Beiträge mit Schlagworten ‘Thailand’

Hat Yai – Alor Star – Georgetown – Taiping – Ipoh

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Hat Yai, eine südthailändische Großstadt, ca. 70 km von der malaiischen Grenze entfernt, gefiel mir sehr gut. Ein größeres Durcheinander von Kulturen und Ethnien als es in den meisten anderen Städten Thailands zu finden war, viele Chinesen, viel Handel (Gold). Nach ein paar Tagen fuhren wir weiter, nach Malaysia. Die Grenzüberquerung war verwirrend, es gab einen Streifen für die Motos, in den wir wild gestikulierend hinein gewunken wurden. Wir fuhren durch, fanden uns hinter den thailändischen Grenzposten wieder und waren somit nicht ausgereist … Also in falscher Richtung wieder zurück. Wir stellten fest, dass die Motos parkten und dann am Personenschalter ausreisten, dort passten wir mit Rad aber nicht durch, also mussten wir zum Autoschalter. Klingt letztlich nicht so aufregend, kostete aber dennoch mindestens eine Stunde und einige Nerven, da es ja jeder dort anwesende (und es war ‘ne Menge los) gut meinte und und helfen wollte, also von rechts nach links schickte und dort wurde gewunken und hier geschrien … Schliesslich schafften wir es korrekt zum malaiischen Grenzposten, dort alles sehr einfach, Einreisekarte ausfüllen, abgeben, gestempelt und somit 90 Tage Visum. Wir fuhren weiter in die nächstgrößere Stadt Alor Star. Nach ca. 110 km kamen wir an und nahmen ein dem Herrn Simon bereits bekanntes Hotel.

Besonders diese Provinz und die Nachprovinz sollen extrem konservativ sein und Frauen sollen hier mehr belästigt werden als anderswo. Ich machte mich auf einiges gefasst und versuchte einigermaßen angepasst gekleidet zu sein. Bereits beim Abendessen konnte ich feststellen dass der nicht-muslimische Teil der Bevölkerung sich jedoch keineswegs daran hält. Man trägt sehr kurze Hosen, Trägertops und eine Inderin kam sogar in Minirock und Korsage. Ich war beruhigt in meinem T-Shirt. Am nächsten Tag wurde ich dann an einer Tankstelle von einem dort beschäftigten angesprochen, wie es geht, woher ich sei, wohin ich gehe und ob der Herr Simon Freund oder Mann sei. Gibt es etwas dazwischen? Nein, in deren Augen nicht. Ich antwortete mit: "Yeh, that’s my man", da ich es doch nicht direkt übertreiben wollte. Der Malaie schien das zu verstehen und schaute Herrn Simon direkt ganz entschuldigend an als der kam. Der Herr Simon meinte später, dass das bereits die Belästigung war. Gut, damit kann ich leben, was mein Gegenüber sich dabei denkt kann mir ja egal sein.
Soweit so gut. Gestern hatte ich jedoch eine andere Begegnung, die mich dann doch etwas nervte. Ich fuhr gemütlich vor mich her, als ein Einheimischer auf seinem Moto vorbeifuhr und bestimmt 500 m vor mir her fuhr und sich die ganze Zeit umdrehte um mich anzuschauen, dann fuhr er auf die andere Straßenseite, hielt dort und glotzte mich beim vorbeifahren an. Er fuhr vor, drehte um, glotzte wieder, und kam wieder von hinten, klar, glotzend. Ich versuchte ein, zwei böse Blicke zu werfen, obwohl ich grundsätzlich versuche Männer hier nicht direkt anzuschauen. Fraglich was das richtige Vorgehen ist … Kurz darauf traf ich auf Herrn Simon, dem ich den Vorfall berichtete, woraufhin dieser Typ schon wieder glotzend zurückfuhr, wieder von hinten an uns vorbeifuhr und wieder von vorne kam. Ich zeigte ihn dem Herrn Simon der ich-weiß-nicht-was zu ihm rüberschrie und daraufhin kam er wirklich nicht wieder! Daraufhin zog ich mir statt T-Shirt wieder das weite lange Hemd an, fraglich ob das was ändert … aber dieser Vorfall war nun doch belästigend!

