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Kulturschock China – Von Hongkong nach Beihai

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Aus Hongkong mit dem Rad herauszukommen ist schwieriger als man denkt: es ist scheinbar (wir haben es nicht versucht …) nicht erlaubt über die New Territories nach China zu fahren, sollte man den Zug nehmen muss man anscheinend das Rad ein wenig fahruntüchtig machen indem man das Vorderrad ausbaut, Fliegen bedeutet den üblichen Stress von wegen Rad verpacken etc. und, es gibt die Fähre. Die wollten wir nehmen. Wir dachten an Macau, hörten etwas von Zhaoqing. Im Fährterminal erkundigten wir uns genauer und erfuhren, dass man um nach Zhaoqing zu kommen auf halbem Weg in einen Bus wechseln muss und verwarfen diesen Plan somit. Jedoch bekamen wir einen Fahrplan ausgehändigt mit weiteren Zielen von denen wir uns dann schließlich Jiangmen aussuchten. Das erste Stück mit der Fähre zu bestreiten brachte den Vorteil dass wir nicht durch die industriellen Vororte und angrenzenden Gebiete um Hongkong oder Macau mussten, hunderte Kilometer hohes Verkehrsaufkommen, unerträgliche Abgase und unschöne Aussichten vermieden …

Am Tag unserer Abreise regnete es. Das Fährterminal war nicht weit, daher kein Problem. In Jiangmen regnete es immer noch, der Hafen sollte ungefähr 12 km vom Stadtzentrum entfernt sein, die Auskunft der Einheimischen vor Ort lautete jedoch 20 km. Nun gut, was tun … der Regen war nicht besonders stark also los Richtung Stadt. Auf den Schildern die in unsere Richtung zeigten zeichnete sich das erste, non-verbale Sprachproblem ab: Schriftzeichen! Ok, so weit so gut, man kann ja vergleichen … dachte ich noch … bis mir klar wurde dass der Unterschied zwischen “Traditional Chinese” und “Simplified Chinese” größer als gedacht ist, sahen die Zeichen auf den Schildern für “Jiangmen” doch ganz anders aus als auf unserem Fährticket. Was “simplified” und was “traditional” ist, weiß ich bis jetzt nicht, ist ja nicht so dass das eine mit Pinselstrich und das andere eckig oder so ist, nee, es ist einfach anders. Der Sinn dieser Simplifizierung ist mir auch nicht klar, muss man als Ausländer nun die Zeichen ja immer mehrfach vergleichen und abwägen ob die Abweichung so gering und/oder logisch ist, dass es dasselbe Zeichen sein muss.

“Stadtzentrum” oder “Innenstadt” war uns auch noch nicht bekannt, weder in chinesischen Zeichen noch in lateinischer Pinyin-Umschrift. Somit mussten wir fragen. Dies war eine Aufgabe für den China-erfahrenen Herrn Simon der sein Glück in einem Restaurant versuchte. Ja, man verstand “Hotel” und zeigte ihm das benachbarte. Weitere Infos bekam er nicht heraus. Zum Glück kam ein Mann mit rudimentären Englischkenntnissen zur Hilfe und erklärte uns direkt noch den Weg zu einem Hotel in der Nähe eines Fußballfelds. Wir weiter, immer noch nicht sicher wo das Stadtzentrum sich befindet, wie es aussieht und woran wir es erkennen sollten. Irgendwann dachten wir wir seien schon vorbei und versuchten wieder jemanden zu fragen. Wir fragten einen Anfang Zwanzigjährigen, schien uns doch die Wahrscheinlichkeit höher, dass er Englisch könne. Nein, konnte er nicht. Auch die von unserem Helfer notierte chinesische Adresse kannte er nicht, auch den (selbstverständlich auch chinesischen) Hinweis auf das Fußballfeld verstand er nicht. Wir versuchten es mit Zeichensprache, “Fußball” muss man doch einfach verstehen … nein, sorry …

Wir fanden ein mit “HOTEL” (oh ja, so dass wir es lesen konnten!) bezeichnetes Gebäude, man sprach sogar etwas englisch. Das Zimmer war sofort unser!

