Beiträge mit Schlagworten ‘Guangdong’

Beihai – Nanning – Chengdu

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In Beihai angekommen fanden wir ein ausgesprochen günstiges, großes Zimmer, hingen einen Tag ab und brachen wieder auf, nicht ohne bei McDonald’s zu frühstücken wo es den einzig trink- und bezahlbaren Kaffee zu geben scheint. Während ich bestellte wurde Herr Simon zu ein paar älteren Auswanderern gewunken die sich dort jeden Morgen treffen. Nach kurzer Vorstellung unsererseits und der Schilderung des Visaproblems, bot uns ein amerikanischer Pensionär mit chinesischer Frau an uns zu helfen eine Visumsverlängerung zu bekommen. Also gut, wir wollten genaueres wissen und fuhren direkt mit unseren neuen Freunden zur Touristenpolizei (= PSB). Dort wurde uns versichert dass wir zu 90 Prozent mit einer Verlängerung von 90 Tagen rechnen könnten. Wir wollten noch eine Nacht darüber nachdenken und verabredeten uns mit dem amerikanisch-chinesischen Paar zum Frühstück am nächsten Morgen. Wir überlegten und dachten wir hätten ja ohnehin nichts zu verlieren außer unserem “double-entry” von 30 Tagen mit dem wir sowieso nicht anfangen können. Am nächsten Morgen hatten wir nicht einmal Zeit für einen Kaffee, denn die Chinesin hatte bereits einen straffen Zeitplan: erst zum Guesthouse um eine wie-auch-immer-geartete Quittung zu holen, dann zur Polizei um uns zu melden und einen Stempel zu bekommen, mit diesem Meldeformular dann zur PSB. Bei der Polizei gab es die ersten Verzögerungen, nach dem Ausfüllen von mehreren Formularen, von dem eines nur auf chinesisch war, aber für die Meldung von Ausländern vorgesehen ist (?), wurde uns erklärt dass wir keinen Stempel bekommen können, da der Stempelhalter gerade im Meeting sei. Wie lang das gehe wusste keiner. Also sind wir erst zum PSB um dort diverse weitere Formulare auszufüllen, Passkopien zu machen und alles mit Passbildern abzugeben. Die Chinesin gab uns als ihre Freunde aus und musste auch Passkopie und eine Erklärung abgeben. Da das Paar bereits verabredet war um 10 Uhr nach Nanning zu fahren war alles sehr hektisch und von lautem Gerede geprägt, es wirkte alles sehr unhöflich und ungeduldig. Wir sagten uns das sei wohl normal und fuhren allein wieder zur Polizei um unseren Stempel zu holen. Dort ging dann alles ruhig und ohne Probleme, nach kurzer Zeit erhielten wir unsere gestempelte Bestätigung und waren wieder beim PSB um alles abzugeben. Es war der 4. März, die Bearbeitung sollte fünf Werktage brauchen und demnach am 10. März abholbereit sein. Unsere chinesische “Freundin” meinte wir sollen den 1. Juni als unsere Abreise angeben, da die Verlängerung nur zum jeweils 1. ginge. Nun meinte die PSB-Mitarbeiterin wir sollen doch den 17. Juni daraus machen. Warum, das war uns nicht klar, hatte das Datum doch nichts logisches, aber warum auch nicht? Wir gaben alles ab und hatten nun fast eine Woche Beihai vor uns!