Abgesehen davon ist Malaysia toll! Die Leute sprechen fast überall englisch und es wird in lateinischer Schrift geschrieben, was einem den Zugang zu der Sprache sehr erleichtert. Alles wirkt ordentlicher als in Thailand, ist es aber auf den zweiten Blick nicht unbedingt. Es gefällt mir wirklich sehr gut hier!

Nach Alor Star fuhren wir auf die Insel Penang. Eine Urlaubsinsel im Nordwesten Malaysias, von Backpackern, Pauschaltouristen und Japanern besucht. Es gefiel mir erst mal ausgesprochen gut. Wir nächtigten in Georgetown, der größten Stadt dort. Es gibt ein "Little India", "Chinatown" und’ne Backpackerecke. Im Hostel war’s freundlich, Zimmer sauber und abends gab’s erst mal indisches Essen, super! Jedoch mussten wir feststellen das das Bier hier praktisch unbezahlbar ist! Ein großes (600 ml) kostet mindestens EUR 3,50, egal ob Kneipe oder Supermarkt. Da werden wir Bier wohl nicht mehr als "Mineralienquelle" trinken … Am zweiten Tag dort machten wir uns auf den Weg zur Fähre um uns nach Preisen und Abfahrtszeiten für unsere Weiterfahrt nach Sumatra zu erkundigen. Im ersten Reisebüro dort wurde uns erklärt, dass diese Fährverbindung vor zwei Wochen ersatzlos gestrichen wurde, was ein Hafenmitarbeiter bestätigte! Was nun? Planänderung: wir beschlossen nun eben erst durch Malaysia nach Singapur zu fahren und von dort irgendwo eine Fähre zu nehmen. Trotzdem ärgerlich …

Mittlerweile haben wir diesen Plan aufgenommen und sind über Taiping nach Ipoh gefahren, zwei Tage mit an die 100 km und ständigem Auf und Ab. Taiping war die am wenigsten empfehlenswerte Stadt bis jetzt – um es mal so auszudrücken … Die Leute, alle mürrisch guckend, unfreundlich, uns anmachend von Häusern runter, aus Autos raus, Bettelkinderbanden, nur dreckige Hotels, teuer dazu, teils nur zur Prostitution … ne, da muss ich nie mehr hin.
Ipoh, wo wir jetzt sind, ist eine Provinzhauptstadt und sollte für uns eigentlich nur ein eintägiger Übernachtungsort sein, da die letzten zwei Tage aber unerwartet anstrengend waren und die Weiterfahrt sich nach kurzer Recherche auch als sehr anstrengend herausstellte (2.700 Höhenmeter), bleiben wir nun mindestens einen Tag länger, vielleicht auch bis Sonntag um das Spiel Deutschland – Argentinien noch zu sehen.

[thaya]


Chumphon – Surat Thani – Nakhon Si Thammarat – Songkhla – Hat Yai

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Mittlerweile sind wir weiter südwärts vorgedrungen und haben bereits über 1.000 km (!!!) geschafft! Das Radfahren wird zum Glück immer mehr zum Alltag und die anfängliche Anstrengung verbunden mit Schweißausbrüchen und schmerzenden Schenkeln ist überwunden. Dafür hat sich ein nicht gerade sanfter Schritt eingestellt der an dem Tag an dem wir die 100 km-Marke geknackt haben zu einer unangenehmen Angelegenheit entwickelte … Nun sind wir in Hat Yai und werden uns hier ein paar Tage erholen bevor wir nach Malaysia weiterreisen.