Dann fuhren wir endlich los! Unsere Route führte Richtung Vietnam nach Südwesten, meist entlang der Nationalstraße G325, über Kaiping, Enping, Yangjiang, Yangxi bis Dianbai. Von hier aus wagten wir einen Umweg über Maoming zu einem See, den unsere Karte als “Scenic Area” bezeichnete. Leider fanden wir ihn nicht, trotz mehrfachem Nachfragen, langen Erklärungen und großer Verwirrung kamen wir letztlich nicht auf die Straße die wir suchten … Wir gaben auf, fuhren nach Lanjiang und weiter nach Suixi, von wo wir wieder brav der G325 folgten. Anfangs war die Straße vierspurig, mit breitem, geteertem Seitenstreifen, wurde im Verlauf aber immer schmaler bis sie in eine zig kilometerlange Baustelle führte. Wir waren über Stunden in Staub- und Sandwolken gehüllt, fuhren über Schotter und übernachteten nach einem sehr langen Tag letztlich in Zhakou in einem Guesthouse das an eine Werkstatt angeschlossen und von außen nicht erkennbar war. Es war die einzige Übernachtungsmöglichkeit für mindestens 60 Kilometer. Am nächsten Tag entschieden wir uns für einen Ruhetag in Beihai, einem Strandort der zwar einen Umweg für uns darstellte, aber dafür über den schönsten Strand der Welt verfügen solle.

Die Fahrt von Jiangmen nach Beihai war landschaftlich wenig spektakulär, das Wetter meist bewölkt und für diese Zeit des Jahres zu kalt. Wir sahen den Weg durch China ja nur als Transitstrecke an und waren daher nicht enttäuscht, bekamen wir doch sehr wohl einen Eindruck von diesem ganz anderen Land.
Die Straßen waren flankiert von Müll, und sollte ich jemals etwas über den Müll in Südostasien gesagt haben, möchte ich nun im Vergleich sagen: in Südostasien ist kaum Müll auf der Straße zu sehen! Es ist schon unglaublich wie hoch und lang die Abfallhügel sich an den Straßen entlang zogen, ja, der Konsum ist wohl angekommen in der chinesischen Gesellschaft, handelte es sich zumeist nämlich um Verpackungen. Und die scheinen die Chinesen sehr zu mögen, alles ist mehr als mehrfach verpackt, in kleine Einzelrationen, schon regelrecht nervend beim Auspacken …

Abgesehen von Äußerlichkeiten zeigten sich auf der Strecke auch chinesische Eigenarten: Chinesen sind ausgesprochen schlechte Fahrer! Ich fuhr durch den für mich bis jetzt immer noch chaotischsten und dicht gepacktesten Verkehr Javas und kann sagen dass hier im Vergleich eigentlich wenig los ist, dennoch sehe ich mich permanent gefährdet! Das Problem ist dass die Chinesen scheinbar die ganze Zeit vor sich hin träumen. War in Indonesien noch klar dass es keine Regeln gibt aber dennoch alle einem ungenannten, unsichtbaren System folgen, sind die Aktionen eines chinesischen Fahrers absolut willkürlich, unüberlegt und rücksichtslos. Nichts ist nachvollziehbar … Zum Beispiel fuhr ein Motofahrer neben mich, schaute kurz, nahm mich also wahr, fuhr neben mir her und kam immer näher, er drängte mich also von der Straße ab, ich brüllte, zeigte auf die Straße, er jedoch sah mich nur völlig verständnislos an. Der verstand überhaupt nicht was ich wollte!

Ein weiteres Kommunikationsproblem stellt sich uns bei der Hotelsuche. Wir gaben nach kürzester Zeit auf uns verbal verständlich zu machen, selbst wenn wir der Ansicht sind dass wir etwas exakt nachsprechen was unser Gegenüber vorgibt, ist es falsch. Wir gehen nur noch mit Wörterbuch ins Hotel und zeigen auf die entsprechende chinesische Übersetzung. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich, von angeekelten Gesichtern über Lustlosigkeit bis hin zu endlosem Gekichere ist alles drin. Häufig wird auch erst mal jemand angerufen und mehrere Minuten berichtet, wir stehen nur davor und versuchen geduldig zu warten dass man sich uns zuwendet. Nachdem verstanden wurde dass wir kein chinesisch sprechen, schreibt man uns häufig Antwort oder Frage auf – auf chinesisch versteht sich; ich versuche immer zu erklären welche Spalte im Sprachführer ich lesen kann und welche nicht, meist führt das aber nur zu noch größerer Verwirrung … Manchmal jedoch sind die Damen an der Rezeption aber auch sehr freundlich, auch das passiert, witzig finden die es zwar auch immer, aber es klappt immerhin mit dem Zimmer! Fast immer kriegen wir ein Zimmer mit zwei Einzelbetten, unser Sprachführer bietet “Doppelzimmer” und “ein Bett für zwei Personen” an, zeige ich das aber hintereinander werde ich gefragt ob ich zwei Zimmer möchte … da scheint doch irgendwas mit der Übersetzung nicht zu stimmen. Außerdem scheint es auch für Ehepaare hier Standard zu sein in getrennten Betten zu schlafen, nun gut, wir belassen es mittlerweile auch dabei.

