Beiträge mit Schlagworten ‘Sumatra’

Sumatra – Java – Bali

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“Hello Mister!” schallt es mir mal wieder entgegen, Mister! Keine Ahnung wer den Indonesiern beigebracht hat, dass “Hallo Ausländer” “Hello Mister” heisst, egal welchen Geschlechts man ist … Überall wird man entsprechend begrüßt, die weitere Konversation umfasst die Fragen “How are you?”, “Where are you from?”, “Where you go?”, die Antworten genauso wie eventuelle Gegenfragen werden meist nicht verstanden. Antwortet man entsprechend auch mit “Hello Mister!” wird gelacht, der Indonesier ist doch kein Mister! Begeisterung stellt sich immer bei Auskunft unserer Herkunft ein und es wird gerne entweder auf Fussball oder Hitler Bezug nehmend näher darauf eingegangen.

Schon nach kurzer Zeit stellte sich diese Form des interkulturellen Austauschs jedoch als etwas eintönig und ermüdend heraus, da Java im Grunde genommen aus einer mehr oder weniger dichten Ansammlung von Häusern besteht, die sämtliche Straßen säumen. Die Insel zählt zu den dicht besiedelsten Gebieten der Erde, mit 136 Millionen Menschen die auf einer Fläche so groß wie ungefähr einem Drittel von Deutschland leben.

Da ein jeder hier auch mobil sein möchte und ist, besteht ein enormes Verkehrsaufkommen aus unzähligen Motos, Reisebussen, Pick-Ups, Minibussen und SUVs. Busse fahren gern sehr nah vorbei und machen einem immer wieder bewusst dass ein Schlenker oder Unkonzentriertheit fatale Folgen haben kann. Gleichzeitig ist der Strassenbelag nicht wirklich gut – unzählige Schlaglöcher, teils mit unterschiedlichsten Materialien geflickt, höher oder niedriger als der Rest der Strasse, Steine, Dreck, tote Tiere oder durch die Hitze entstandene Verwerfungen erschweren ein Geradeausfahren. Hinzu kommen die Abgase, schon nach ein paar Tagen auf Java litten wir beide an Husten, der die ganze Zeit anhielt, mal mehr oder weniger schlimm.

Dennoch kamen wir relativ gut durch, da irgendwie alle Verkehrsteilnehmer aufeinander achten und auch wenn uns die Fahrpraxis teils verzweifeln liess, da Motofahrer beispielsweise beim Abbiegen nicht schauen ob etwas kommt und man demnach Abbremsen oder Ausweichen muss, fühlte ich mich eigentlich nicht unsicher oder gefährdet. Einen kleinen Unfall hatte ich dennoch, am vorletzten Tag auf Java wurde ich im Stadtverkehr zwischen einem Auto dessen Fahrer sich ohne zu schauen in den Verkehr einfädeln wollte und einem Moto, das mich überholte, eingequetscht, ich konnte nur dem Auto ausweichen, woraufhin das Moto auf mich fuhr und ich umfiel. Ausser ein paar Prellungen und Schürfwunden passierte nichts und zumindest der Autofahrer den Herr Simon aufhielt entschuldigte sich mehrfach, während der Motofahrer einfach abhaute. Nach über 4.000 Kilometern durch den wahnsinnigen Verkehr Südostasiens war das ja beinahe überfällig und ich bin froh dass nicht mehr passierte.

