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Epilog

 

Korla wird wenig touristische Bedeutung zugeschrieben, was auch der Grund sein könnte warum wir ein großes Problem hatten ein Hotelzimmer zu finden. Die Mehrzahl der preiswerteren Hotels sind nicht ausgerüstet dafür Ausländer zu beherbergen, d.h. haben keinen Scanner um die Pässe zur Weitermeldung einzuscannen und damit natürlich auch keine Genehmigung uns zu beherbergen. Aber glücklicherweise findet sich doch immer wieder was – etwas außerhalb des Stadtzentrums zwar aber da es mittlerweile auch schon lange dunkel war waren wir dann doch froh – irgendwo muss man ja unterkommen!

Korla, zwischen Tianshan-Gebirge und der Taklamakan-Wüste gelegen, kann man ohne falsche Scham als das “Dallas” (Na, wer erinnert sich noch an die Serie?) Chinas bezeichnen. Bestand der Ort vor einigen Jahren noch aus ein paar windschiefen Lehmhütten, so wird das Zentrum heute von Hochhäusern dominiert und exquisite Hotels, westliche Ölkonzerne sowie der überdurchschnittlich hohe Wohlstand sprechen eine deutliche Sprache.

Die Tage hier vergingen wie im Flug, nicht zuletzt oder gerade wegen der Einheimischen. Touristen sieht man hier nicht oft und so waren es vor allem die in der westlichen Provinz Chinas Xinjiang ansässigen Uiguren, die mit ihrer Herzlichkeit den Aufenthalt in Korla zu einem besonderen Erlebnis machten. Auf dem Night Market wurden wir beim zweiten Besuch schon wie alte Bekannte begrüßt und auch im Internetcafé freute man sich jeden Tag auf uns! Schließlich, nach einem kurzen Ausflug Richtung Westen nahmen wir den Bus zurück nach Ürümqi, fuhren knapp an Turpan, dem zweittiefsten Punkt der Erde vorbei, und quartierten uns für die letzten Tage vor unserem Heimflug wieder in der Silver-Birches-Jugendherberge ein, wo wir wieder auf andere Radler trafen.

Nach einer letzen Woche Ürümqi war es dann soweit: die kasachische Air Astana brachte uns mit Zwischenlandung in Astana nach Frankfurt. In Astana, seit 1997 Hauptstadt Kasachstans, scheinen Transitreisende von China nach Europa eher Exoten zu sein, oder wie ließe sich sonst erklären, dass wir nur auf Nachfragen und einigem Hin und Her in den Warteraum für unseren Weiterflug im Transitbereich gebracht wurden? Außerdem vermutete der kasachische Zoll in unseren außergewöhnlichen Kartons (in denen die Räder waren) riesige Fernseher – aber wer kann’s ihnen verdenken, kamen wir doch aus China! Nach einiger Zeit – als wir gerade so am Warten waren – kam ganz unvermittelt ein unformierter Beamter auf uns zu. Ob wir die beiden Deutschen wären, man hätte uns ausgerufen. Leider hatten wir die Lautsprecherdurchsagen nicht verstanden (erst kasachisch, dann englisch viel zu leise), also mussten die Beamten persönlich zu uns kommen. Mit Hilfe eines deutschsprechenden Kasachen und einem Satz (“Nein, das sind Fahrräder”) war das Problem dann auch schon vom Tisch.

In Deutschland angekommen überwältigte uns das Grün, soviel sattes Grün zu sehen wenn man aus einem der trockensten Gebiete der Welt anreist war geradezu ein Schock, aber ein sehr schöner! Im vergangenen Jahr haben wir viel erlebt, gesehen und uns am “Unterwegssein” erfreut. Doch nun ist es für’s Erste vorbei und wir freuen uns auf alte Freunde, neue Herausforderungen und nicht zuletzt auch mal wieder ein Zuhause zu haben!


Bangkok, here we come!

Lange drauf hingefiebert, nun geht’s also endlich los! Aber so einfach wie sich das vielleicht anhört war es nicht, denn wenn man Deutschland auf längere Zeit verlassen will, muss man sich erstmal intensiv mit diversen bürokratischen Stolpersteinen auseinandersetzen. Am 26. April haben wir unsere Wohnung in Berlin aufgelöst, um noch ein paar Wochen nach Backnang zu Thayas Mutter zu ziehen. Da keiner von uns beiden Rechtswissenschaften studiert hat, und es eigentlich auch nicht die Aufgabe des Bürgers sein kann sich detailliert im Melderecht und dem Sozialgesetzbuch auszukennen, führte uns unser erster Weg auf das hiesige Meldeamt, denn wir wollten uns, wie es sich für einen pflichtbewussten Bürger gehört, für die Zeit bis zum Abflug noch in Backnang anmelden.

Uns war zwar bekannt, dass das für Aufenthalte von weniger als vier Wochen nicht nötig ist, aber dass im Umkehrschluss Meldungen für Aufenthalte von weniger als 4 Wochen NICHT möglich sind, wie uns dort gesagt wurde, wussten wir nicht. Es macht keinen Sinn und ist uns im Prinzip auch egal, leider benötigten wir aber den Nachweis über eine Abmeldung ins Ausland, denn seit Einführung der allgemeinen Krankenversicherungspflicht unterliegen auch wir dieser und muss Beiträge zahlen.

