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Darwin – Alice Springs

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Heute ist Sonntag und wir sind seit ca. einer Woche in Alice Springs, in “the Alice”, wie die Einheimischen fast schon liebevoll die Metropole im Herzen des Red Centres nennen. Die letzten drei Tage haben wir mal locker über 1.500 km zurückgelegt. Nein, nicht mit dem Fahrrad, mit dem Auto. Wie immer war es keine leichte Entscheidung sich ausnahmsweise gegen das Fahrrad zu entscheiden. Im Prinzip wäre es auch möglich gewesen die Strecke zum Ayers Rock, den Olgas und dem Kings Canyon mit dem Rad zu fahren, aber aufgrund der schlechten Versorgungslage mit bezahlbaren Lebensmitteln und die Aussicht darauf mindestens ein Viertel der Strecke starken Gegenwind zu haben, investierten wir das Geld lieber in einen Mietwagen und gaben uns den Freuden des Fahrens auf der falschen Straßenseite hin. Zusammenfassend war der Trip eine schöne Abwechslung, allerdings würden wir uns den Kings Canyon das nächste Mal sparen oder mindestens einen Tag mehr einplanen. Am beeindruckendsten fanden wir beide aber das Erlebnis der flachen Landschaft aus der dann plötzlich die beiden Gesteinsformationen des Ayers Rock und der Olgas hervorragen. Genau genommen sind es eigentlich drei, denn es gibt noch den Mount Connor, der scheint aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht so ein Touristenmagnet zu sein. Allerdings ging der Trip ganz schön ins Geld, wie auch sonst das tägliche Leben in Australien, insbesondere für Radler im Outback. Die Notlage von Radlern, die naturgemäß nicht über die Kapazität der motorisierten Touristen verfügen und einfach in den wenigen größeren Orten wie Darwin, Katherine, Tennant Creek oder Alice ihre Vorräte an Lebensmitteln, sowie Alkohol und Softdrinks zu vergleichsweise zivilen Preisen auffüllen können und dadurch auch mal teure "Durststrecken" relativ komfortabel überstehen können wird rigoros ausgenutzt: alles was lieb und teuer ist oder wonach man sich nach einem heißen Tag sehnt kostet im Schnitt das drei- bis fünffache des normalen Ladenpreises! So ist es z. B. so, dass man in Yulara am Ayers Rock, AUD $36 für ein Six-Pack Bier bezahlt, wofür man in Alice einen 24er Karton bekommt!

Wenn man dann mit einheimischen Touristen redet (und davon gibt es hier eine ganze Menge) wird sich aufgeregt und einem natürlich mitfühlend zugestimmt und dann erklärt, dass das Ganze ja mit den großen Distanzen zu tun hätte und den Kosten Getränke zu kühlen. Hmm … Also an einem x-beliebigen Roadhouse entlang des Stuart Highway kosten Sachen ein mehrfaches als im Supermarkt 100km weiter? Für uns etwas unverständlich werden doch alle Güter auf dem Weg zu den Supermärkten auch dort vorbei gefahren. Wo wäre also das Problem hier und da mal einen Stopp einzulegen und ein paar Kisten abzuladen? Aber so ist eben die Tradition hier. Es war früher teuer weil alles soweit von der Zivilisation entfernt ist, und obwohl der Stuart Highway heute keine unbefestigte Naturpiste mehr ist, ist das im Internetzeitalter immer noch so.

Insgesamt entsteht ein bisschen der Eindruck der Rückständigkeit. Seien es nun die Preise für gekühlte Drinks das mit hohen Stromkosten und langen Wegen erklärt wird oder das Problem des kostengünstigen verfügbaren Internetzugangs – es wird entschuldigend akzeptiert, das spritschluckende Allradfahrzeug inklusive klimatisierten, bemikrowelltem Wohnwagen aufgetankt (sofern man nicht gleich mit einem Wohnmobil in Reisebusgröße inklusive Anhänger mit Allrad-PKW für die Einkaufsfahrten unterwegs ist) und sich mal für ein paar Wochen oder Monate mit Kind und Kegel ab in den Busch gemacht. Dabei scheinen viele von ihnen gar keine konkreten Ziele zu verfolgen sondern fahren mal von hier nach da, nach dort und vielleicht wieder ein Stück zurück um dann woanders hin zu fahren, zwischendurch sämtliche auf der Strecke liegenden Nationalparks und Sehenswürdigkeiten abzuhaken, wobei letztere zumindest im Northern Territory hauptsächlich aus Replikas ehemaliger Telegrafenstationen aus der Kolonialzeit zu bestehen scheinen und 2. Weltkriegs-Buschflugplätzen, sprich ein Stück rote flache Erde. Gäbe es kein Schild, man hätte vielleicht was verpasst. Besonders gut hat uns auch "der höchste Punkt auf dem Stuart Highway" gefallen, eine gemauerte Säule, darauf angebracht eine Plakette mit Hinweis darauf, allerdings ohne Höhenangabe. Aber wir wussten zumindest eines: Von hier ab geht es nur noch runter!

Andererseits erleben wir eine Besonderheit, die selbst viele Einheimische hier noch nie gesehen haben: Das rote Zentrum ist grün! Dank der ungewöhnlich starken Regenfälle der letzten Tage und Wochen hat sich das sonst so trockene, rote, ausgedörrte Land in eine grüne Wald- und Wiesenlandschaft verwandelt. Wäre da nicht die rote Erde, man könnte meinen, man sei gar nicht in Australien sondern in Norddeutschland. Allerdings hat das für uns auch einige Nachteile. Zum einen ist es wegen des hohen Grases etwas schwieriger einen Zeltplatz für das Nachtlager zu finden, denn im Land mit den giftigsten Tieren überhaupt möchte man ungern 100 km entfernt vom nächsten Buschkrankenhaus Bekanntschaft mit den einheimischen Schlangen- und Spinnenspezies machen. Zum anderen gibt es momentan überall genug Nahrung und Wasserlöcher für die Tiere, so dass man Känguruhs und andere Wildtiere nur selten, und dann meist nur als Verkehrsopfer zu sehen bzw. zuerst zu riechen bekommt. Dies war vor allem im Norden, von Darwin nach Katherine extrem was die schiere Anzahl anging, weiter südlich Richtung Tennant Creek dann bezüglich des Gestanks – eine ausgewachsene, halbverweste Kuh stinkt nämlich schon ganz gewaltig!

[andreas]