung uns zu beherbergen. Aber glücklicherweise findet sich doch immer wieder was – etwas außerhalb des Stadtzentrums zwar aber da es mittlerweile auch schon lange dunkel war waren wir dann doch froh – irgendwo muss man ja unterkommen!

Korla, zwischen Tianshan-Gebirge und der Taklamakan-Wüste gelegen, kann man ohne falsche Scham als das “Dallas” (Na, wer erinnert sich noch an die Serie?) Chinas bezeichnen. Bestand der Ort vor einigen Jahren noch aus ein paar windschiefen Lehmhütten, so wird das Zentrum heute von Hochhäusern dominiert und exquisite Hotels, westliche Ölkonzerne sowie der überdurchschnittlich hohe Wohlstand sprechen eine deutliche Sprache.

Die Tage hier vergingen wie im Flug, nicht zuletzt oder gerade wegen der Einheimischen. Touristen sieht man hier nicht oft und so waren es vor allem die in der westlichen Provinz Chinas Xinjiang ansässigen Uiguren, die mit ihrer Herzlichkeit den Aufenthalt in Korla zu einem besonderen Erlebnis machten. Auf dem Night Market wurden wir beim zweiten Besuch schon wie alte Bekannte begrüßt und auch im Internetcafé freute man sich jeden Tag auf uns! Schließlich, nach einem kurzen Ausflug Richtung Westen nahmen wir den Bus zurück nach Ürümqi, fuhren knapp an Turpan, dem zweittiefsten Punkt der Erde vorbei, und quartierten uns für die letzten Tage vor unserem Heimflug wieder in der Silver-Birches-Jugendherberge ein, wo wir wieder auf andere Radler trafen.

Nach einer letzen Woche Ürümqi war es dann soweit: die kasachische Air Astana brachte uns mit Zwischenlandung in Astana nach Frankfurt. In Astana, seit 1997 Hauptstadt Kasachstans, scheinen Transitreisende von China nach Europa eher Exoten zu sein, oder wie ließe sich sonst erklären, dass wir nur auf Nachfragen und einigem Hin und Her in den Warteraum für unseren Weiterflug im Transitbereich gebracht wurden? Außerdem vermutete der kasachische Zoll in unseren außergewöhnlichen Kartons (in denen die Räder waren) riesige Fernseher – aber wer kann’s ihnen verdenken, kamen wir doch aus China! Nach einiger Zeit – als wir gerade so am Warten waren – kam ganz unvermittelt ein unformierter Beamter auf uns zu. Ob wir die beiden Deutschen wären, man hätte uns ausgerufen. Leider hatten wir die Lautsprecherdurchsagen nicht verstanden (erst kasachisch, dann englisch viel zu leise), also mussten die Beamten persönlich zu uns kommen. Mit Hilfe eines deutschsprechenden Kasachen und einem Satz (“Nein, das sind Fahrräder”) war das Problem dann auch schon vom Tisch.

In Deutschland angekommen überwältigte uns das Grün, soviel sattes Grün zu sehen wenn man aus einem der trockensten Gebiete der Welt anreist war geradezu ein Schock, aber ein sehr schöner! Im vergangenen Jahr haben wir viel erlebt, gesehen und uns am “Unterwegssein” erfreut. Doch nun ist es für’s Erste vorbei und wir freuen uns auf alte Freunde, neue Herausforderungen und nicht zuletzt auch mal wieder ein Zuhause zu haben!


Ürümqi – Korla

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Ürümqi, Xinjiang – gleiches Land anderer Kulturkreis – aber nicht wirklich, denn der “Wilde Westen” Chinas ist zwar traditionell und kulturell Zentralasien zuzuordnen, was sich aber außer in einer erhöhten Muslimpopulation und der Präsenz einer anderen Diät – nämlich Kebabs, Fladenbrot und Joghurt – hier in Ürümqi kaum ausdrückt. Die Stadt wirkt zunächst wie jede andere chinesische Großstadt und ist geprägt von einem neuen, am Reißbrett entworfenen Stadtzentrum mit Hochhäusern und einigen Parks. Insgesamt herrscht auf den ersten Blick eine entspannte Atmosphäre die dem zweiten Blick leider nicht standhält. Auf den ersten Blick scheint alles ganz normal, aber man bemerkt eine erhöhte Polizeipräsenz. An sich nichts ungewöhnliches in China, was mir aber zu denken gab war zum Beispiel der Kauf eines Fladenbrotes im Supermarkt. Vor mir eine Han-Chinesin, die in han-chinesischer Manier ein Brot verlangte. Der Verkäufer nimmt das erste Brot von oben, und packt es ein. Dann bin ich an der Reihe. Zwei Brote will ich kaufen. Der Verkäufer prüft alle Brote und gibt mir die zwei Besten. Am nächsten Tag eine ähnliche Szene. Obwohl er noch Brote da liegen hat, bedeutet er mir ich möge doch fünf Minuten warten um in der Zwischenzeit frische zu machen. Wäre ich Han-Chinese hätte ich wahrscheinlich alte bekommen …