Unsere Route durch Java begann nach einer zweitägigen Schiffsüberfahrt von Padang auf Sumatra in der Hauptstadt Jakarta, von wo aus wir grob immer Richtung Osten fuhren. Über den 1.500 m hohen Puncak-Pass fuhren wir in die drittgrößte Stadt Bandung, nach weiteren drei Tagen erreichten wir Yogyakarta, eine sehr touristische Stadt die als das spirituelle Zentrum Javas bezeichnet wird. Nur eine kurze Tagesetappe entfernt war Surakarta alias Solo, welches uns sehr viel besser gefiel. Das Leben fand hier mehr auf der Strasse statt, es gab viele Getränke- und Essensstände, an oder neben denen man saß, während der Verkehr geringer als in anderen Städten war und kaum Touristen zu sehen waren, was Solo recht ruhig wirken liess. Weiter östlich in Jombang, einer durch ausländischen Tourismus unerschlossenen Provinzhauptstadt, hatten wir das erste und einzige Mal das Problem ein Zimmer zu finden. Das erste Hotel war unverschämt teuer, zumindest was die Zimmer der Kategorie “Ekonomi” anbelangt, während die “Emerald Suite” für 25 Euro gewiss auch nicht ihrer Bezeichnung entsprach … also suchten wir weiter. Das nächste Hotel verwies uns an ein drittes in dem wir nach Prüfung unserer Pässe abgewiesen wurden, warum wissen wir nicht, aber vermutlich weil wir nicht verheiratet sind. Sich dann ein Zimmer zu teilen gilt in einem muslimischen Hotel als ungehörig. Das nächste Hotel, das gewillt war uns als Gäste zu empfangen, war zwar nicht gerade günstig für was es bot, aber es wurde zumindest nicht nach unserem Familienstand gefragt.

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Von Jombang fuhren wir weiter nach Pasuruan am Fuße des Vulkans Gunung (= Berg) Bromo. Da wir mal wieder besonders abenteuerlich und nicht zuletzt clever sein wollten erstellten wir uns mithilfe von Google Maps eine Alternativstrecke zur Standardroute von Probolinggo aus. Nach unserer schmerzlichen Erfahrung mit einer “Abkürzung” auf Sumatra hätten wir uns eigentlich denken können dass die Route von Probolinggo vermutlich nicht ohne Grund die bevorzugte ist. Es war uns klar, dass der Weg bergauf führen würde, der von uns gewählte führte jedoch anstrengend bergauf und kurz darauf verloren wir die hart erkämpften Höhenmeter wieder da der Weg durch tiefe Täler steil runter und wieder hoch führte. Noch dazu verfuhren wir uns und merkten das erst nach einigen Kilometern bergauf. Als wir endlich auf dem richtigen Weg waren, war die Motivation bereits auf dem Tiefpunkt und wir waren kurz davor nach Probolinggo zu fahren und die ganze Tour teuer von dort mit dem Minibus zu machen. Also gingen wir erst mal Mittagessen wo wir offensichtlich abgezockt wurden, klar, Touristengegend. Der Preis war nicht mal das schlimmste, das dümmste war, dass die Wirtin den anwesenden örtlichen Polizeibeamten vor meinen Augen nach einem adäquaten Preis fragte. Was will man dazu sagen?