Beihai schien nicht besonders schlecht zu sein, aber auch nicht besonders aufregend, es war eine weitere große chinesische Stadt, die im Sommer viele Touristen sieht. Eine Internetrecherche eröffnete zudem dass wir uns in der am schnellsten wachsenden Stadt der Welt befinden, wer hätte das gedacht? Wir trafen unser befreundetes Paar wieder am Montag zum Frühstück bei McDonald’s. Sie und die anderen Expats gaben uns diverse Tipps wie wir die Zeit in Beihai rumbringen konnten, einem folgten wir direkt am Abend und gingen zu “Tommy’s” wo es täglich ein günstiges Pfeffersteak gibt. Das Restaurant gehört einem Australier und wird auch von vielen weiteren Expats besucht. Dort bekamen wir wiederum den Tipp doch den “Rusty Nail” aufzusuchen, ein weiterer Expat-Treffpunkt. Die Bar gehörte auch einem Australier und war gut besucht und zur Abwechslung mal nicht nur von Rentnern. Viele der jüngeren Ausländer dort unterrichten Englisch und bemerkten nachdrücklich dass sie nur 18 Stunden die Woche arbeiten, ich frage mich was sie den Rest der Woche machen, ist Beihai zwar nicht der schlechteste Ort um eine Woche auf ein Visum zu warten, langweilte mich aber die tägliche Routine Frühstück bei McDonald’s, Internet, Pfeffersteak bei Tommy’s, Biere im Rusty Nail schon nach zwei Tagen. Es schien so als hätte kaum einer der hier lebenden Ausländer ein Interesse an China, denn keiner reiste bis jetzt irgendwohin wenn er nicht musste. Ehrlich gesagt wirkte es wie eine ziemlich spießige Kleinstadtidylle …

Am nächsten Morgen beim Frühstück wurden wir von einem Neuzugang im Breakfast Club überrascht. Ein anderer Radfahrer hatte es nach Beihai geschafft und wurde direkt von den Frühstückern an den Tisch gebeten. Er war auf dem Weg nach Vietnam und unser amerikanischer Freund half auch ihm ein Visum zu besorgen.

Dann, am Donnerstag durften wir endlich unsere Verlängerung abholen. Wir fuhren direkt morgens hin, wurden dann aber auf den Nachmittag vertröstet. “Come back before 5”, hieß es. Wir waren zum Glück schon um 4 wieder “back”, denn keiner sagte uns zuvor, dass wir noch einen Kilometer hin und zurück zur “Bank of Communications” mussten um unsere jeweils 160 Yuan (≈ € 17) zu bezahlen. Sie machten es wirklich spannend, wir wussten ja immer noch nicht wie lange die Verlängerung nun war! Dann mit der Einzahlquittung bekamen wir endlich unsere Pässe … und es stand tatsächlich bis 17. Juni drin! 99 Tage sogar, warum auch immer …

Wir freuten uns sehr, nun können wir doch wie geplant in die Berge und Richtung Pakistan aufbrechen! Zwar ist es eigentlich noch zu kalt dort, teilweise soll es noch schneien und Straßen können noch gesperrt sein, aber nun haben wir ein Visum das nicht jeder so einfach bekommt und die Möglichkeit einen längere Route zu fahren, dann müssen wir wohl durch, durch die Kälte!

Direkt am nächsten Tag verließen wir das idyllische Beihai und fuhren nach Nanning, mit dem Bus, denn es regnete seit mehr als einer Woche ununterbrochen und sah nicht so aus als würde sich das schnell ändern. Wir verbrachten das Wochenende dort und beobachteten Disco- und Walzertänzer, GO-Spieler und Karaokesänger im Park. Nanning ist bekannt für Hund, also Hundefleisch, ja, zum Essen, und auch wir wollten zumindest welche zu Gesicht bekommen. Also liefen wir einen Abend lang auf der Suche nach gegrillten Hunden durch die Gegend, fanden aber nur Krokodil-Kebab.

Montag um 23 Uhr sollte unser Flug nach Chengdu in Sichuan gehen, da das spät am Abend war und wir ohnehin nichts zu tun hatten, fuhren wir die 35 km zum Flughafen und waren trotzdem viel zu früh da. Da wir faul sind wollten wir uns das Verpacken der Räder in Kartons sparen und hofften dass die Airline das ohne Ärger so annehmen würde. Wir drapierten Kartons um Gepäckträger und Lenker und wickelten Frischhaltefolie und Packband drumrum. So sind wir zum Schalter, und wie erwartet war die Konfusion groß, aber mittlerweile war uns klar dass stoische Ruhe einen hier meist am weitesten bringt. Nie Lösungen anbieten, keine Reaktion zeigen! Einfach da stehen, so tun als wäre alles in Ordnung und abwarten! Und so kam dann eine andere Angestellte und sagte ok, nur hätten wir für die Räder zu zahlen. Das war uns klar, ob Gebühr für Übergepäck oder für die Räder an sich, nichts ist umsonst … Dass der Preis jedoch fast so teuer wie der Flug ist, hätten wir dagegen nicht erwartet, aber was sollen wir machen? Immerhin konnten wir sie so abgeben, zwar mit einem indifferenten Gefühl, aber immerhin. Der Flughafen war sehr klein und es gab nicht viel zu tun. Eine Stunde vor Abflug wurde unser Flug als “verspätet” angezeigt, ärgerlich da wir ja sowieso erst sehr spät in Chengdu ankommen würden. Als Entschuldigung dafür gab es letztlich von der Fluggesellschaft eine Packung Instant Noodles, mhmmm!