Nachdem wir abends in Ürümqi ankamen – ein Flug mit Lucky Air brachte uns via Lanzhou mit guten Blick auf die Berge Osttibets hierher – hatten wir zunächst Probleme das Stadtzentrum und die Jugendherberge zu finden. Ürümqi ist größer als gedacht, und die knapp 20 km vom Flughafen zur Innenstadt geht es leicht aber kontinuierlich bergauf. Wenig hilfreich war auch der Innenstadtplan des Reiseführers – irgendwie passte das alles nicht zusammen. Nach langem Suchen, wobei wir wieder mal feststellen mussten, dass entgegen dem Rest der Welt es in China oft besser ist, Einheimische nicht um Hilfe zu bemühen, fanden wir schlussendlich die Jugendherberge. Mit ¥ 120 für das einfache Doppelzimmer nicht gerade ein Schnäppchen – blieben wir trotzdem vier Nächte. Zum einen um uns an die doch leicht andere Kultur anzupassen, zum anderen regnete es am dritten Tag, und Regenfahrten machen einfach keinen Spaß wenn’s nicht sein muss. Der Regen hatte aber auch etwas Gutes, denn nun war die Luft wieder klar und die schneebedeckten Gipfel des Altai-Gebirges östlich von Ürümqi ragten hinter den Hochhäusern der Stadt majestätisch empor. Tags darauf machten wir uns auf Richtung Tien Shan, dem westlich von Ürümqi gelegenen Gebirge und der zumindest kilometertechnisch kürzeren Route zur nördlichen Seidenstraße. Ürümqi liegt auf ca. 850 m über dem Meer und wir wussten dass die Straße auf den nächsten 140 km bis zur Passhöhe des Shengli Daban Passes auf 4.100 m ansteigen würde. Was für eine krasse Straße eigentlich – rauf auf über 4.000 m, nur um dann wieder auf unter 1.000 m abzufallen! Ich war sehr gespannt, vor allem die Bilder des finalen Passanstiegs, eine Steilwand an der sich die Straße im Zickzack empor windet – hatten einen bleibenden Eindruck und den Wunsch diesen Pass zu fahren, hinterlassen! Aber zunächst mussten wir uns durch 60 km stetig ansteigende Straßenrunderneuerung bergauf quälen. Chinesischer Straßenbau funktioniert nämlich so, dass beschlossen wird einen bestimmten Abschnitt neu zu bauen, üblicherweise ein Stück 50-100 km lang. Als nächstes wird der verbliebene Straßenbelag der alten Straße (so sie überhaupt befestigt war) entfernt und die neue Straße aufgebaut. Tja und wohin mit dem Verkehr? Der darf sich irgendwie auf schlechtester Behelfstrasse neben der Baustelle entlang quälen. Für uns hieß dass, erhöhter Kraftaufwand und ständig Lkws ausweichen. Belohnt wurden wir dann abends mit einem mehr oder weniger idyllischen Zeltplatz – viel Auswahl gab’s nicht. Am nächsten Tag stieg die mittlerweile ganz brauchbare Straße weiter an durch ein enges Tal mit permanenter Steinschlaggefahr um dann plötzlich von einem Neubauabschnitt mit Leitplanken und Straßenschildern abgelöst zu werden. Im Tal zur rechten Befand sich eine Kaserne und das Tal öffnete sich wieder. Ich war ca. 200 m vor Frau Schroeder als ich sie schreien hörte und mich umblickend sah, wie sie versuchte bergauf drei jungen Soldaten der Volksbefreiungsarmee zu entkommen. Ich drehte um und schrie ihr entgegen sie solle anhalten. Sie zeigte den Soldaten die Fotos die sie gemacht hatte, aber untere Ränge haben keine Ahnung von nichts und können auch nichts entscheiden, und es war mal wieder “ting bu dong” auf beiden Seiten. Jedenfalls mussten wir warten. Nach Ewigkeiten kam dann endlich ein weiterer junger Soldat der etwas englisch konnte und erklärte was ich ohnehin schon geahnt hatte – jemand auf höherer Ebene musste begutachten was Sache war und eine Entscheidung treffen. Schließlich kam der überaus höfliche Vorgesetzte der sich überschwänglich für die Unannehmlichkeiten entschuldigte, uns informierte dass wir uns in einer Gegend von militärischem Interesse befänden und uns, nach dem er unsere Passnummern aufgeschrieben und sich versichert hatte, dass die Kaserne auf keinem Foto zu sehen war, uns gute Weiterfahrt wünschte. Zwischenzeitlich hatte Regen eingesetzt der allerdings wieder aufhörte als wir den Ort Houxia, letzte Versorgungsmöglichkeit vor dem Pass, erreichten. Der Ort selber war etwas schäbig, aber es gab einige Restaurants und Läden und sogar eine Übernachtungsmöglichkeit von der wir allerdings nicht Gebrauch machten. Wir fuhren weiter, das Tal verengte sich zusehends und die Straße stieg steil bergan. Dann setzte wieder Regen ein. Es war kalt. Als wir an einem offensichtlich verlassenen Haus vorbei kamen fiel uns die Entscheidung nicht schwer – erstmal unterstellen und sehen ob es tatsächlich verlassen war. Niemand war in Sicht. Nach einer Stunde des Wartens in der Kälte entschlossen wir im saubersten Raum das Zelt aufzubauen um uns aufzuwärmen. Offensichtlich wurde das Haus zumindest in der Vergangenheit öfter als Camp von Ziegenhirten und LKW-Fahrern benutzt, wie sich unschwer aus dem Müll und dem Köttel schließen ließ. Wir lagen gerade ein paar Minuten in unseren Schlafsäcken als wir ein Ziegenherde inklusive Hirtin wahrnahmen. Wir entschlossen uns ruhig zu verhalten und nicht bemerkt zu werden. Kurz darauf folgte eine weitere Herde. Aber anstatt die Ziegen irgendwo einzuschließen ließen sie sie draußen herumlaufen. Die neugierigen Tiere bemerkten uns natürlich und so kam es dass so ziemlich jede Ziege in unser “Zimmer” schauen musste was wir denn da wohl machten. An sich ein lustiges Erlebnis, aber wir fürchteten natürlich dass das die Hirten auf uns aufmerksam machen würde – und das war das Letzte was wir wollten. Wir wollten schließlich unsere Ruhe und nicht noch mal raus in die Kälte müssen – und vor allem: ruhig, weil unentdeckt schlafen können.

Lange Rede kurzer Sinn: man entdeckte uns nicht, und nachdem die Hirten die Ziegen morgens wieder auf die Weide trieben, machten wir uns davon! Das Wetter hatte sich gebessert und die Sonne schien. Was für einem Unterschied Sonnenschein doch macht! Wir kämpften uns weiter voran bis auf 3.000 m, als sich das Wetter verschlechterte. Frau Schroeder gab mir zu verstehen, dass sie so langsam nicht mehr konnte und schlug vor Mittagspause zu machen. Daran war aber nicht zu denken, da es mittlerweile wieder recht kalt war und draußen sitzen und auskühlen ist nicht gut. Mittlerweile hatte es auch noch zu schneien begonnen und nach abwägen der Situation – ich hatte auch deutlich zu kämpfen, denn solch ein immenser Zugewinn an Höhe ist nie einfach zu verkraften, dazu noch die Kälte … wir taten es nicht gern aber wir entschlossen uns ein Auto anzuhalten. Gleich das erste hielt. Ein Mitsubishi Pajero Geländewagen mit einer chinesischen Familie. So gut wir konnten erklärten wir unsere Situation, und zu unserer Freude wurde keine Mühe gescheut unsere dreckigen Räder samt Gepäck irgendwie in das Fahrzeug zu stopfen und uns den Lift zu geben. Wie schön sind doch auch die Errungenschaften der Zivilisation, und so fuhren wir dem Pass entgegen. Mir ging es aber nach den ersten Kehren gar nicht mehr gut. Hatte Frau Schroeder noch am Emei Shan mit der Höhe zu kämpfen, so war ich es nun der zu kämpfen hatte! Ich wusste das es nur am schnellen Anstieg liegen konnte und damit gepaart das ich tags zuvor situationsbedingt zu wenig getrunken hatte, der plötzlichen Klimaveränderung durch das geheizte Auto und die schlechte Straße – es war krass! Um es mal zu beschreiben wie sich die Symptome von zu schnellem Höhengewinn anfühlen: der Kopf fühlt sich an als sei er in einen Schraubstock gespannt. Der ganze Körper wird steif und kribbelt. Man denkt man müsse sich übergeben, kann nicht denken und hofft, dass es bald vorbei ist! Die Straße war winterbedingt in einem erschreckend schlechten Zustand, wie ein ausgewaschenes Flussbett. Dabei nur wenige Meter breit, keine Leitplanken und zum Tal hin steil abfallend. Trotzdem quälten sich unzählige schwer beladene LKWs in Schrittgeschwindigkeit hinauf. Wir überholten die LKWs wo möglich – natürlich chinese-style – immer knapp und dauerhupend. Schließlich erreichten wir die Passhöhe auf “echten” 4.100 m (auf dem Schild steht jedoch 4.280 m). Zwischenzeitig hatte ich mich auf meine Atmung konzentriert und mit einem mal ging es mir wieder gut. Ein paar schnelle Souvenirfotos, dann wieder ins warme Auto und bergab. Allerdings leichter gesagt als getan: vor uns mehrere LKWs, davon einige ohne Schneeketten, die zumindest hier auf dem letzten Stück ihre klare Berechtigung hatten. Vor uns befand sich ein entgegenkommender LKW der schon schräg auf der Fahrbahn stand, das rechte Hinterrad gefährlich nah am Abgrund. Er gab Gas und die Räder drehten auf dem festgefahrenen Schnee durch. Aus Angst stieg er auf die Bremse, was bewirkte dass der LKW rückwärts noch näher an den Abgrund rutschte. Uns wurde angst und bange. Sollten wir Zeugen eines Dramas werden? Unser Fahrer und ich stiegen aus und begutachteten die Situation. Schließlich gab ich dem LKW-Fahrer zu verstehen dass seine einzige Chance war, die Räder gerade zu stellen und schräg zur Straße einen Bogen zum Hang zu fahren und auf keinen Fall zu bremsen bis die Räder griffen. Was er dann auch tat. Alle waren erleichtert als es klappte, es konnte weitergehen. Der Rest der Fahrt war abgesehen von der Landschaft unspektakulär und wir erreichten schließlich den Kreuzungsort von wo aus wir nach Süden und unsere Retter nach Westen fuhren. Unterkunft war teuer und grausig, so dass wir noch ein Stück das Tal runter fuhren, einen schönen Campspot fanden und fanden die Nacht in Ruhe bei angenehmen Temperaturen verbrachten.