Unser Erscheinen weckt fast überall Interesse, Neugier, teils schreien Kinder sogar. Starren scheint auch durchaus nicht unhöflich zu sein, wenn es mir auch schwer fällt dies nicht als Respektlosigkeit aufzufassen und ich mich frage wie sich ein Chinese im umgekehrten Fall fühlen und verhalten würde. Ich versuche mir immer zu sagen, dass die Chinesen mich einfach wie ein Fernsehprogramm betrachten, da reagiert man dann ja auch nicht darauf, manchmal fühle ich mich aber auch einfach als wäre ich das exotische Tier im Zoo!

In Lanjiang war der Herr Simon im Hotel in der Zimmerdiskussion und ich stand zwangsläufig mit beiden Rädern draußen. Erst kam das weibliche Servicepersonal aus dem an das Hotel angeschlossene Restaurant, ungefähr 15 Frauen standen ein paar Meter vor mir und schauten. Ich versuchte es mit Lächeln, “Ni hao” und Winken, doch keine zeigte eine Reaktion, gar nichts. Nach ein paar Minuten gingen sie nach und nach wieder rein und informierten wohl das Küchenpersonal, das kam nämlich kurz darauf, noch mehr Leute standen vor mir und starrten, teils Suppe essend. Kurz darauf kam Herr Simon zurück und berichtete dass ihm am Telefon mitgeteilt wurde, dass wir hier nicht “leben” (= live) könnten da das Personal kein englisch spräche. Ok …

Die jüngeren Chinesen lernen mittlerweile Englisch in der Schule oder an der Uni. In Maoming, einer Stadt mit vier Millionen Einwohnern, kamen drei Mädchen zu uns um “Hallo” zu sagen, nur eine sprach aber ihr Englisch war wirklich gut, doch sie war sehr nervös. Letztlich meinte sie, sie sei sehr aufgeregt, denn wir seien die ersten Ausländer die sie je gesehen habe. Ein anderes Mal sprach uns ein Mädchen an, fragte wo wir her seien und ähnliches, wollte dann aber dass wir “Ich liebe Dich” auf japanisch sagen, da hat sie sich unsere Herkunft wohl nicht ganz gemerkt … Später kam ein Uni-Student dazu der helfen wollte, er war fürchterlich nervös, sein Mund zitterte, er stotterte und bekam roten Ausschlag am Hals … Schon witzig wie aufregend es sein kann mit uns zu reden …

[thaya]


Macao & Hongkong

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Spät am Abend kam unser Flug von Manila in Macao an. Der Flughafen von Macao befindet sich auf der Insel Taipa, doch da es verboten ist die Brücken von dort in die Innenstadt mit dem Fahrrad zu befahren, standen wir nun vor der Frage wie wir dort hin kommen sollten. Am Taxistand war eine lange Schlange und da unsere Räder noch verpackt in Kartons waren, hielten wir das zwar nicht für die günstigste aber doch einfachste Lösung. Jedoch schien es keine größeren Taxis zu geben, wie also die Räder unterbringen? Eine Frau die den Taxistand überwachte hielt letztlich ein Taxi für uns an und fragte den Fahrer ob er die Räder unterbringen könne, er stopfte die Kartons in den kleinen Kofferraum so dass die Hälfte noch heraus stand. Wir fuhren über eine der “verbotenen” Brücken, übrigens mit breitem Seitenstreifen und eigentlich gut zu befahren, mit Blick auf die hell erleuchtete und ziemlich imposante Skyline. Glücklicherweise ging alles gut und wir standen vor dem einzigen Hostel welches ich in Macao im Internet finden konnte. Das Augusters war so freundlich uns obwohl es ausgebucht war in der Lobby auf zwei Feldbetten zu beherbergen. Das war nett und günstig aber nicht gerade angenehm. Unsere Betten wurden erst um 24 Uhr aufgebaut und danach mussten sich die anderen Gäste an uns vorbei drücken um zum Zimmer oder vom Zimmer zur Toilette zu kommen. Da das Hostel sehr klein war, nur drei Zimmer mit sechs Betten, waren das zum Glück nicht all zu viele. Dennoch waren wir froh nach nur zwei Nächten wieder abzureisen und das Provisorium hinter uns zu lassen.