Um 2:45 Uhr landeten wir in Chengdu. Unsere Räder kamen auf dem Fließband daher und entgingen nur knapp einer Kollision mit einem Gitter. Die Reifen waren platt gemacht worden und die Ventilkappen waren weg! (Ich sollte erst einen Tag später entdecken dass sie auf unsere Kartonummantelung geklebt wurden …) Wir beschwerten uns. Leider verstand die Dame von der Fluggesellschaft, glaube ich, kein oder kaum Englisch, sie tat aber so und rief jemanden an. Daraufhin kam eine andere Frau und sprach sogar. Sie bot uns 15 Yuan (≈ € 1,60) für beide Räder als Wiedergutmachung. Das war geradezu lächerlich und wir verzichteten. Aber wir bestanden auf die angebotene Freifahrt wegen der Verspätung in das Stadtzentrum, schließlich waren die Reifen platt. Als wir rauskamen war der Shuttlebus schon weg, doch uns wurde eine Fahrt per Taxi bezahlt, immerhin 80 Yuan (≈ € 8,56) wert. Die Räder wurden mal wieder in einen viel zu kleinen Kofferraum gestopft, standen noch ein Stück zur Seite raus, so dass ich bei jeder Leitplanke dachte wir fahren dagegen. Aber es ging wieder alles gut! Um 4 Uhr kamen wir am Guesthouse an, nach längerem Klingeln wurde uns dann auch geöffnet und wir mussten nicht mal für diese Nacht zahlen.

Chengdu ist die sechstgrößte Stadt Chinas und ein Gateway nach Tibet, obwohl man dort nur noch mit einer Reisegruppe reinkommt. Da wir nun früher hier waren als wir geplant hatten, war es um einiges kälter und wir mussten nach weiterer warmer Ausrüstung suchen. Es gibt in der Stadt sogar einen Décathlon den wir als erstes aufsuchten, dem gegenüber gibt es einen IKEA, wo wir direkt Köttbullar zu Mittag essen gingen. Auch H&M und C&A gibt es in der Stadt, uns wurde aber erzählt, dass diese Läden für Chinesen ein eher hohes Preisniveau darstellen. Wir suchten weitere Outdoorläden auf, von denen es nicht gerade wenige gibt, nicht alles ist gut, nicht alles echt, aber wenn man etwas rumsucht bekommt man Qualität zu einem guten Preis. Ein wenig Sightseeing machten wir auch: auf dem Platz im Stadtzentrum steht eine riesige Mao-Statue, wir liefen durch das tibetische Viertel und besuchten sogar einen buddhistischen Tempel. Am Samstag auf dem TianFu-Platz war das Aufgebot an Polizei und Militär nicht zu übersehen, ob es nun an dem Jahrestag der tibetischen Aufstände liegt oder an der Angst vor Demonstrationen wie in Beijing und Shanghai wissen wir nicht und scheinbar auch keiner hier … Zwei chinesische Studenten erklärten dass es seit einer Demonstration gegen Japan im Oktober 2010 vermehrt Polizei gibt, haben aber auch nichts von Demonstrationen in anderen Städten in letzter Zeit gehört. Auf die Frage ob es denn häufig Demonstrationen hier gäbe, bekommen wir ein Nein zur Antwort, Demonstrationen sind schließlich verboten. Der Informationsfluss ist in China ja bekanntlich eingeschränkt, es gibt kein Facebook, YouTube, Twitter und manche Google-Dienste wie beispielsweise Google Docs, ausländische Webseiten laden manchmal schmerzhaft langsam, aber zumindest auf deutsch habe ich das Gefühl ungefiltert auf Nachrichtenseiten zugreifen zu können. Auf chinesisch sieht das vermutlich anders aus …