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir den Ort Sukopura in dem wir Übernachtungsmöglichkeiten vermuteten. Ein Schlepper der uns auf dem Weg schon ansprach wartete bereits und führte uns zu einem “guten” Guesthouse. Es ist immer fraglich ob man solche Angebote annehmen soll oder nicht, wenn man ablehnt muss man unter Umständen nach langer Suche wieder zurückkommen und es hat nur Zeit und Nerven gekostet. Das Angebot war nicht super, Zimmer ging, Preis etwas teuer, aber wir waren müde und dachten uns wegen ein, zwei Euro ist es die Anstrengung nicht wert. Also nahmen wir das Zimmer. So zu Sonnenuntergang um ungefähr halb sechs begann der Muezzin, wir waren an sich in sicherer Entfernung von der Moschee doch wurde hier das “Abendprogramm” per Lautsprecher übertragen, direkt gegenüber von unserem Fenster! Es war unvorstellbar laut, so laut dass man weder lesen, sich unterhalten noch denken konnte! Normalerweise dauert die Ansprache ungefähr eine halbe Stunde, doch nach zwei Stunden war immer noch nicht Schluss. Mittlerweile war der vierte oder fünfte Muezzin am Mikrofon, der sich offensichtlich noch in Ausbildung befand, da er Wörter und ganze Sätze nach falscher Aussprache wiederholte und ein anderer ihm soufflierte. Nach circa vier Stunden war endlich Ruhe, es war bereits halb zehn. Mitten in der Nacht um ungefähr halb vier ging es wieder los! An Schlaf war nicht mehr zu denken, also standen wir auf und machten uns in völliger Dunkelheit auf den weiteren Weg bergauf. Laut Lonely Planet sollten es sieben Kilometer bis zum nächsten Ort sein. Zwei Kilometer nach Ortsende kamen wir zu einem Kilometerstein, es waren zwölf! Wie schon des öfteren hat der LP versagt und ich hatte schon das ein oder andere Mal mit dem Gedanken gespielt ihn einfach wegzuwerfen. Falsche Auskünfte sind manchmal schlechter als keine. Zudem hatten wir uns erst in Yogyakarta einen aktuellen Lonely Planet Länderreiseführer “Indonesien” (100% researched and upgraded!) gekauft – es gab einfach auch keine Alternative vor Ort, was sich als großer Fehler herausstellte. Während unser alter “Southeastasia on a shoestring” zwar von 2004 war und veraltete Infos und Preise enthielt, waren dort wenigstens Budgetoptionen verzeichnet während in dem Indonesienführer nur noch ein oder zwei günstige Übernachtungsmöglichkeiten aufgeführt sind und der Rest “Midrange” und “Top End” abdeckt. Lonely Planet hat eindeutig seine Zielgruppe verlagert und richtet sich nun an den mehr oder weniger individuell reisenden Besserbetuchten mit dem Verlangen nach Zimmern mit Klimaanlage, heißem Wasser (in den Tropen!) und Entertainmentangebot.

Nun gut, jedenfalls bedeuteten zwölf Kilometer fünf Kilometer mehr bergauf als gedacht und der Weg war steil, so steil, dass wir teils absteigen und schieben mussten. Schieben mit dem schweren Rad stellt keineswegs eine Erleichterung sondern lediglich eine Abwechslung dar, nach kurzer Zeit schmerzen die Arme und die Beine, aber im Gegensatz zum Fahren geht es wenigstens. Der Weg wurde immer steiler, irgendwann war an Fahren gar nicht mehr zu denken, und dann musste ich alle 20 Meter Pause machen um Luft zu holen. Es war eine fürchterliche Tortur! Wir dachten daran einen Minibus anzuhalten oder einen Local mit Pick-Up zu fragen ob er uns mitnimmt, wollten noch aber zumindest bis zum nächsten Ort mit Guesthouse weitergehen. Als wir nach ungefähr neun Kilometern gerade eine Pause auf einer Leitplanke machten hielt ein Pick-Up mit einer vierköpfigen muslimischen Familie vor uns und fragte ob sie uns mitnehmen sollen. Sofort stimmten wir zu und packten die Räder auf die Ladefläche. Ich war so unvorstellbar froh! Wir fragten uns aber auch was das wohl kosten würde, da die Einheimischen solche Notlagen verständlicherweise gerne ausnutzen. Der Weg bis nach Cemoro Lawang am Kraterrand, also oben, war bestimmt noch zwölf Kilometer weit und es ist fraglich ob wir das überhaupt an einem Tag geschafft hätten. Oben am Eingang zum Nationalpark kauften unsere Fahrer sogar noch Eintrittskarten für uns. Als wir nach dem Abladen fragten was wir ihnen schuldeten (mittlerweile wollten wir ihnen gerne etwas freiwillig geben), lehnten sie ab und bestanden nur auf ein Foto mit uns. Wahrscheinlich ist sich die Familie gar nicht bewusst wie sehr sie uns geholfen haben und wie viel Geld wir im Gegensatz zu der Fahrt im Minibus gespart haben, wir sind ihnen jedenfalls immer noch sehr dankbar!