Macao ist bekannt für sein portugiesisches Kolonialerbe und Glücksspiel. Dementsprechend touristisch ist es hier auch. Die Gassen waren voll von vornehmlich chinesischen Besuchern die alles zu dokumentieren schienen und ganz verrückt eine bestimmte Sorte von Keksen hier kauften. Wir unternahmen einen Ausflug vom Senado-Platz zum Monte-Fort mit einem Rundum-Blick über die Stadt zur Ruine von Sao Paulo. In den schmalen Straßen drumherum gab es kaum ein Durchkommen! Da wir keinen Platz zum Entkommen hatten liefen wir durch etliche Casinos, hielten uns aber von den Tischen fern, da wir es für eine schlechte Idee hielten mit unserem Budget einem Spielwahn zu erliegen …

Viel mehr gab es in Macao dann aber doch nicht zu erleben und wir waren froh als unsere Betten dann bereit standen.

Am nächsten Morgen bauten wir unsere Räder zusammen, fuhren zum Fährterminal und waren anderthalb Stunden später in Hongkong Kowloon. Unterkunft fanden wir in den Mirador Mansions die im Gegensatz zu den benachbarten Chungking Mansions über einen großen Cargo-Aufzug verfügen. 200 HK$ (ca. 20 Euro) ist zwar keineswegs das was unserem Budget angepasst war, aber für Hongkong doch noch recht günstig. Zehn Tage blieben wir in Hongkong, erst auf der Mission “warme” Kleidung, einen Schlafsack, ein paar Radersatzteile und etlich anderes zu erstehen, wieder Überflüssiges heim zu schicken und ein Visum für China zu besorgen. Letztlich litt ich dann an einer ausgesprochen schmerzhaften Rachenentzündung, die ich vor der Weiterreise auskurieren wollte. Es ist unglaublich wie oft ich krank war seit wir unterwegs sind, obwohl ich daheim eigentlich immer gesund blieb auch in den schlimmsten Grippezeiten. Das Wetter war aber auch besonders schlecht, meist grisselte es und es war sehr kalt … Wer weiß ob aber nicht auch das ständigen Rumgespucke hier damit etwas zu tun hat …

Wir waren mehrere Tage mit Shopping beschäftigt, suchten etliche Outdoorläden auf (RC Outfitters und The Outdoor Shop waren ganz gut) und fanden zwei gute Radläden (Flying Ball und Mongkok Pro Bicycle). Ein Schnäppchenparadies ist Hongkong nicht gerade, die selben Preise bekommt man in Deutschland auch wenn man ein wenig sucht, aber im Gegensatz zu anliegenden Ländern fanden wir hier ein breites Angebot und das was wir gerade brauchten. Offensichtlich ist Shopping die Hauptattraktion der vielen Touristen hier. Kaum jemand lief ohne Einkaufstüte rum und in den Straßen von Mong Kok war der Massenauflauf kaum auszuhalten. Zudem scheint es mir außergewöhnlich dass sich lange Schlangen vor Designerläden wie Louis Vuitton oder Prada bilden, es aber für die hauptsächlich chinesischen Kunden selbstverständlich und durchaus erträglich zu sein scheint lange in der Kälte auf Einlass zu warten.

Nach ein paar Tagen erst gingen wir zu einer renommierten Visa-Agentur und dann zum chinesischen Konsulat direkt, woraufhin wir uns von dem Schock erholen mussten nur ein 30-Tage-Visum zu bekommen. Wieder mal mussten wir uns überlegen was wir nun tun wollten, hatten wir doch auf sechs Monate gehofft und mit 90 Tagen gerechnet. Unser grober Plan war gewesen von Hongkong nach Chengdu in Sichuan zu fahren, von dort über die Berge und die Hochebenen in Westchina nach Kashgar und weiter nach Pakistan. Direkt nach Chengdu zu fliegen war keine Option da es dort noch zu kalt war. Und wie weit würden wir von dort mit 30 Tagen und einer Verlängerung auch kommen? Nach mehreren weiteren Überlegungen entschieden wir uns letztlich ganz pragmatisch erst mal hier auf dem Kontinent zu bleiben und in den 30 Tagen nach Vietnam zu fahren, von dort über Laos nach Thailand und es dann in Bangkok noch mal mit einem längeren Visum zu versuchen. Glücklich waren wir mit der Option “Südostasien” nicht, da wir doch gerade erst entflohen und froh waren wo anders zu sein! Immerhin waren wir auf dem Festland und freuten uns darauf einfach Fahren zu können ohne abhängig von anderen Transportmitteln zu sein.

[thaya]