Tag 4: Perfektes Wetter, Perfekte Landschaft, perfekter Tag … bis wir uns 50 km später in der Wüste gegen starken Gegenwind ankämpfend wieder fanden! Tags zuvor noch gefroren wie die Schneider, war nun das größte Problem Dehydration. Glücklicherweise gab es immer mal wieder eine Laden wo wir Wasser kaufen konnten. Abgesehen davon dass über uns eine Staubwolke den Himmel verdunkelte und die ganze Atmosphäre etwas von Endzeitstimmung hatte, verlief der Rest des Tages ohne große Vorkommnisse. 15 km vor unserem Tagesziel Korla hatten wir noch einen kleinen Pass zu überqueren, und dann sahen wir sie, die Oase in der Wüste: Hochhäuser im Nichts!

[andreas]


Chengdu – Xichang – Kunming

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Als wir in Chengdu ankamen überraschte uns das Wetter mit Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen – leider sollten diese nicht lang anhalten und so waren die weiteren Tage wie gehabt grau und nasskalt. Nützt ja aber alles nichts, und so fuhren wir schließlich nach Tagen des Wartens und gelangweilt vom immer gleichen Tagesablauf in der Hoffnung auf baldige Wetterbesserung nach zehn Tagen los. Zwei Tage später, in Yaan auf ca. 500 m ü. N. N., war es aber immer noch kalt, also verwarfen wir schweren Herzens den Plan das osttibetische Hochland nach Xining zu überqueren und entschieden uns statt dessen nach Süden, nach Kunming, zu fahren. Yaan selbst ist eigentlich ein ganz netter Ort, in einem malerischen Flusstal gelegen, er wird aber von den meisten westlichen Touristen ignoriert, da es dort nichts Gehyptes, Überbewertetes zu sehen gibt – dabei gibt es dort doch zumindest Pandas zu sehen! Wir beschlossen also von Yaan nach Leshan zu fahren um uns Dafo, den weltgrößten Buddha anzuschauen, bevor wir uns in die Berge zwischen dem sichuanesischen Tiefland und Kunming aufmachen wollten. Der Buddhapark liegt an dem dem Stadtzentrum von Leshan gegenüberliegenden Flussufer. Entgegen den Informationen des Reiseführers fahren aber keine günstigen Fähren für Einheimische mehr dorthin sondern nur überteuerte Touristenboote. Diese legen aber nicht an, sondern man fährt quasi nur vor, macht Bilder und fährt dann wieder zurück – wie wir nach etlichem hin und her herausfanden. Hmm, nichts für uns. Alternativ gibt es noch die Möglichkeit mit dem Bus oder Taxi zum Buddhapark zu gelangen – allerdings kam selbst nach einer Stunde Warten der richtige Bus nicht. Mittlerweile war es auch schon Mittag und unsere Lust auf Sightseeing ging so ziemlich gegen Null. Hat wohl nicht sollen sein. Damit wir wenigstens eine der Top-Touristenattraktionen mitnehmen konnten, entschlossen wir uns noch den 30 km entfernten, und mehr oder weniger auf dem Weg liegenden Emei Shan, einen der vier heiligen Berge in China, zu besuchen. Der Berg ist ca. 3.000 m hoch und man kommt wenn man faul sein will sogar mit Bus und Seilbahn auf den Gipfel. Da wir keine Buddhisten sind erwarteten wir natürlich kein großartiges spirituelles Erlebnis, auch rechneten wir aufgrund des Wetters nicht mit tollen Fernsichten, wohl aber mit einer quick & dirty Höhenakklimatisierung die uns für die vor uns liegenden Pässe (einer mit 3.250 m – immerhin deutlich höher als jeder Straßenpass in den Alpen …) nützlich sein sollte. Und tatsächlich gingen die Anstiege trotz dass wir Ewigkeiten nicht mehr in bergigem Terrain unterwegs waren und mal wieder Wochen nur mit Warten auf Dieses und Jenes zugebracht haben, erstaunlich gut. Wir nahmen den Bus und erklommen die letzten paar hundert Höhenmeter auf meist steilen rutschigen Treppen. Oben angekommen hatte Frau Schroeder zwar keine Erleuchtung, bekam aber die Auswirkungen von einem zu schnellen Anstieg in zu große Höhe unmittelbar zu spüren – und musste sich gleich mal übergeben. Hey – it’s all about the experience!

Der erste Tag nach Emei führte uns dann gleich mal über zwei kleinere Pässe nach Ebian, einer kleinen Stadt dramatisch in einem engen Tal des Zusammenflusses zweier Flüsse gelegen. Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück gleich erst mal bergauf. Wir wollten einem der beiden Flüsse nach Westen folgen, was wir auch taten, bis uns ein Schild deutlich zu verstehen gab: Ab hier keine Nicht-Chinesen, außer mit Genehmigung. Genehmigung hatten wir keine, und die Chancen standen recht gut, dass, sollten wir den Hinweis ignorieren, es zu einer ungemütlichen Zusammenkunft mit der örtlichen Polizei kommen würde, denn wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und wussten, dass wir eine Gegend betreten würden in der sich das Kosmodrom Xichang befindet von wo aus die Chinesen mit “Langer Marsch”-Raketen ihre “Der Osten ist Rot”-Satelliten ins Weltall befördern. Gerüchten zufolge kommt es hierbei aber schon auch mal zu Komplikationen und die eine oder andere Rakete geht über dicht besiedeltem Gebiet nieder …