Unser Tag beginnt in der Regel bei Sonnenaufgang, meist mit einem Frühstück bei 7-ELEVEN. 7-ELEVENs findet man nahezu überall und sie sind meist 24 Stunden geöffnet. Leider scheint man hier das Prinzip "Doppelpack" nicht zu verstehen, denn unseren bevorzugten Kaffee gibt es nämlich in ebensolchem und der Logik wegen nehmen wir uns dann zwei Tassen heisses Wasser mit um in jedem einen Instantkaffee aufzulösen. Jedoch wird uns dann meist der doppelte Preis berechnet, denn es sind ja zwei Päckchen … aber eben in einem Zellophantütchen. Doppelpack eben. Anderseits ist es völlig o.k., wenn man mit einem Doppelpack und zwei Bechern Wasser an der Kasse erscheint, sich nach kurzer Diskussion ein zweites zu holen. Ohne Aufpreis. Ergo: ein Doppelpack pro Tasse (die Thais mögen ihren Instantkaffee wohl stark und süß), trotzdem ist das Ganze für unsere westlich geprägte Logik nicht so ganz nachvollziehbar. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Da wir das Spiel schon eine Weile mitspielen sind wir ja mittlerweile darauf vorbereitet. Ein, zwei Mal geschah es dann doch: ohne Nachfrage ein Doppelpack berechnet und zwei Tassen Wasser bekommen …

Nach dem Frühstück geht es dann los und zu dieser Zeit sind besonders Hunde ausgesprochen aktiv! Meine erste Begegnung mit einem dieser nicht gerade freundlichen Tiere hatte ich auf der Autobahn, wo ich ihn erst bemerkte als er schon zähnefletschend nach meiner Wade schnappte! Zum Glück sind die Hunde hier wahre Feiglinge und sobald man stoppt verziehen sie sich wieder ängstlich um dann wieder loszubellen und hinterher zu rennen sobald man losfährt. Morgens verfolgen einen ab und an ganze Gangs und machen einen Riesenkrach auf den sonst noch sehr ruhigen Nebenstraßen. Bei dieser Hundedichte und der scheinbaren Heimatlosigkeit vieler verwundert es eigentlich nicht, dass man immer wieder auf Verkehrsopfer trifft, die in verschiedenen Verwesungsstadien auf der Straße liegen. Auch alle möglichen anderen Tiere finden sich getötet auf der Straße wieder, darunter auch überraschend viele und teils recht große Schlangen! Eine weitere Begegnung der unheimlichen Art war eine handtellergroße Spinne die ganz entspannt direkt an der Autobahn ihr Netz aufgespannt hat. Das war nun wirklich nichts für mich! Herr Simon schlug eben einen Tag zuvor vor nach Taman Negara, einem Nationalpark im Norden Malaysias, zu fahren, von dem gesagt wird, dass sich dort Insekten und Spinnen in der Größe für Sci-Fi-Movies finden … ich glaube, wir lassen das besser!

[thaya]


Hua Hin – Prachuap Khiri Khan – Chumphon

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Wir sind in Chumphon! Es war ein bisschen wie heimkommen, da wir vor zwei Jahren bereits hier waren und damals schon anderthalb Tage hier rumhingen … Der Lonely Planet sagt zwar dass es hier nichts zu tun gibt außer auf die Fähre zu den Inseln zu warten, aber wen interessiert das? Wenn man Rad fährt hat man andere Maßstäbe. Hier im Guesthouse gibt es Leckeres zu verköstigen (Baguette!), eine teure, aber tolle Abwechslung zu "khao phat kai" (gebratener Reis mit Ei) was wir sonst mehrmals täglich zu uns nehmen … Erstaunlich wie sich die Prioritäten schon nach solch kurzer Zeit ändern.

Wir haben uns ganz gut an das frühe Aufstehen um 5:00 Uhr morgens gewöhnt, starten dann recht schnell und versuchen bis um 11:00 Uhr am Tagesziel anzukommen. Danach ist die Hitze einfach nicht zu ertragen!

Die letzten zwei Tage schafften wir immerhin an die 80 km täglich obwohl die Strecke recht hügelig war … ja, es war nichts wildes dabei, aber ich bin schon mal froh, dass sich die Frustration wenn dann in einer gewissen Aggression äußerte und nicht in einem Heulkrampf! Teils kamen mir die Anstiege sogar gelegen, da sie eine willkommene Abwechslung bieten zu der doch häufig recht eintönigen Strecke.