[thaya]


Kulturschock China – Von Hongkong nach Beihai

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Aus Hongkong mit dem Rad herauszukommen ist schwieriger als man denkt: es ist scheinbar (wir haben es nicht versucht …) nicht erlaubt über die New Territories nach China zu fahren, sollte man den Zug nehmen muss man anscheinend das Rad ein wenig fahruntüchtig machen indem man das Vorderrad ausbaut, Fliegen bedeutet den üblichen Stress von wegen Rad verpacken etc. und, es gibt die Fähre. Die wollten wir nehmen. Wir dachten an Macau, hörten etwas von Zhaoqing. Im Fährterminal erkundigten wir uns genauer und erfuhren, dass man um nach Zhaoqing zu kommen auf halbem Weg in einen Bus wechseln muss und verwarfen diesen Plan somit. Jedoch bekamen wir einen Fahrplan ausgehändigt mit weiteren Zielen von denen wir uns dann schließlich Jiangmen aussuchten. Das erste Stück mit der Fähre zu bestreiten brachte den Vorteil dass wir nicht durch die industriellen Vororte und angrenzenden Gebiete um Hongkong oder Macau mussten, hunderte Kilometer hohes Verkehrsaufkommen, unerträgliche Abgase und unschöne Aussichten vermieden …

Am Tag unserer Abreise regnete es. Das Fährterminal war nicht weit, daher kein Problem. In Jiangmen regnete es immer noch, der Hafen sollte ungefähr 12 km vom Stadtzentrum entfernt sein, die Auskunft der Einheimischen vor Ort lautete jedoch 20 km. Nun gut, was tun … der Regen war nicht besonders stark also los Richtung Stadt. Auf den Schildern die in unsere Richtung zeigten zeichnete sich das erste, non-verbale Sprachproblem ab: Schriftzeichen! Ok, so weit so gut, man kann ja vergleichen … dachte ich noch … bis mir klar wurde dass der Unterschied zwischen “Traditional Chinese” und “Simplified Chinese” größer als gedacht ist, sahen die Zeichen auf den Schildern für “Jiangmen” doch ganz anders aus als auf unserem Fährticket. Was “simplified” und was “traditional” ist, weiß ich bis jetzt nicht, ist ja nicht so dass das eine mit Pinselstrich und das andere eckig oder so ist, nee, es ist einfach anders. Der Sinn dieser Simplifizierung ist mir auch nicht klar, muss man als Ausländer nun die Zeichen ja immer mehrfach vergleichen und abwägen ob die Abweichung so gering und/oder logisch ist, dass es dasselbe Zeichen sein muss.

“Stadtzentrum” oder “Innenstadt” war uns auch noch nicht bekannt, weder in chinesischen Zeichen noch in lateinischer Pinyin-Umschrift. Somit mussten wir fragen. Dies war eine Aufgabe für den China-erfahrenen Herrn Simon der sein Glück in einem Restaurant versuchte. Ja, man verstand “Hotel” und zeigte ihm das benachbarte. Weitere Infos bekam er nicht heraus. Zum Glück kam ein Mann mit rudimentären Englischkenntnissen zur Hilfe und erklärte uns direkt noch den Weg zu einem Hotel in der Nähe eines Fußballfelds. Wir weiter, immer noch nicht sicher wo das Stadtzentrum sich befindet, wie es aussieht und woran wir es erkennen sollten. Irgendwann dachten wir wir seien schon vorbei und versuchten wieder jemanden zu fragen. Wir fragten einen Anfang Zwanzigjährigen, schien uns doch die Wahrscheinlichkeit höher, dass er Englisch könne. Nein, konnte er nicht. Auch die von unserem Helfer notierte chinesische Adresse kannte er nicht, auch den (selbstverständlich auch chinesischen) Hinweis auf das Fußballfeld verstand er nicht. Wir versuchten es mit Zeichensprache, “Fußball” muss man doch einfach verstehen … nein, sorry …

Wir fanden ein mit “HOTEL” (oh ja, so dass wir es lesen konnten!) bezeichnetes Gebäude, man sprach sogar etwas englisch. Das Zimmer war sofort unser!