Also blieb uns nur der Weg zurück (sofern Alternativen bestehen, keine Option) oder in ein unbekanntes Seitental – wir entschieden uns für Letzteres. Von einer Höhe von ca. 500 m. ü. N. N. stieg die Straße auf ca. 150 km stetig bis zur Passhöhe auf 2.850 m an – natürlich nicht ohne zwischendurch immer wieder an Höhe zu verlieren. Zu anfangs kamen noch einige kleinere Orte mit Han-Chinesischer Bevölkerung, weiter oben dann betraten wir Gebiet der Yi-Minorität – was sich für knapp eine Woche nicht ändern sollte. Die Yi haben ihre eigene Sprache und eigene Schrift. Trotz dass Minoritätenvölker in China eher stiefmütterlich behandelt werden – z. B. hat die Verbesserung jeglicher Infrastruktur nicht unbedingt Priorität – konnte man überall Dörfer mit schönen neuen, in Reih und Glied stehenden, Ornament verzierten Häuschen bewundern – schließlich mag der chinesische Normaltourist seine Touriorte bunt und kitschig anstatt orginal – Menschenzoo eben. 10 km vor der Passhöhe endete der Asphalt und wir fuhren zunächst auf relativ guter Naturstraße weiter. Diese wurde jedoch zusehends schlechter je höher wir kamen, das nasskalte Klima tat sein übriges dazu und einige Zeit später fanden wir uns die schweren Räder durch knöcheltiefen Matsch schiebend und zerrend, die Strecke ebenfalls frequentierenden Bussen und LKWs ausweichend. Da es schon relativ spät war entschlossen wir uns zu campen, obwohl die Passhöhe nicht mehr weit sein konnte. Trotz der nasskalten Nacht ein weiser Entschluss, denn am nächsten Morgen ging es auf der anderen Seite 10 km genauso weiter bergab! Wir hielten im ersten größeren Ort und nahmen erstmal ein Frühstück, bestehend aus Nudelsuppe und Baozi (sprich: Bautze, dampfgegartes Brot mit leckerer Füllung), unter den Augen der gefühlt gesamten Dorfbevölkerung ein. Unter ihnen ein freundlicher Radler mit Mountainbike, der sich spontan entschloss uns nach Meigu, der nächsten Stadt, zu begleiten (naja, bis auf die letzten 2 km ging’s ja fast nur bergab …). Und dann auf einmal, lichteten sich die Wolken, die Sonne schien, blauer Himmel und es war warm! Das erste Mal seit Wochen – und es sollte so bleiben! Nachdem uns der Radler noch zu einem opulenten Mahl bei der Meiguer Verwandtschaft einlud, lehnten wir dann aber weitere Angebote auf Karaoke und Verkleidungsaktionen in einheimischer Tracht dankend ab und zogen uns auf’s Zimmer zurück. Tags darauf folgten weitere 50 km bergab durch eine atemberaubende Schluchtenlandschaft, gefolgt von einem kleinen 1.000 Höhenmeter-Anstieg um am nächsten Tag ultimativ den bereits erwähnten höchsten Pass auf der Strecke, mit 3.250 m, zu überqueren. Nochmal knapp 50 km bergab brachten uns nach Xichang, der lebhaften Hauptstadt des Verwaltungsbezirks, malerisch gelegen an einem See umrahmt von Bergen. Wir entschlossen uns zu einem Ruhetag, denn Fahrradwartung stand an. Am Vortag hatten wir nämlich fast zeitgleich einen Platten, verursacht dadurch, dass sich das Geflecht der Karkasse der Marathon XR Reifen innen auflöste und die Schläuche beschädigte. Obwohl das Profil bestimmt noch für einige weitere Tausend Kilometer gut gewesen wäre, war der Reifen so gut wie am Ende – also weg damit!

Frühstück bei KFC – also nur den zweitbesten billigen Kaffee zum Frühstück (man kann sich streiten, aber was das angeht, geht eben nichts über die Restaurantkette mit dem gelben M …) und ab ging’s – 1.000 Hm mit Durchschnittssteigung 7% – gleich mal wieder eine sportliche Leistung am frühen Morgen! Dafür ging der erste Teil des Anstiegs durch schattigen Wald auf relativ verkehrsarmer Straße und weiter oben gab’s dann schöne Ausblicke. Oben angekommen natürlich alles wieder runter und noch weiter. Die weitere Route verlief mehr oder weniger in wilden Flusstälern, mit gelegentlichen kleinen Pässen um vom einen Tal in das nächste zu gelangen, aber wer sich jetzt gemütliches Radeln entlang von Flüsschen vorstellt – 1.400-1.500 Hm täglich waren es eigentlich immer, statistisch betrachtet dürften wir somit in der kurzen Zeit mehr als die Entfernung Meereshöhe – Gipfel Mount Everest zurückgelegt haben! 150 km vor Kunming endete die Idylle abrupt nach dem letzten Pass und in Ermangelung einer Alternativstraße fanden wir uns auf einer Autobahn mit Seitenstreifen wieder! Gut, auch recht – schließlich wollten wir ja schnell nach Kunming um uns mit Moni zu treffen. Die Landschaft war jetzt auch nicht so dass es einen großen Unterschied gemacht hätte – und: wir hatten den Seitenstreifen für uns alleine – Luxus! 50 km vor Kunming in Songming fuhren wir ab um ein Hotel für die Nacht zu finden. Da Radfahren auf Autobahnen in China in der Regel nicht erlaubt, hatten wir schon befürchtet am nächsten Morgen die Autobahn nicht mehr benutzen zu können – aber, wir fuhren einfach an den Mautkassierhäuschen vorbei und siehe da: es interessierte niemanden. Auch später, als wir uns auf einem langen Anstieg an einer LKW-Wiegestation vorbei kämpften – winkten uns die Mitarbeiter freundlich zu und zeigten uns “Daumen hoch”-Gesten. Dann, 20 km vor dem Stadtzentrum Kunming, eine weitere Mautstelle. Der ganze Bereich war offen und gut einsehbar. Wir rollten langsam Richtung dem Häuschen ganz rechts außen. Man sah uns. Sechs Männer in Uniform stürmten auf uns zu und redeten auf uns ein. Ich verstand nichts, aber es ist ja offensichtlich worum es geht. Also lächelte ich und sagte, “Sorry, I don’t understand, we want to go to Kunming”. Einer der Männer sagte: “Ting bu dong” (chin.: don’t understand), zuckte mit den Schultern und winkte uns durch. Aus den Augen aus dem Sinn, Problem gelöst. Wir ließen bergab rollen und kommen gerade richtig zum Mittagsmenü. Wo? Na, wo natürlich…

[andreas]