Leider werden wir es nicht innerhalb unserer Visumslaufzeit (30 Tage) bis nach Malaysia schaffen und daher wohl einen Visa-Run machen müssen … noch überlegen wir wann und wo. Entweder von Surat Thani nach Myanmar, da sind wir aber voraussichtlich schon in drei Tagen, oder von Hat Yai aus nach Malaysia, da wir ganz im Osten nach Malaysia über die Grenze wollen. Wir werden sehen, es ist in jedem Fall ein ziemliches Gehetze hier schnell nach Süden zu kommen, bis jetzt haben wir uns zwar zwei halbe Tage geleistet, doch noch keinen Tag ausgesetzt …

Außerdem beginnt heute die Fußball-WM! Ich bin sehr gespannt ob wir davon etwas mitbekommen außerhalb der Touristenorte, ob die Thailänder sich dafür interessieren und wann wir mal ein Spiel sehen können! Wegen der Zeitverschiebung sind die Spiele dummerweise immer sehr spät, 21:00 Uhr oder 01:30 Uhr. Sogar 21:00 Uhr ist bei unserem Rhythmus ja schon spät … Ein paar Spiele sind bereits um 18:30 Uhr, zum Beispiel nächsten Freitag Deutschland gg. Serbien, mal schauen wo wir dann sind, ich würde mich jedenfalls sehr freuen es zu sehen und zu sehen was hier so geht! Olé olé!!!

[thaya]


Bangkok – Samut Sakhon – Cha-Am – Hua Hin

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Nach vier Tagen nutzlosem Rumgehänge in Bangkok Banglampoo, von denen wir zwei mit mindestens 18 Stunden Schlaf am Tag verbrachten und die anderen zwei Tage versuchten uns an einen einigermaßen sinnvollen Rhythmus von Schlaf- und Wachzeit zu gewöhnen, fuhren wir am Dienstag den 1. Juni los. Es sollte für mich ein erinnerungswürdiger Tag werden …

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt durch den Bangkoker Verkehr verfuhren wir uns, man riet uns an einem Straßenstand ein Stück zurück zu fahren und dort wieder der geplanten Strecke zu folgen. Leider nahmen wir wohl die falsche Abzweigung und fuhren auf der falschen Straße so weit, dass es nur noch mit einem größeren Umweg möglich war die Ausfallstraße Richtung Westen zu treffen. Mittlerweile war es nach 9:00 Uhr und schon verdammt heiss! Der Verkehr und der aufgeheizte Asphalt taten ihr übriges, mir lief der Schweiss in Strömen runter … ich konnte einfach nicht mehr! Nach einer längeren Pause vor einem 7-Eleven schafften wir es immerhin auf die besagte Straße, wo wir an einer Tankstelle wieder halten mussten. Alles was ich anhatte war nass, nie hätte ich gedacht, dass es derart schlimm werden könnte. Je später es wurde desto unerträglicher wurde die Hitze und Schwüle. Leider war die Ausfallstraße ein achtspuriger Highway, der alles andere als abwechslungsreich war. Der Verkehr raste an uns vorbei, die heissen Abgase bliesen uns ins Gesicht und mir schien es immer unwahrscheinlicher unser Tagesziel zu erreichen. Zu dem enormen Schwitzen kamen schmerzende Hände, taube Finger und ein permanentes Kotzgefühl. Nach mehreren Pausen und qualvoller Fahrt durch die Mittagshitze erreichten wir nach 48 km um 18:00 Uhr Samut Sakhon. Wir nahmen das erste Hotel das wir fanden, es war das bequemste Bett in dem ich je lag!

Nachdem der erste Tag nicht gerade vielversprechend verlaufen war, rechneten wir nicht damit weit zu kommen, das angepeilte Ziel hiess Samut Songkhram, welches 35 km entfernt sein sollte. Wir kamen nachmittags an und um mich nicht gänzlich zu blamieren, bestand ich darauf noch weiter zu fahren. Nach einer Fährüberfahrt über einen Kanal schlug das Wetter bereits um, es windete stark und Wolken zogen auf … wie angenehm! Der Weg verlief endlich einmal nicht an einem Highway sondern an einer teils sehr ruhigen, grün bewaldeten Straße entlang. Wir kamen dank des kühlenden Winds gut voran, mussten uns auf halber Strecke wegen des Monsunregengusses unterstellen, waren aber darüber keineswegs unglücklich! Nach kurzer Zeit war es zwar wieder schwül wie eh und je, beschleunigt durch die Verdunstung des Regens auf der heissen Straße, dennoch war das die beste Strecke bis jetzt. Langsam setzte die Dunkelheit ein und die letzte halbe Stunde spürte man wie tausende Moskitos und andere Insekten auf der Haut aufprallten, im Dunkeln fahren ist also auch nicht die beste Option!