Dann fuhren wir endlich los! Unsere Route führte Richtung Vietnam nach Südwesten, meist entlang der Nationalstraße G325, über Kaiping, Enping, Yangjiang, Yangxi bis Dianbai. Von hier aus wagten wir einen Umweg über Maoming zu einem See, den unsere Karte als “Scenic Area” bezeichnete. Leider fanden wir ihn nicht, trotz mehrfachem Nachfragen, langen Erklärungen und großer Verwirrung kamen wir letztlich nicht auf die Straße die wir suchten … Wir gaben auf, fuhren nach Lanjiang und weiter nach Suixi, von wo wir wieder brav der G325 folgten. Anfangs war die Straße vierspurig, mit breitem, geteertem Seitenstreifen, wurde im Verlauf aber immer schmaler bis sie in eine zig kilometerlange Baustelle führte. Wir waren über Stunden in Staub- und Sandwolken gehüllt, fuhren über Schotter und übernachteten nach einem sehr langen Tag letztlich in Zhakou in einem Guesthouse das an eine Werkstatt angeschlossen und von außen nicht erkennbar war. Es war die einzige Übernachtungsmöglichkeit für mindestens 60 Kilometer. Am nächsten Tag entschieden wir uns für einen Ruhetag in Beihai, einem Strandort der zwar einen Umweg für uns darstellte, aber dafür über den schönsten Strand der Welt verfügen solle.

Die Fahrt von Jiangmen nach Beihai war landschaftlich wenig spektakulär, das Wetter meist bewölkt und für diese Zeit des Jahres zu kalt. Wir sahen den Weg durch China ja nur als Transitstrecke an und waren daher nicht enttäuscht, bekamen wir doch sehr wohl einen Eindruck von diesem ganz anderen Land.
Die Straßen waren flankiert von Müll, und sollte ich jemals etwas über den Müll in Südostasien gesagt haben, möchte ich nun im Vergleich sagen: in Südostasien ist kaum Müll auf der Straße zu sehen! Es ist schon unglaublich wie hoch und lang die Abfallhügel sich an den Straßen entlang zogen, ja, der Konsum ist wohl angekommen in der chinesischen Gesellschaft, handelte es sich zumeist nämlich um Verpackungen. Und die scheinen die Chinesen sehr zu mögen, alles ist mehr als mehrfach verpackt, in kleine Einzelrationen, schon regelrecht nervend beim Auspacken …

Abgesehen von Äußerlichkeiten zeigten sich auf der Strecke auch chinesische Eigenarten: Chinesen sind ausgesprochen schlechte Fahrer! Ich fuhr durch den für mich bis jetzt immer noch chaotischsten und dicht gepacktesten Verkehr Javas und kann sagen dass hier im Vergleich eigentlich wenig los ist, dennoch sehe ich mich permanent gefährdet! Das Problem ist dass die Chinesen scheinbar die ganze Zeit vor sich hin träumen. War in Indonesien noch klar dass es keine Regeln gibt aber dennoch alle einem ungenannten, unsichtbaren System folgen, sind die Aktionen eines chinesischen Fahrers absolut willkürlich, unüberlegt und rücksichtslos. Nichts ist nachvollziehbar … Zum Beispiel fuhr ein Motofahrer neben mich, schaute kurz, nahm mich also wahr, fuhr neben mir her und kam immer näher, er drängte mich also von der Straße ab, ich brüllte, zeigte auf die Straße, er jedoch sah mich nur völlig verständnislos an. Der verstand überhaupt nicht was ich wollte!