Beihai – Nanning – Chengdu

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In Beihai angekommen fanden wir ein ausgesprochen günstiges, großes Zimmer, hingen einen Tag ab und brachen wieder auf, nicht ohne bei McDonald’s zu frühstücken wo es den einzig trink- und bezahlbaren Kaffee zu geben scheint. Während ich bestellte wurde Herr Simon zu ein paar älteren Auswanderern gewunken die sich dort jeden Morgen treffen. Nach kurzer Vorstellung unsererseits und der Schilderung des Visaproblems, bot uns ein amerikanischer Pensionär mit chinesischer Frau an uns zu helfen eine Visumsverlängerung zu bekommen. Also gut, wir wollten genaueres wissen und fuhren direkt mit unseren neuen Freunden zur Touristenpolizei (= PSB). Dort wurde uns versichert dass wir zu 90 Prozent mit einer Verlängerung von 90 Tagen rechnen könnten. Wir wollten noch eine Nacht darüber nachdenken und verabredeten uns mit dem amerikanisch-chinesischen Paar zum Frühstück am nächsten Morgen. Wir überlegten und dachten wir hätten ja ohnehin nichts zu verlieren außer unserem “double-entry” von 30 Tagen mit dem wir sowieso nicht anfangen können. Am nächsten Morgen hatten wir nicht einmal Zeit für einen Kaffee, denn die Chinesin hatte bereits einen straffen Zeitplan: erst zum Guesthouse um eine wie-auch-immer-geartete Quittung zu holen, dann zur Polizei um uns zu melden und einen Stempel zu bekommen, mit diesem Meldeformular dann zur PSB. Bei der Polizei gab es die ersten Verzögerungen, nach dem Ausfüllen von mehreren Formularen, von dem eines nur auf chinesisch war, aber für die Meldung von Ausländern vorgesehen ist (?), wurde uns erklärt dass wir keinen Stempel bekommen können, da der Stempelhalter gerade im Meeting sei. Wie lang das gehe wusste keiner. Also sind wir erst zum PSB um dort diverse weitere Formulare auszufüllen, Passkopien zu machen und alles mit Passbildern abzugeben. Die Chinesin gab uns als ihre Freunde aus und musste auch Passkopie und eine Erklärung abgeben. Da das Paar bereits verabredet war um 10 Uhr nach Nanning zu fahren war alles sehr hektisch und von lautem Gerede geprägt, es wirkte alles sehr unhöflich und ungeduldig. Wir sagten uns das sei wohl normal und fuhren allein wieder zur Polizei um unseren Stempel zu holen. Dort ging dann alles ruhig und ohne Probleme, nach kurzer Zeit erhielten wir unsere gestempelte Bestätigung und waren wieder beim PSB um alles abzugeben. Es war der 4. März, die Bearbeitung sollte fünf Werktage brauchen und demnach am 10. März abholbereit sein. Unsere chinesische “Freundin” meinte wir sollen den 1. Juni als unsere Abreise angeben, da die Verlängerung nur zum jeweils 1. ginge. Nun meinte die PSB-Mitarbeiterin wir sollen doch den 17. Juni daraus machen. Warum, das war uns nicht klar, hatte das Datum doch nichts logisches, aber warum auch nicht? Wir gaben alles ab und hatten nun fast eine Woche Beihai vor uns!

Beihai schien nicht besonders schlecht zu sein, aber auch nicht besonders aufregend, es war eine weitere große chinesische Stadt, die im Sommer viele Touristen sieht. Eine Internetrecherche eröffnete zudem dass wir uns in der am schnellsten wachsenden Stadt der Welt befinden, wer hätte das gedacht? Wir trafen unser befreundetes Paar wieder am Montag zum Frühstück bei McDonald’s. Sie und die anderen Expats gaben uns diverse Tipps wie wir die Zeit in Beihai rumbringen konnten, einem folgten wir direkt am Abend und gingen zu “Tommy’s” wo es täglich ein günstiges Pfeffersteak gibt. Das Restaurant gehört einem Australier und wird auch von vielen weiteren Expats besucht. Dort bekamen wir wiederum den Tipp doch den “Rusty Nail” aufzusuchen, ein weiterer Expat-Treffpunkt. Die Bar gehörte auch einem Australier und war gut besucht und zur Abwechslung mal nicht nur von Rentnern. Viele der jüngeren Ausländer dort unterrichten Englisch und bemerkten nachdrücklich dass sie nur 18 Stunden die Woche arbeiten, ich frage mich was sie den Rest der Woche machen, ist Beihai zwar nicht der schlechteste Ort um eine Woche auf ein Visum zu warten, langweilte mich aber die tägliche Routine Frühstück bei McDonald’s, Internet, Pfeffersteak bei Tommy’s, Biere im Rusty Nail schon nach zwei Tagen. Es schien so als hätte kaum einer der hier lebenden Ausländer ein Interesse an China, denn keiner reiste bis jetzt irgendwohin wenn er nicht musste. Ehrlich gesagt wirkte es wie eine ziemlich spießige Kleinstadtidylle …

Am nächsten Morgen beim Frühstück wurden wir von einem Neuzugang im Breakfast Club überrascht. Ein anderer Radfahrer hatte es nach Beihai geschafft und wurde direkt von den Frühstückern an den Tisch gebeten. Er war auf dem Weg nach Vietnam und unser amerikanischer Freund half auch ihm ein Visum zu besorgen.

Dann, am Donnerstag durften wir endlich unsere Verlängerung abholen. Wir fuhren direkt morgens hin, wurden dann aber auf den Nachmittag vertröstet. “Come back before 5”, hieß es. Wir waren zum Glück schon um 4 wieder “back”, denn keiner sagte uns zuvor, dass wir noch einen Kilometer hin und zurück zur “Bank of Communications” mussten um unsere jeweils 160 Yuan (≈ € 17) zu bezahlen. Sie machten es wirklich spannend, wir wussten ja immer noch nicht wie lange die Verlängerung nun war! Dann mit der Einzahlquittung bekamen wir endlich unsere Pässe … und es stand tatsächlich bis 17. Juni drin! 99 Tage sogar, warum auch immer …

Wir freuten uns sehr, nun können wir doch wie geplant in die Berge und Richtung Pakistan aufbrechen! Zwar ist es eigentlich noch zu kalt dort, teilweise soll es noch schneien und Straßen können noch gesperrt sein, aber nun haben wir ein Visum das nicht jeder so einfach bekommt und die Möglichkeit einen längere Route zu fahren, dann müssen wir wohl durch, durch die Kälte!

Direkt am nächsten Tag verließen wir das idyllische Beihai und fuhren nach Nanning, mit dem Bus, denn es regnete seit mehr als einer Woche ununterbrochen und sah nicht so aus als würde sich das schnell ändern. Wir verbrachten das Wochenende dort und beobachteten Disco- und Walzertänzer, GO-Spieler und Karaokesänger im Park. Nanning ist bekannt für Hund, also Hundefleisch, ja, zum Essen, und auch wir wollten zumindest welche zu Gesicht bekommen. Also liefen wir einen Abend lang auf der Suche nach gegrillten Hunden durch die Gegend, fanden aber nur Krokodil-Kebab.

Montag um 23 Uhr sollte unser Flug nach Chengdu in Sichuan gehen, da das spät am Abend war und wir ohnehin nichts zu tun hatten, fuhren wir die 35 km zum Flughafen und waren trotzdem viel zu früh da. Da wir faul sind wollten wir uns das Verpacken der Räder in Kartons sparen und hofften dass die Airline das ohne Ärger so annehmen würde. Wir drapierten Kartons um Gepäckträger und Lenker und wickelten Frischhaltefolie und Packband drumrum. So sind wir zum Schalter, und wie erwartet war die Konfusion groß, aber mittlerweile war uns klar dass stoische Ruhe einen hier meist am weitesten bringt. Nie Lösungen anbieten, keine Reaktion zeigen! Einfach da stehen, so tun als wäre alles in Ordnung und abwarten! Und so kam dann eine andere Angestellte und sagte ok, nur hätten wir für die Räder zu zahlen. Das war uns klar, ob Gebühr für Übergepäck oder für die Räder an sich, nichts ist umsonst … Dass der Preis jedoch fast so teuer wie der Flug ist, hätten wir dagegen nicht erwartet, aber was sollen wir machen? Immerhin konnten wir sie so abgeben, zwar mit einem indifferenten Gefühl, aber immerhin. Der Flughafen war sehr klein und es gab nicht viel zu tun. Eine Stunde vor Abflug wurde unser Flug als “verspätet” angezeigt, ärgerlich da wir ja sowieso erst sehr spät in Chengdu ankommen würden. Als Entschuldigung dafür gab es letztlich von der Fluggesellschaft eine Packung Instant Noodles, mhmmm!