Weiter ging es am dritten Tag nach Phetchaburi, wieder am Highway entlang, wieder heiss und unspannend.

Am vierten Tag erreichten wir endlich das Meer! Wir fuhren auf einer Nebenstrecke vorbei an verlassenen Hotelanlagen und neu errichteten Ressorts. Schon um die Mittagszeit erreichten wir Cha-am, ein Strandort hauptsächlich für thailändische Wochenendtouristen. Die Unterkunftsuche war eine Herausforderung für uns beide, da ich zugegebenermaßen nicht gerade die Freundlichkeit in Person bin, wenn ich bei 45°C in der Sonne rumstehen muss und mir minütlich schlechter wird … wir schafften es letztlich dennoch und konnten uns abends sogar Maybritt Illner auf Deutsche Welle anschauen! Das nenne ich Spaß!

Mittlerweile versuchen wir morgens um 5:00 Uhr aufzustehen um die einigermaßen erträglichen Temperaturen morgens auszunutzen. Ab 9:00 Uhr wird das Fahren zunehmend anstrengender. Die Fahrt von Cha-am nach Hua Hin legten wir in zwei Stunden zurück, so dass wir bereits vor 9:00 Uhr ankamen. Da an eine Weiterfahrt bis 16:30 Uhr nicht zu denken ist nahmen wir uns trotz kurzer Tagesstrecke ein Zimmer. Die Alternative wäre gewesen sieben Stunden zu warten um vor Einbruch der Dunkelheit noch zwei Stunden zu fahren … Herr Simon erarbeitet gerade einen Plan der Hitze zu entkommen … ich bin gespannt!

[thaya]


Bangkok, here we come!

Lange drauf hingefiebert, nun geht’s also endlich los! Aber so einfach wie sich das vielleicht anhört war es nicht, denn wenn man Deutschland auf längere Zeit verlassen will, muss man sich erstmal intensiv mit diversen bürokratischen Stolpersteinen auseinandersetzen. Am 26. April haben wir unsere Wohnung in Berlin aufgelöst, um noch ein paar Wochen nach Backnang zu Thayas Mutter zu ziehen. Da keiner von uns beiden Rechtswissenschaften studiert hat, und es eigentlich auch nicht die Aufgabe des Bürgers sein kann sich detailliert im Melderecht und dem Sozialgesetzbuch auszukennen, führte uns unser erster Weg auf das hiesige Meldeamt, denn wir wollten uns, wie es sich für einen pflichtbewussten Bürger gehört, für die Zeit bis zum Abflug noch in Backnang anmelden.

Uns war zwar bekannt, dass das für Aufenthalte von weniger als vier Wochen nicht nötig ist, aber dass im Umkehrschluss Meldungen für Aufenthalte von weniger als 4 Wochen NICHT möglich sind, wie uns dort gesagt wurde, wussten wir nicht. Es macht keinen Sinn und ist uns im Prinzip auch egal, leider benötigten wir aber den Nachweis über eine Abmeldung ins Ausland, denn seit Einführung der allgemeinen Krankenversicherungspflicht unterliegen auch wir dieser und muss Beiträge zahlen.

Tut man dies aus Versäumnis oder Unkenntnis nicht können diese rückwirkend eingefordert werden. Um also zukünftigen Ärger bereits im Keim zu ersticken wollten wir verständlicherweise unsere Angelegenheiten so gut wie möglich klären und unser nicht mehr hier sein durch eine Abmeldung ins Ausland dokumentieren. Das Meldeamt Backnang verwies uns jedoch an das Berliner Meldeamt. Dieses ist leider sehr schlecht zu erreichen, und die Uhr tickte. Irgendwann bekamen wir dann mal jemanden ans Telefon und man versprach uns eine Abmeldebestätigung zu schicken.