Da wir ohne Frühstück los gegangen sind, gingen wir erst einmal etwas essen und überlegten was wir nun machen wollten. Es war erst 10 Uhr morgens und der Tag somit noch jung. Leider war das Wetter trüb und neblig und man konnte nicht weit sehen. Im Restaurant unterhielten wir uns mit einem Inder der meinte es hätte bereits morgens so ausgesehen, daher gab es keine gute Aussicht auf die Vulkane. Das Spektakuläre an dem korrekt bezeichneten Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark ist der Blick bei Sonnenauf- oder -untergang in den großen Tenggerkrater in dem die Vulkane Bromo, Kursi und Batok entstanden, während im Hintergrund die höchste Erhebung Javas, der aktive Vulkan Semeru, zu sehen ist. Laut Wetterbericht sollte es auch die nächsten zwei Tage regnen und uns damit die “gute” Sicht verbauen, daher entschieden wir uns uns sofort auf den Weg durch den Krater auf die Südseite zu machen. Der Blick auf die Vulkane über den Vulkansand war ausserirdisch, der Tenggerkrater unglaublich groß und der Blick wie in der Wüste weit. Zudem war es unnatürlich still. Wir waren trotz schlechten Wetters sehr beeindruckt. Die ersten Kilometer im Krater mussten wir wegen des Sands schieben, dann wuchs Gras, der Boden wurde fester und wir konnten fahren, leider regnete es mittlerweile recht stark und wir wurden komplett durchnässt. An der Südseite mussten wir wieder aus dem Krater heraus, der Weg war zu steil zum Fahren und es dauerte Stunden bis wir auf dem Kraterrand standen. Es ging weiter bergauf bis der Weg sieben Kilometer abwärts zu dem Ort Ranu Pani führte, den wir um halb vier erreichten. In der dortigen Berghütte legten wir uns bald schlafen. Früh morgens machten wir uns an die Abfahrt nach Lumajang. Die Strecke war ausgesprochen schön, die schmale Straße führte durch dichten Dschungel moderat bergab und war abgesehen von gelegentlich entgegenkommenden Motos nicht befahren.

Es war der erste Tag des Lebaranfestes welches den Abschluss der Fastenzeit Ramadan bildet. Im Internet hatte ich gelesen, dass das eine wunderbare Zeit sei in Indonesien zu sein und dieses Fest, das eine vergleichbare Bedeutung für Muslime hat wie für Christen Weihnachten, mitzuerleben. Demnach war ich sehr froh zu diesem Anlass in einer größeren Stadt zu sein, da ich mir eine Volksfeststimmung mit verschiedenen Ständen vorstellte. Dem war überhaupt nicht so. Geschäfte waren geschlossen wie an Weihnachten in Europa. Die Muslime fahren zu ihren Familien und feiern im Familienkreis, als Aussenstehender bekommt man davon gar nichts mit. Vermutlich ist es eine der schlechtesten Zeiten zu der man in Indonesien sein kann! Ramadan an sich war dagegen schon interessant: Wir waren auf Sumatra als die Fastenzeit begann, in den christlichen Gebieten um den Tobasee bekam man davon fast nichts mit, während in Bukittinggi an den Touristenlokalen Schilder mit “Tourists only” hingen und drinnen im Dunkeln gegessen werden konnte. Auch in West-Java waren mittags die meisten Lokale geschlossen, nur teurere Restaurants entlang der Straße waren für Nicht-Fastende oder Reisende geöffnet jedoch verbargen vorgezogene Vorhänge den Blick ins Innere. Schon in Zentraljava wurde die Fastenzeit lockerer gehandhabt, viele Restaurants hatten auch mittags geöffnet, es wurde “öffentlich” gegessen und auch viele Muslime hielten sich nicht an die Verbote. Je weiter wir östlich kamen desto weniger war die Fastenzeit erkennbar. Lediglich öffentliche Einrichtungen wie Museen waren ab mittags geschlossen und die Mitarbeiter hatten frei, in Yogyakarta wollten wir uns den Kraton (den Palast des Sultans) anschauen, aber der wurde um 12:30 Uhr geschlossen. Die Führer saßen davor an einen Essensstand und aßen, tranken, rauchten … Nach Nachfragen warum so früh zu sei, lautete die Antwort: “Ramadan!” Ja, klar!