Um 2:45 Uhr landeten wir in Chengdu. Unsere Räder kamen auf dem Fließband daher und entgingen nur knapp einer Kollision mit einem Gitter. Die Reifen waren platt gemacht worden und die Ventilkappen waren weg! (Ich sollte erst einen Tag später entdecken dass sie auf unsere Kartonummantelung geklebt wurden …) Wir beschwerten uns. Leider verstand die Dame von der Fluggesellschaft, glaube ich, kein oder kaum Englisch, sie tat aber so und rief jemanden an. Daraufhin kam eine andere Frau und sprach sogar. Sie bot uns 15 Yuan (≈ € 1,60) für beide Räder als Wiedergutmachung. Das war geradezu lächerlich und wir verzichteten. Aber wir bestanden auf die angebotene Freifahrt wegen der Verspätung in das Stadtzentrum, schließlich waren die Reifen platt. Als wir rauskamen war der Shuttlebus schon weg, doch uns wurde eine Fahrt per Taxi bezahlt, immerhin 80 Yuan (≈ € 8,56) wert. Die Räder wurden mal wieder in einen viel zu kleinen Kofferraum gestopft, standen noch ein Stück zur Seite raus, so dass ich bei jeder Leitplanke dachte wir fahren dagegen. Aber es ging wieder alles gut! Um 4 Uhr kamen wir am Guesthouse an, nach längerem Klingeln wurde uns dann auch geöffnet und wir mussten nicht mal für diese Nacht zahlen.

Chengdu ist die sechstgrößte Stadt Chinas und ein Gateway nach Tibet, obwohl man dort nur noch mit einer Reisegruppe reinkommt. Da wir nun früher hier waren als wir geplant hatten, war es um einiges kälter und wir mussten nach weiterer warmer Ausrüstung suchen. Es gibt in der Stadt sogar einen Décathlon den wir als erstes aufsuchten, dem gegenüber gibt es einen IKEA, wo wir direkt Köttbullar zu Mittag essen gingen. Auch H&M und C&A gibt es in der Stadt, uns wurde aber erzählt, dass diese Läden für Chinesen ein eher hohes Preisniveau darstellen. Wir suchten weitere Outdoorläden auf, von denen es nicht gerade wenige gibt, nicht alles ist gut, nicht alles echt, aber wenn man etwas rumsucht bekommt man Qualität zu einem guten Preis. Ein wenig Sightseeing machten wir auch: auf dem Platz im Stadtzentrum steht eine riesige Mao-Statue, wir liefen durch das tibetische Viertel und besuchten sogar einen buddhistischen Tempel. Am Samstag auf dem TianFu-Platz war das Aufgebot an Polizei und Militär nicht zu übersehen, ob es nun an dem Jahrestag der tibetischen Aufstände liegt oder an der Angst vor Demonstrationen wie in Beijing und Shanghai wissen wir nicht und scheinbar auch keiner hier … Zwei chinesische Studenten erklärten dass es seit einer Demonstration gegen Japan im Oktober 2010 vermehrt Polizei gibt, haben aber auch nichts von Demonstrationen in anderen Städten in letzter Zeit gehört. Auf die Frage ob es denn häufig Demonstrationen hier gäbe, bekommen wir ein Nein zur Antwort, Demonstrationen sind schließlich verboten. Der Informationsfluss ist in China ja bekanntlich eingeschränkt, es gibt kein Facebook, YouTube, Twitter und manche Google-Dienste wie beispielsweise Google Docs, ausländische Webseiten laden manchmal schmerzhaft langsam, aber zumindest auf deutsch habe ich das Gefühl ungefiltert auf Nachrichtenseiten zugreifen zu können. Auf chinesisch sieht das vermutlich anders aus …

[thaya]


Kulturschock China – Von Hongkong nach Beihai

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Aus Hongkong mit dem Rad herauszukommen ist schwieriger als man denkt: es ist scheinbar (wir haben es nicht versucht …) nicht erlaubt über die New Territories nach China zu fahren, sollte man den Zug nehmen muss man anscheinend das Rad ein wenig fahruntüchtig machen indem man das Vorderrad ausbaut, Fliegen bedeutet den üblichen Stress von wegen Rad verpacken etc. und, es gibt die Fähre. Die wollten wir nehmen. Wir dachten an Macau, hörten etwas von Zhaoqing. Im Fährterminal erkundigten wir uns genauer und erfuhren, dass man um nach Zhaoqing zu kommen auf halbem Weg in einen Bus wechseln muss und verwarfen diesen Plan somit. Jedoch bekamen wir einen Fahrplan ausgehändigt mit weiteren Zielen von denen wir uns dann schließlich Jiangmen aussuchten. Das erste Stück mit der Fähre zu bestreiten brachte den Vorteil dass wir nicht durch die industriellen Vororte und angrenzenden Gebiete um Hongkong oder Macau mussten, hunderte Kilometer hohes Verkehrsaufkommen, unerträgliche Abgase und unschöne Aussichten vermieden …

Am Tag unserer Abreise regnete es. Das Fährterminal war nicht weit, daher kein Problem. In Jiangmen regnete es immer noch, der Hafen sollte ungefähr 12 km vom Stadtzentrum entfernt sein, die Auskunft der Einheimischen vor Ort lautete jedoch 20 km. Nun gut, was tun … der Regen war nicht besonders stark also los Richtung Stadt. Auf den Schildern die in unsere Richtung zeigten zeichnete sich das erste, non-verbale Sprachproblem ab: Schriftzeichen! Ok, so weit so gut, man kann ja vergleichen … dachte ich noch … bis mir klar wurde dass der Unterschied zwischen “Traditional Chinese” und “Simplified Chinese” größer als gedacht ist, sahen die Zeichen auf den Schildern für “Jiangmen” doch ganz anders aus als auf unserem Fährticket. Was “simplified” und was “traditional” ist, weiß ich bis jetzt nicht, ist ja nicht so dass das eine mit Pinselstrich und das andere eckig oder so ist, nee, es ist einfach anders. Der Sinn dieser Simplifizierung ist mir auch nicht klar, muss man als Ausländer nun die Zeichen ja immer mehrfach vergleichen und abwägen ob die Abweichung so gering und/oder logisch ist, dass es dasselbe Zeichen sein muss.

“Stadtzentrum” oder “Innenstadt” war uns auch noch nicht bekannt, weder in chinesischen Zeichen noch in lateinischer Pinyin-Umschrift. Somit mussten wir fragen. Dies war eine Aufgabe für den China-erfahrenen Herrn Simon der sein Glück in einem Restaurant versuchte. Ja, man verstand “Hotel” und zeigte ihm das benachbarte. Weitere Infos bekam er nicht heraus. Zum Glück kam ein Mann mit rudimentären Englischkenntnissen zur Hilfe und erklärte uns direkt noch den Weg zu einem Hotel in der Nähe eines Fußballfelds. Wir weiter, immer noch nicht sicher wo das Stadtzentrum sich befindet, wie es aussieht und woran wir es erkennen sollten. Irgendwann dachten wir wir seien schon vorbei und versuchten wieder jemanden zu fragen. Wir fragten einen Anfang Zwanzigjährigen, schien uns doch die Wahrscheinlichkeit höher, dass er Englisch könne. Nein, konnte er nicht. Auch die von unserem Helfer notierte chinesische Adresse kannte er nicht, auch den (selbstverständlich auch chinesischen) Hinweis auf das Fußballfeld verstand er nicht. Wir versuchten es mit Zeichensprache, “Fußball” muss man doch einfach verstehen … nein, sorry …

Wir fanden ein mit “HOTEL” (oh ja, so dass wir es lesen konnten!) bezeichnetes Gebäude, man sprach sogar etwas englisch. Das Zimmer war sofort unser!