Tut man dies aus Versäumnis oder Unkenntnis nicht können diese rückwirkend eingefordert werden. Um also zukünftigen Ärger bereits im Keim zu ersticken wollten wir verständlicherweise unsere Angelegenheiten so gut wie möglich klären und unser nicht mehr hier sein durch eine Abmeldung ins Ausland dokumentieren. Das Meldeamt Backnang verwies uns jedoch an das Berliner Meldeamt. Dieses ist leider sehr schlecht zu erreichen, und die Uhr tickte. Irgendwann bekamen wir dann mal jemanden ans Telefon und man versprach uns eine Abmeldebestätigung zu schicken.

Die kam dann auch relativ zügig, allerdings ging aus ihr nicht hervor, dass wir uns in Zukunft ohne festen Wohnsitz im Ausland aufhalten wollten. Also damit zum Amt nach Backnang, in der Hoffnung, dass diese uns eine neue Bestätigung ausstellen würden aus der dann eben die Abmeldung ins Ausland hervorginge. Aber so einfach ist es natürlich nicht in Großdeutschland. Ein zentrales Melderegister gibt es mit Sicherheit, sonst würde ja das ganze Meldewesen keinen Sinn machen. Man übt sich jedoch im Spielen von Beamten-Mikado und fühlt sich nicht zuständig.

Also dringliches Fax an Berlin gesandt, E-Mail geschrieben und angerufen. Diesmal relativ schnell jemanden ans Telefon gekriegt: Nein das ginge so nicht, wir würden uns ja jetzt in Backnang aufhalten, daher seinen die zuständig. Wir einigen uns darauf, dass Berlin ein erklärendes Fax schickt, mit entsprechender Begründung, welches dann überraschend schnell ankam. Also mit dem Fax zum Backnanger Amt, vorgelegt und siehe da – es geht! Auf einmal! Oder vielleicht weil es das kleinere Übel war uns die Bescheinigung auszustellen als die Zuständigkeit mit Berlin zu klären? Man weiß es nicht.

Das war aber nur der erste Streich. Doch der zweite, die Krankenversicherung folgte zugleich. Wie bereits erwähnt gilt in Deutschland seit irgendwann in 2006 eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Was aber nicht bedeutet, dass man einfach zur Krankenversicherung geht und mit einem: „Hallo, hier bin ich“ bzw. „ich bin dann mal weg“ die Sache zufriedenstellend geregelt bekommt. Nein.

Erstes Problem: Der Status “längere Reise unternehmen” gibt es im deutschen Gesetz (und im Bewusstsein von Beamten) nicht. D.h. nach Beamtenlogik hält man sich entweder an seinem Wohnsitz in Deutschland oder an einem Wohnsitz im Ausland auf. Das Konzept „freiwillig wohnsitzlos“, wo auch immer, scheint es nicht zu geben. Gut, mit viel Zeit, einem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen und ein bisschen Glück kann man das Bewusstsein eines Bürokraten gehörig erweitern.

Das bringt uns zu Problem zwei. Es ist also angekommen, dass man sich zu Reisezwecken auf unbestimmte Zeit ohne festen Wohnsitz im Ausland aufzuhalten gedenkt, aber da ja jeder heutzutage ein potentieller Sozialbetrüger ist und man sowieso niemandem trauen kann, braucht man Nachweise. So etwas Einfaches wie ein verbindlicher Aktenvermerk mit schriftlicher Bestätigung für den Versicherungsnehmer reicht da nicht. Da braucht es schon handfesteres. Z.B. soll der Nachweis mit Flugtickets erbracht werden.

Aber es gibt fast nur noch e-Tickets… und außerdem: ich fahre Fahrrad. „Ja, aber Sie kommen doch sicher wieder zurück, das machen Sie ja nicht mit dem Fahrrad!?“ „Zurückkommen? Weiß ich noch nicht. Warum denn nicht mit dem Fahrrad? Man kann mit dem Rad von Deutschland aus Kapstadt, Hongkong, Singapur und sogar Magadan erreichen ohne nasse Füße zu bekommen, also warum denn nicht auch in andere Richtung?“ „OK. Dann sagen Sie einfach wie es ist, wenn sie dann zurückkommen.“

“Ja genau mein Freund, und in 5 oder 10 Jahren weiß wieder niemand was davon und ich hab wieder den Ärger!” “Nein, das möchte ich vermeiden“ „Hmm, dann versichern Sie es doch bei ihrer Rückkehr an Eides statt.“ „Was, das geht?“ „Klar!“ “OK, cool, na dann geben Sie mir das doch bitte schriftlich!“ Rumdrucks … „Nein, das ist nicht nötig, das geht auch ohne …“ Na wenn es offiziell ist und es nicht nötig ist, dann können Sie es mir doch auch bestätigen …“ “Na gut…” Lange Rede kurzer Sinn, man muss einfach hartnäckig bleiben, der ganz normale Wahnsinn also. Aber jetzt sind wir so weit, morgen geht’s los.

BANGKOK, WIR KOMMEN!

[andreas]