Es war schon interessant mitanzusehen, dass auch in einem als sehr muslimisch angesehenen Land die Einheimischen genauso locker mit säkulare Ge- oder Verboten umgehen wie bei uns, zum Beispiel in der vorösterlichen Fastenzeit, dennoch ist das Leben viel stärker davon beeinflusst was eben Öffnungszeiten oder Einkaufsaktionen wie “Lebaran Sale” anbelangt.

Nun da wir unser “Programm” auf Java durchhatten hasteten wir nur noch Richtung Bali. Nach drei Tagen nahmen wir die Fähre nach Gilimanuk im Nordwesten der Urlaubsinsel. Vor zwei Jahren waren wir schon mal hier und ich hatte die Insel als zu touristisch empfunden, aber genau darauf freute ich mich jetzt sehr! Wir fuhren Richtung Kuta mussten aber noch einmal übernachten und versuchten es erst in dem Surfspot Medewi wo aber leider bereits alles voll war und fuhren dann bis Balian Beach einem weiteren Ort an dem es sich gut surfen lässt. Die Fahrt auf Bali war zwar ausgesprochen szenisch, ja, schön ist es hier sehr wohl, aber auch sehr sehr anstrengend. Da Bali wie fast alle Inseln Indonesiens vulkanischen Ursprungs ist, ist die Insel recht hoch und fällt steil ab, durchzogen ist dieser Hang durch zahlreiche Flüsse die tiefe Täler eingeschnitten haben. In der Praxis heisst das: ein ständiges steiles Bergauf und Bergab! Wir jubilierten innerlich als wir in Kuta einfuhren, obwohl uns die stressige Unterkunftssuche noch bevorstand. Nach mehreren ernüchternden Nachfragen in Hotels oder Guesthouses die alle viel zu teuer waren, machten wir erst mal Pause und aßen Pizza! Das ist das Gute am Tourismus, es gibt westliches Essen, welche Freude! Danach nahmen wir recht schnell ein annehmbares Zimmer und suchten am nächsten Morgen weiter. Wir fanden eines das zwar über unserem üblichen Budget liegt aber für Kuta doch günstig ist.

Ein Grund schnell nach Bali zu kommen war, da unser Visa am 26. September ausläuft. Einerseits hofften wir auf ein umgängliches Immigrationsbüro und andererseits sind von Denpasar noch die günstigsten Flüge zu bekommen. Bei der Immigration waren wir mittlerweile, unser 60-Tage-Visum lässt sich nur verlängern wenn wir einen einheimischen, so genannten Sponsor finden, der für uns bürgt. Dann bekommt man 30 Tage Verlängerung. Danach muss man wieder mit einem Sponsor zum Immigrationsbüro und bekommt wieder 30 Tage und das maximal viermal. Die andere Möglichkeit einer Verlängerung besteht in einem Visa-Run, also aus- und wieder einreisen. Entweder bekommt man dann bei Einreise ein 30-Tage-Visa-On-Arrival oder man holt sich bei der Botschaft wieder ein 60-Tage-Visum.

Ich würde mir gerne noch die Inseln weiter östlich bis Osttimor anschauen, auf die Molukken und nach Papua, dann weiter nach Papua-Neuguinea (PNG) und von dort auf die Salomonen, doch mit 30 Tagen kommen wir nicht sehr weit. Allein für die Beantragung eines Visums für PNG muss man eine Woche einrechnen und für die Fahrt nach Jayapura auf Papua braucht man mit dem Schiff allein sieben Tage reine Fahrzeit. Da müssen dann auch noch die Fahrzeiten exakt stimmen! Und das ist nur der Weg um Richtung PNG zu kommen ohne Stopp auf irgendwelchen Inseln. Island-Hopping ist vermutlich mit einem Schiff um einiges einfacher als mit Rädern …