Dann fuhren wir endlich los! Unsere Route führte Richtung Vietnam nach Südwesten, meist entlang der Nationalstraße G325, über Kaiping, Enping, Yangjiang, Yangxi bis Dianbai. Von hier aus wagten wir einen Umweg über Maoming zu einem See, den unsere Karte als “Scenic Area” bezeichnete. Leider fanden wir ihn nicht, trotz mehrfachem Nachfragen, langen Erklärungen und großer Verwirrung kamen wir letztlich nicht auf die Straße die wir suchten … Wir gaben auf, fuhren nach Lanjiang und weiter nach Suixi, von wo wir wieder brav der G325 folgten. Anfangs war die Straße vierspurig, mit breitem, geteertem Seitenstreifen, wurde im Verlauf aber immer schmaler bis sie in eine zig kilometerlange Baustelle führte. Wir waren über Stunden in Staub- und Sandwolken gehüllt, fuhren über Schotter und übernachteten nach einem sehr langen Tag letztlich in Zhakou in einem Guesthouse das an eine Werkstatt angeschlossen und von außen nicht erkennbar war. Es war die einzige Übernachtungsmöglichkeit für mindestens 60 Kilometer. Am nächsten Tag entschieden wir uns für einen Ruhetag in Beihai, einem Strandort der zwar einen Umweg für uns darstellte, aber dafür über den schönsten Strand der Welt verfügen solle.

Die Fahrt von Jiangmen nach Beihai war landschaftlich wenig spektakulär, das Wetter meist bewölkt und für diese Zeit des Jahres zu kalt. Wir sahen den Weg durch China ja nur als Transitstrecke an und waren daher nicht enttäuscht, bekamen wir doch sehr wohl einen Eindruck von diesem ganz anderen Land.
Die Straßen waren flankiert von Müll, und sollte ich jemals etwas über den Müll in Südostasien gesagt haben, möchte ich nun im Vergleich sagen: in Südostasien ist kaum Müll auf der Straße zu sehen! Es ist schon unglaublich wie hoch und lang die Abfallhügel sich an den Straßen entlang zogen, ja, der Konsum ist wohl angekommen in der chinesischen Gesellschaft, handelte es sich zumeist nämlich um Verpackungen. Und die scheinen die Chinesen sehr zu mögen, alles ist mehr als mehrfach verpackt, in kleine Einzelrationen, schon regelrecht nervend beim Auspacken …

Abgesehen von Äußerlichkeiten zeigten sich auf der Strecke auch chinesische Eigenarten: Chinesen sind ausgesprochen schlechte Fahrer! Ich fuhr durch den für mich bis jetzt immer noch chaotischsten und dicht gepacktesten Verkehr Javas und kann sagen dass hier im Vergleich eigentlich wenig los ist, dennoch sehe ich mich permanent gefährdet! Das Problem ist dass die Chinesen scheinbar die ganze Zeit vor sich hin träumen. War in Indonesien noch klar dass es keine Regeln gibt aber dennoch alle einem ungenannten, unsichtbaren System folgen, sind die Aktionen eines chinesischen Fahrers absolut willkürlich, unüberlegt und rücksichtslos. Nichts ist nachvollziehbar … Zum Beispiel fuhr ein Motofahrer neben mich, schaute kurz, nahm mich also wahr, fuhr neben mir her und kam immer näher, er drängte mich also von der Straße ab, ich brüllte, zeigte auf die Straße, er jedoch sah mich nur völlig verständnislos an. Der verstand überhaupt nicht was ich wollte!

Ein weiteres Kommunikationsproblem stellt sich uns bei der Hotelsuche. Wir gaben nach kürzester Zeit auf uns verbal verständlich zu machen, selbst wenn wir der Ansicht sind dass wir etwas exakt nachsprechen was unser Gegenüber vorgibt, ist es falsch. Wir gehen nur noch mit Wörterbuch ins Hotel und zeigen auf die entsprechende chinesische Übersetzung. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich, von angeekelten Gesichtern über Lustlosigkeit bis hin zu endlosem Gekichere ist alles drin. Häufig wird auch erst mal jemand angerufen und mehrere Minuten berichtet, wir stehen nur davor und versuchen geduldig zu warten dass man sich uns zuwendet. Nachdem verstanden wurde dass wir kein chinesisch sprechen, schreibt man uns häufig Antwort oder Frage auf – auf chinesisch versteht sich; ich versuche immer zu erklären welche Spalte im Sprachführer ich lesen kann und welche nicht, meist führt das aber nur zu noch größerer Verwirrung … Manchmal jedoch sind die Damen an der Rezeption aber auch sehr freundlich, auch das passiert, witzig finden die es zwar auch immer, aber es klappt immerhin mit dem Zimmer! Fast immer kriegen wir ein Zimmer mit zwei Einzelbetten, unser Sprachführer bietet “Doppelzimmer” und “ein Bett für zwei Personen” an, zeige ich das aber hintereinander werde ich gefragt ob ich zwei Zimmer möchte … da scheint doch irgendwas mit der Übersetzung nicht zu stimmen. Außerdem scheint es auch für Ehepaare hier Standard zu sein in getrennten Betten zu schlafen, nun gut, wir belassen es mittlerweile auch dabei.

Unser Erscheinen weckt fast überall Interesse, Neugier, teils schreien Kinder sogar. Starren scheint auch durchaus nicht unhöflich zu sein, wenn es mir auch schwer fällt dies nicht als Respektlosigkeit aufzufassen und ich mich frage wie sich ein Chinese im umgekehrten Fall fühlen und verhalten würde. Ich versuche mir immer zu sagen, dass die Chinesen mich einfach wie ein Fernsehprogramm betrachten, da reagiert man dann ja auch nicht darauf, manchmal fühle ich mich aber auch einfach als wäre ich das exotische Tier im Zoo!