Die kam dann auch relativ zügig, allerdings ging aus ihr nicht hervor, dass wir uns in Zukunft ohne festen Wohnsitz im Ausland aufhalten wollten. Also damit zum Amt nach Backnang, in der Hoffnung, dass diese uns eine neue Bestätigung ausstellen würden aus der dann eben die Abmeldung ins Ausland hervorginge. Aber so einfach ist es natürlich nicht in Großdeutschland. Ein zentrales Melderegister gibt es mit Sicherheit, sonst würde ja das ganze Meldewesen keinen Sinn machen. Man übt sich jedoch im Spielen von Beamten-Mikado und fühlt sich nicht zuständig.

Also dringliches Fax an Berlin gesandt, E-Mail geschrieben und angerufen. Diesmal relativ schnell jemanden ans Telefon gekriegt: Nein das ginge so nicht, wir würden uns ja jetzt in Backnang aufhalten, daher seinen die zuständig. Wir einigen uns darauf, dass Berlin ein erklärendes Fax schickt, mit entsprechender Begründung, welches dann überraschend schnell ankam. Also mit dem Fax zum Backnanger Amt, vorgelegt und siehe da – es geht! Auf einmal! Oder vielleicht weil es das kleinere Übel war uns die Bescheinigung auszustellen als die Zuständigkeit mit Berlin zu klären? Man weiß es nicht.

Das war aber nur der erste Streich. Doch der zweite, die Krankenversicherung folgte zugleich. Wie bereits erwähnt gilt in Deutschland seit irgendwann in 2006 eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Was aber nicht bedeutet, dass man einfach zur Krankenversicherung geht und mit einem: „Hallo, hier bin ich“ bzw. „ich bin dann mal weg“ die Sache zufriedenstellend geregelt bekommt. Nein.

Erstes Problem: Der Status “längere Reise unternehmen” gibt es im deutschen Gesetz (und im Bewusstsein von Beamten) nicht. D.h. nach Beamtenlogik hält man sich entweder an seinem Wohnsitz in Deutschland oder an einem Wohnsitz im Ausland auf. Das Konzept „freiwillig wohnsitzlos“, wo auch immer, scheint es nicht zu geben. Gut, mit viel Zeit, einem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen und ein bisschen Glück kann man das Bewusstsein eines Bürokraten gehörig erweitern.

Das bringt uns zu Problem zwei. Es ist also angekommen, dass man sich zu Reisezwecken auf unbestimmte Zeit ohne festen Wohnsitz im Ausland aufzuhalten gedenkt, aber da ja jeder heutzutage ein potentieller Sozialbetrüger ist und man sowieso niemandem trauen kann, braucht man Nachweise. So etwas Einfaches wie ein verbindlicher Aktenvermerk mit schriftlicher Bestätigung für den Versicherungsnehmer reicht da nicht. Da braucht es schon handfesteres. Z.B. soll der Nachweis mit Flugtickets erbracht werden.

Aber es gibt fast nur noch e-Tickets… und außerdem: ich fahre Fahrrad. „Ja, aber Sie kommen doch sicher wieder zurück, das machen Sie ja nicht mit dem Fahrrad!?“ „Zurückkommen? Weiß ich noch nicht. Warum denn nicht mit dem Fahrrad? Man kann mit dem Rad von Deutschland aus Kapstadt, Hongkong, Singapur und sogar Magadan erreichen ohne nasse Füße zu bekommen, also warum denn nicht auch in andere Richtung?“ „OK. Dann sagen Sie einfach wie es ist, wenn sie dann zurückkommen.“

“Ja genau mein Freund, und in 5 oder 10 Jahren weiß wieder niemand was davon und ich hab wieder den Ärger!” “Nein, das möchte ich vermeiden“ „Hmm, dann versichern Sie es doch bei ihrer Rückkehr an Eides statt.“ „Was, das geht?“ „Klar!“ “OK, cool, na dann geben Sie mir das doch bitte schriftlich!“ Rumdrucks … „Nein, das ist nicht nötig, das geht auch ohne …“ Na wenn es offiziell ist und es nicht nötig ist, dann können Sie es mir doch auch bestätigen …“ “Na gut…” Lange Rede kurzer Sinn, man muss einfach hartnäckig bleiben, der ganz normale Wahnsinn also. Aber jetzt sind wir so weit, morgen geht’s los.

BANGKOK, WIR KOMMEN!

[andreas]