Wir haben uns mittlerweile demnach für den direkten Weg nach Australien entschlossen. Noch sollen die Temperaturen im Norden erträglich sein, aber die Regenzeit rückt näher und machen den Aufenthalt unerträglich. Daher ist es für eine Reise dahin jetzt gerade noch die richtige Zeit! Am Donnerstag (23. September) fliegen wir nach Darwin und machen uns dann auf den Weg mittendurch. Unseren Flug und Visa haben wir schon, sogar Kartons für die Räder, jetzt steht der Interkontinentalreise hoffentlich nichts mehr im Weg …

[thaya]


Batam – Medan – Bukit Lawang – Berastagi – Lake Toba

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Es muss einfach mal gesagt werden: Südostasien stinkt! Müll, achtlos weggeworfen oder zu illegalen Müllkippen aufgetürmt, auf der Straße verendete Tiere, Essensabfälle, auf Gehwege und Straßen gekipptes Abwasser, schwarz-graue, dickflüssige Brühe in kleinen Gewässern, Bächen oder Kanälen, schwarz qualmende Abgase – und das alles in brütender, tropischer Hitze. Ein Symbol für diesen Gestank könnte die Durian sein, auch als Stinkfrucht oder Königin aller tropischen Früchte bezeichnet. In vielen Hotels, Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln verbieten Schilder das Mitbringen von Durian und über deren Geschmack lässt sich erst recht streiten … Es wird behauptet, dass wenn man erst mal den üblen Geruch ausgehalten hat und die Frucht probiert, man mit einem köstlichen Geschmack belohnt wird, der an einen butterähnlichen Vanillepudding erinnern soll. Probiert haben wir das selbstverständlich auch und verzichteten nach einem klitzekleinen Stückchen gerne. Naja, was heisst "Stückchen", unter der dicken, stacheligen, gelb-grauen Schale kommt das weiß-gelbe Fruchtfleisch zu Tage, das weich und schmierig ist, fest ist da nichts mehr, es ist die Konsistenz einer überreifen, ja, verdorbenen Frucht. So ist auch der Geschmack: einfach nur eklig. Fast alle Westler die wir fragten teilten unsere Meinung, nur einer meinte, es sei zwar nicht seine Lieblingsfrucht aber er könne sie essen, er sei Franzose, die essen auch stinkenden Käse. Für mich zwar immer noch etwas anderes, aber darin liegt die Diskrepanz der Geschmäcker wohl verborgen: die Südostasiaten sind damit eben aufgewachsen und demnach mögen sie Durian …

Wenn die Durian das Symbol des Gestanks ist, könnte Batam die Hauptstadt sein, zumindest wenn man aus der "saubersten Stadt der Welt" Singapur einreist. Unsere Ankunft in Indonesien war wieder mal ein kleiner Kulturschock. Hier ist alles extremer: der besagte Gestank, der Verkehr, der Dreck, die Aufmerksamkeit die man bekommt, die Armut. Leider mussten wir uns auf Batam drei Tage aufhalten, da wir auf die Fähre nach Belawan warten mussten, die nur einmal wöchentlich verkehrt.

Allein die Beladung der Fähre mit Passagieren und Gütern war ein Erlebnis. Es gibt dort Träger die unendlich Pakete und Taschen an Bord tragen, immer über Kopf, mitten im schlimmsten Gedränge. Aufseher schubsen die Träger direkt oder an ihren getragenen Dingen dann einfach wieder aus dem Strom der drängelnden Meute heraus, scheinbar grundlos, diese taumeln dann seitlich oder zurück, gegen Menschen oder fallen direkt auf den Boden. Daraufhin geben sie aber nicht auf, sondern drängen direkt wieder in die Menge, schubsen, taumeln, fallen und wieder von vorne. Auch die an Bord stürmende Masse ist unbeherrscht. Dabei gibt es nur Tickets mit Platzreservierung und das Schiff legte über eine Stunde zu spät ab.