In Lanjiang war der Herr Simon im Hotel in der Zimmerdiskussion und ich stand zwangsläufig mit beiden Rädern draußen. Erst kam das weibliche Servicepersonal aus dem an das Hotel angeschlossene Restaurant, ungefähr 15 Frauen standen ein paar Meter vor mir und schauten. Ich versuchte es mit Lächeln, “Ni hao” und Winken, doch keine zeigte eine Reaktion, gar nichts. Nach ein paar Minuten gingen sie nach und nach wieder rein und informierten wohl das Küchenpersonal, das kam nämlich kurz darauf, noch mehr Leute standen vor mir und starrten, teils Suppe essend. Kurz darauf kam Herr Simon zurück und berichtete dass ihm am Telefon mitgeteilt wurde, dass wir hier nicht “leben” (= live) könnten da das Personal kein englisch spräche. Ok …

Die jüngeren Chinesen lernen mittlerweile Englisch in der Schule oder an der Uni. In Maoming, einer Stadt mit vier Millionen Einwohnern, kamen drei Mädchen zu uns um “Hallo” zu sagen, nur eine sprach aber ihr Englisch war wirklich gut, doch sie war sehr nervös. Letztlich meinte sie, sie sei sehr aufgeregt, denn wir seien die ersten Ausländer die sie je gesehen habe. Ein anderes Mal sprach uns ein Mädchen an, fragte wo wir her seien und ähnliches, wollte dann aber dass wir “Ich liebe Dich” auf japanisch sagen, da hat sie sich unsere Herkunft wohl nicht ganz gemerkt … Später kam ein Uni-Student dazu der helfen wollte, er war fürchterlich nervös, sein Mund zitterte, er stotterte und bekam roten Ausschlag am Hals … Schon witzig wie aufregend es sein kann mit uns zu reden …

[thaya]


Macao & Hongkong

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Spät am Abend kam unser Flug von Manila in Macao an. Der Flughafen von Macao befindet sich auf der Insel Taipa, doch da es verboten ist die Brücken von dort in die Innenstadt mit dem Fahrrad zu befahren, standen wir nun vor der Frage wie wir dort hin kommen sollten. Am Taxistand war eine lange Schlange und da unsere Räder noch verpackt in Kartons waren, hielten wir das zwar nicht für die günstigste aber doch einfachste Lösung. Jedoch schien es keine größeren Taxis zu geben, wie also die Räder unterbringen? Eine Frau die den Taxistand überwachte hielt letztlich ein Taxi für uns an und fragte den Fahrer ob er die Räder unterbringen könne, er stopfte die Kartons in den kleinen Kofferraum so dass die Hälfte noch heraus stand. Wir fuhren über eine der “verbotenen” Brücken, übrigens mit breitem Seitenstreifen und eigentlich gut zu befahren, mit Blick auf die hell erleuchtete und ziemlich imposante Skyline. Glücklicherweise ging alles gut und wir standen vor dem einzigen Hostel welches ich in Macao im Internet finden konnte. Das Augusters war so freundlich uns obwohl es ausgebucht war in der Lobby auf zwei Feldbetten zu beherbergen. Das war nett und günstig aber nicht gerade angenehm. Unsere Betten wurden erst um 24 Uhr aufgebaut und danach mussten sich die anderen Gäste an uns vorbei drücken um zum Zimmer oder vom Zimmer zur Toilette zu kommen. Da das Hostel sehr klein war, nur drei Zimmer mit sechs Betten, waren das zum Glück nicht all zu viele. Dennoch waren wir froh nach nur zwei Nächten wieder abzureisen und das Provisorium hinter uns zu lassen.

Macao ist bekannt für sein portugiesisches Kolonialerbe und Glücksspiel. Dementsprechend touristisch ist es hier auch. Die Gassen waren voll von vornehmlich chinesischen Besuchern die alles zu dokumentieren schienen und ganz verrückt eine bestimmte Sorte von Keksen hier kauften. Wir unternahmen einen Ausflug vom Senado-Platz zum Monte-Fort mit einem Rundum-Blick über die Stadt zur Ruine von Sao Paulo. In den schmalen Straßen drumherum gab es kaum ein Durchkommen! Da wir keinen Platz zum Entkommen hatten liefen wir durch etliche Casinos, hielten uns aber von den Tischen fern, da wir es für eine schlechte Idee hielten mit unserem Budget einem Spielwahn zu erliegen …

Viel mehr gab es in Macao dann aber doch nicht zu erleben und wir waren froh als unsere Betten dann bereit standen.

Am nächsten Morgen bauten wir unsere Räder zusammen, fuhren zum Fährterminal und waren anderthalb Stunden später in Hongkong Kowloon. Unterkunft fanden wir in den Mirador Mansions die im Gegensatz zu den benachbarten Chungking Mansions über einen großen Cargo-Aufzug verfügen. 200 HK$ (ca. 20 Euro) ist zwar keineswegs das was unserem Budget angepasst war, aber für Hongkong doch noch recht günstig. Zehn Tage blieben wir in Hongkong, erst auf der Mission “warme” Kleidung, einen Schlafsack, ein paar Radersatzteile und etlich anderes zu erstehen, wieder Überflüssiges heim zu schicken und ein Visum für China zu besorgen. Letztlich litt ich dann an einer ausgesprochen schmerzhaften Rachenentzündung, die ich vor der Weiterreise auskurieren wollte. Es ist unglaublich wie oft ich krank war seit wir unterwegs sind, obwohl ich daheim eigentlich immer gesund blieb auch in den schlimmsten Grippezeiten. Das Wetter war aber auch besonders schlecht, meist grisselte es und es war sehr kalt … Wer weiß ob aber nicht auch das ständigen Rumgespucke hier damit etwas zu tun hat …

Wir waren mehrere Tage mit Shopping beschäftigt, suchten etliche Outdoorläden auf (RC Outfitters und The Outdoor Shop waren ganz gut) und fanden zwei gute Radläden (Flying Ball und Mongkok Pro Bicycle). Ein Schnäppchenparadies ist Hongkong nicht gerade, die selben Preise bekommt man in Deutschland auch wenn man ein wenig sucht, aber im Gegensatz zu anliegenden Ländern fanden wir hier ein breites Angebot und das was wir gerade brauchten. Offensichtlich ist Shopping die Hauptattraktion der vielen Touristen hier. Kaum jemand lief ohne Einkaufstüte rum und in den Straßen von Mong Kok war der Massenauflauf kaum auszuhalten. Zudem scheint es mir außergewöhnlich dass sich lange Schlangen vor Designerläden wie Louis Vuitton oder Prada bilden, es aber für die hauptsächlich chinesischen Kunden selbstverständlich und durchaus erträglich zu sein scheint lange in der Kälte auf Einlass zu warten.

Nach ein paar Tagen erst gingen wir zu einer renommierten Visa-Agentur und dann zum chinesischen Konsulat direkt, woraufhin wir uns von dem Schock erholen mussten nur ein 30-Tage-Visum zu bekommen. Wieder mal mussten wir uns überlegen was wir nun tun wollten, hatten wir doch auf sechs Monate gehofft und mit 90 Tagen gerechnet. Unser grober Plan war gewesen von Hongkong nach Chengdu in Sichuan zu fahren, von dort über die Berge und die Hochebenen in Westchina nach Kashgar und weiter nach Pakistan. Direkt nach Chengdu zu fliegen war keine Option da es dort noch zu kalt war. Und wie weit würden wir von dort mit 30 Tagen und einer Verlängerung auch kommen? Nach mehreren weiteren Überlegungen entschieden wir uns letztlich ganz pragmatisch erst mal hier auf dem Kontinent zu bleiben und in den 30 Tagen nach Vietnam zu fahren, von dort über Laos nach Thailand und es dann in Bangkok noch mal mit einem längeren Visum zu versuchen. Glücklich waren wir mit der Option “Südostasien” nicht, da wir doch gerade erst entflohen und froh waren wo anders zu sein! Immerhin waren wir auf dem Festland und freuten uns darauf einfach Fahren zu können ohne abhängig von anderen Transportmitteln zu sein.

[thaya]