Ein weiteres Kommunikationsproblem stellt sich uns bei der Hotelsuche. Wir gaben nach kürzester Zeit auf uns verbal verständlich zu machen, selbst wenn wir der Ansicht sind dass wir etwas exakt nachsprechen was unser Gegenüber vorgibt, ist es falsch. Wir gehen nur noch mit Wörterbuch ins Hotel und zeigen auf die entsprechende chinesische Übersetzung. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich, von angeekelten Gesichtern über Lustlosigkeit bis hin zu endlosem Gekichere ist alles drin. Häufig wird auch erst mal jemand angerufen und mehrere Minuten berichtet, wir stehen nur davor und versuchen geduldig zu warten dass man sich uns zuwendet. Nachdem verstanden wurde dass wir kein chinesisch sprechen, schreibt man uns häufig Antwort oder Frage auf – auf chinesisch versteht sich; ich versuche immer zu erklären welche Spalte im Sprachführer ich lesen kann und welche nicht, meist führt das aber nur zu noch größerer Verwirrung … Manchmal jedoch sind die Damen an der Rezeption aber auch sehr freundlich, auch das passiert, witzig finden die es zwar auch immer, aber es klappt immerhin mit dem Zimmer! Fast immer kriegen wir ein Zimmer mit zwei Einzelbetten, unser Sprachführer bietet “Doppelzimmer” und “ein Bett für zwei Personen” an, zeige ich das aber hintereinander werde ich gefragt ob ich zwei Zimmer möchte … da scheint doch irgendwas mit der Übersetzung nicht zu stimmen. Außerdem scheint es auch für Ehepaare hier Standard zu sein in getrennten Betten zu schlafen, nun gut, wir belassen es mittlerweile auch dabei.

Unser Erscheinen weckt fast überall Interesse, Neugier, teils schreien Kinder sogar. Starren scheint auch durchaus nicht unhöflich zu sein, wenn es mir auch schwer fällt dies nicht als Respektlosigkeit aufzufassen und ich mich frage wie sich ein Chinese im umgekehrten Fall fühlen und verhalten würde. Ich versuche mir immer zu sagen, dass die Chinesen mich einfach wie ein Fernsehprogramm betrachten, da reagiert man dann ja auch nicht darauf, manchmal fühle ich mich aber auch einfach als wäre ich das exotische Tier im Zoo!

In Lanjiang war der Herr Simon im Hotel in der Zimmerdiskussion und ich stand zwangsläufig mit beiden Rädern draußen. Erst kam das weibliche Servicepersonal aus dem an das Hotel angeschlossene Restaurant, ungefähr 15 Frauen standen ein paar Meter vor mir und schauten. Ich versuchte es mit Lächeln, “Ni hao” und Winken, doch keine zeigte eine Reaktion, gar nichts. Nach ein paar Minuten gingen sie nach und nach wieder rein und informierten wohl das Küchenpersonal, das kam nämlich kurz darauf, noch mehr Leute standen vor mir und starrten, teils Suppe essend. Kurz darauf kam Herr Simon zurück und berichtete dass ihm am Telefon mitgeteilt wurde, dass wir hier nicht “leben” (= live) könnten da das Personal kein englisch spräche. Ok …

Die jüngeren Chinesen lernen mittlerweile Englisch in der Schule oder an der Uni. In Maoming, einer Stadt mit vier Millionen Einwohnern, kamen drei Mädchen zu uns um “Hallo” zu sagen, nur eine sprach aber ihr Englisch war wirklich gut, doch sie war sehr nervös. Letztlich meinte sie, sie sei sehr aufgeregt, denn wir seien die ersten Ausländer die sie je gesehen habe. Ein anderes Mal sprach uns ein Mädchen an, fragte wo wir her seien und ähnliches, wollte dann aber dass wir “Ich liebe Dich” auf japanisch sagen, da hat sie sich unsere Herkunft wohl nicht ganz gemerkt … Später kam ein Uni-Student dazu der helfen wollte, er war fürchterlich nervös, sein Mund zitterte, er stotterte und bekam roten Ausschlag am Hals … Schon witzig wie aufregend es sein kann mit uns zu reden …

[thaya]