Die Überfahrt nach Sumatra dauerte 23 Stunden. Wir wollten zügig das Schiff verlassen damit es nicht so spät werden würde, wenn wir in Medan ankommen. Leider bedeutete das auch, dass wir mitten im dichtesten Gedränge bei der Entladung standen, und das mit Fahrrad! Ich war machtlos und wurde nur noch geschoben während sich dennoch alle versuchten an mir vorbeizudrängen, dabei wurde ohrenbetäubend geschrieen. Hinter mir entstand eine Panik, ich dachte wirklich jetzt werden alle zerdrückt! Zum Glück rettete Herr Simon mich aus dem Gedränge und mein Rad und ich kamen heil ins Freie!

Der Verkehr auf Sumatra wird als grausam bezeichnet – volle Straßen, rücksichtslose Fahrer, extrem enges Vorbeifahren, schlechte Straßenverhältnisse. Dafür war die Fahrt nach Medan eigentlich recht angenehm, teils vierspurig, also gut zum Überholen, teils mit neuem Straßenbelag. Die Orientierung in Medan war etwas verwirrend, da in Indonesien die Verkehrsführung in Städten viele Einbahnstraßen vorsieht, die aber in Karten nicht vermerkt sind. Medan schauten wir uns noch einen Tag an, müssen aber sagen, dass es hier nicht viel zu sehen gibt und wir froh waren wieder aus der Stadt raus zu kommen.

Unser erstes Ziel auf Sumatra war Bukit Lawang, ein Ort am Rande des Gunung-Leuser-Nationalparks, der bekannt für seine Orang-Utan-Station ist. Auch wir waren nur deswegen hierher gekommen und sahen an einem Tag Dschungel-Trek diverse Orang-Utans, die hier teils wild, teils ausgewildert frei leben können. Außerdem sahen wir verschiedene Makaken, Gibbons und anderes Getier.

Von Bukit Lawang wollten wir nach Berastagi fahren. Der übliche Weg dahin führt wieder zurück über Medan und dann auf einer viel befahrenen, scheinbar nervenzehrenden Straße nach Berastagi, dabei sind die beiden Orte – Bukit Lawang und Berstagi – gar nicht so weit auseinander. Auf unserer Karte war eine Straße eingezeichnet, die wir aber woanders nicht finden konnten, also fragten wir uns bei der Touristeninformation und verschiedenen Einheimischen durch. Auch zwei Radfahrer haben in ihrem Blog davon berichtet, sind aber in die andere Richtung, also bergab gefahren. Die Straße wurde von fast allen als sehr schlecht bezeichnet, dennoch dachten wir, wird es schon möglich sein, zudem man bergauf auch langsamer unterwegs ist und die Straße nicht so gut sein muss wie beim Bergabfahren. Erst mussten wir fast 50 km wieder die Straße zurück fahren die wir herkamen um dann auf die ominöse Straße abzubiegen. Die ersten 10 bis 15 km war sie sehr gut, dann kamen ein paar Schlaglöcher hinzu, dann fehlender Straßenbelag unter dem der Untergrund zutage kam: Steine. Erst waren diese noch komprimiert wie Pflaster, dann wurden diese immer loser bis die Straße nur noch einem Geröllhaufen oder einem trockenen Flussbett glich. Fahren konnte man da schon lange nicht mehr, es ging nur noch zu schieben. Mit zunehmender Steigung wurde auch das immer anstrengender, die Räder blieben immer wieder zwischen den Steinen stecken und wir mussten das Rad anheben und weiterschieben. Unser Ziel war ein Ort namens Pamahsimelir in dem es einen Homestay geben soll. Ungefähr zwanzig Kilometer davor fing es an zu regnen, und regnen heisst hier schütten. Wir stellten uns unter, warteten etwas und schoben als es etwas weniger regnete weiter. Mittlerweile wollten wir einen Bas (ein Minibus mit Dachgepäckträger der als Sammeltaxi eingesetzt wird) nehmen, aber es kam keiner. Wir fragten ein paar Männer ob sie uns mit ihren Pick-Ups fahren könnten, die Preisverhandlungen zogen sich in die Länge, was außer Nerven vor allem wertvolle Zeit kostete und zu keinem Ergebnis führte. Entnervt gingen wir weiter uns schon damit abfindend dass wir wohl zelten müssen, was aber besonders wegen der Nässe kein Spaß werden würde. Dann begann es wieder sturzbachartig zu schütten und wir stellten uns unter einem Vordach unter. Die Bewohner boten uns Stühle an und ein älterer Herr fragte woher wir seien und verschwand im Nebenhaus. Die Option zu zelten sah immer düsterer aus, da bereits die Straße unter Wasser stand und es nicht aufhörte zu regnen. Die Hausbewohner baten uns herein, doch leider war die Kommunikation aufgrund der Sprachbarriere einfach miserabel. Wir wussten einfach nicht weiter, nebenbei war es mittlerweile auch fast dunkel, und wir wollten uns auch nicht aufdrängen. Das Nebengebäude hatte einen großen überdachten Vorraum und Herr Simon fragte den älteren Herrn ob wir dort unser Zelt aufstellen könnten. Sofort wurden wir eingeladen bei ihm im Haus zu übernachten, was unglaublich nett und unsere Rettung war. Später kam dann die ganze Familie und schaute sich uns an, die Konversation war zwar beschränkt aber es war doch ganz nett. Die Verhältnisse der Familie waren sehr einfach, mit offenem Feuer als Herd, die Toilette war ein betoniertes Loch draußen und das Bad hatte kein Dach. Man wunderte sich darüber dass wir in Deutschland nicht mit den Händen essen sondern mit Besteck und dass der Flug dorthin ungefähr zwölf Stunden dauern würde. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns früh und fuhren (schoben) weiter. Es dauerte noch zwei Stunden bis wir Pamahsimelir erreichten. Der Ort bestand aus ein paar Häusern, einer Kirche und zwei kleinen Läden. Wir hofften hier zumindest etwas essen zu können, doch leider gab es kein Restaurant oder ähnliches. Also schoben wir weiter. Wenn der Weg noch schlimmer werden konnte, dann hier: steiler, größere Steine, es war unmöglich! Und dann kam unsere Rettung mit 5 km/h angewackelt, ein Bas! Schnell wurden die Räder aufgeladen und wir quetschten uns rein. Doch schon nach ein paar hundert Metern kam auch der Bas nicht über einen großen Stein, es wurden Steine vor die Räder gelegt und immer wieder versucht darüber zu fahren. Der Bas geriet dabei dermaßen in Schräglage dass ich dachte er kippt jede Sekunde um. Ich stieg besser aus, was nach ein paar weiteren Minuten dann alle Passagiere machten. Die Frauen standen vorne und schauten während die Männer von hinten schoben. Nach etlichen Versuchen war der Stein überwunden. Weitere 20 km wackelte und strauchelte der Bas den Berg hinauf. In Kota Rayat stiegen wir aus und fuhren den restlichen Weg nach Berastagi auf einer sauber asphaltierten Straße.

Wenn man nach Bukit Lawang nur wegen den Orang Utans fährt, fährt man nach Berastagi nur wegen zwei Vulkanen. Der eine, der Gunung Sibayak, gilt als der am einfachsten zu besteigende Vulkan Indonesiens. Und auch wir stiegen hoch. Oben angekommen gab es einen verschlammten Krater, schwefelgelbe Fumarolen, eine tolle Aussicht ins Tal und auf den Sinabung, den anderen, höheren Vulkan.

Am nächsten Tag fuhren wir an den Tobasee, dem größten Vulkansee der Welt der nach einem der größten Vulkanausbrüche der Erdgeschichte entstand. Die Aussicht auf den See war sehr szenisch während sich die Straße in stetigem Auf und Ab an der Küste entlang bis Parapat schlängelte, von wo wir eine Fähre auf die Insel Samosir nahmen. Wir sind jetzt in Tuk-Tuk, einem weiteren Ort auf der Backpackerroute durch Südostasien und fragen uns mal wieder wo sie eigentlich alle sind, die Backpacker. Wie in Bukit Lawang schon wirkt auch hier der Ort leer, doch alle reden davon und jeder fährt hin … sehr seltsam.

[thaya]